Dinslaken: Wenn die Melodien fließen

Dinslaken : Wenn die Melodien fließen

Smetanas "Moldau" stand im Mittelpunkt des Kinderkonzerts und des Sinfoniekonzerts des Kammerorchesters Dinslaken in der Aula des Otto-Hahn-Gymnasiums.

Melodien fließen. Und diese Analogie zum Wasser hat Komponisten seit Jahrhunderten zu programmatischen Werken inspiriert. Einige dieser Klang gewordenen Ideen sprudelten im Sinfoniekonzert des Kammerorchesters Dinslaken am Sonntag in der Aula des OHG. Und wie bei den letzten drei Malen stand das Hauptwerk des Abends auch im Fokus eines Kinderkonzerts am Tag zuvor an gleichem Ort. Am Samstag war es die Moldau, die Imke Alers vom Musikatelier MARA mit den vielen Kindern - und deren Eltern - in der Aula entlang paddelte.

Doch bevor Friedrich Smetanas wohl berühmtestes Werk erklang, wurde gemeinsam gesungen. Seit dem letzten Kinderkonzert, dem "Karneval der Tiere", hat das Format ein eigenes Mitmachlied. Die Melodie ist vertraut - sie gibt es seit mehreren hundert Jahren. Tilman Susatos bekannteste Ronde hat bis heute nichts von ihrem schlichten Charme verloren. Gleich danach wird es romantisch: Mit der Gondel geht es durch die Kanäle von Venedig. Das Orchester spielt Offenbachs "Barcarole" dazu.

Aber was ist das? Der Schlussakkord des sanft wiegenden Stückes wird von einem schrillen Pfeifen übertönt. Thomas Baumann betritt in Seemannskleidung die Bühne. Dies hat allerdings dieses Mal nichts mit Shanties zu tun. Mit leichtem Käpt'n-Blaubär-Akzent erklärt er, dass er nun Kapitän geworden sei. Den Platz nimmt er auf der eigens für das Konzert gebauten MS Dinslaken ein, auch wenn Orchesterleiter Sebastian Rakow ihm auf die Frage nach seinem Schiff eines aus Papier reicht. Und auf welchem Fluss die Kinder mit Käpt'n Baumann schippern, liegt auf der Hand: Die Moldau geht es entlang, von den Quellen bis zur Burg Vysehrad. Sebastian Rakow und Imke Alers haben sich ihre Kinderkonzerte ein wenig bei Sergej Prokofjew abgeguckt. So wie er mit "Peter und der Wolf" über eine kindgerechte Rahmenhandlung jungen Hörern Orchesterinstrumente nahe brachte, so bereiten sie auch andere Werke der Klassik zugänglich und unterhaltsam auf. Thomas Baumann, selbst erfahrener Musikpädagoge, moderiert in wechselnden Rollen.

Diese beginnen im Fall der Moldau mit den Flöten. Sprudelnde, quirlige Töne, man sieht das klare Wasser der einen der beiden Fluss-Quellen geradezu vor dem geistigen Auge. Es folgen die Streicher mit ihrem breiten Fluss-Thema, der berühmten Moldau-Melodie von Smetana, aber auch das Instrument, das alle anderen im Orchester stolz wie ein Segelschiff überragt: die Konzertharfe. Für Smetanas "Waldjagd" hat Sebastian Rakow ein Naturhorn mitgebracht. Ein Junge im Publikum kann es fachkundig als solches benennen. "Die Hornisten im Orchester sind aber reicher", erklärt Käpt'n Baumann. Tatsächlich schimmern dort, wo Rakows rundes Jagdhorn innen einfach nur leer ist, viele Messingventile.

Das Leben am Fluss. Nicht nur Jägern und Nymphen im nächtlichen Mondenschein (Baumann hält im dunklen Saal eine runde Laterne hoch) begegnet das junge Publikum. Die Kinder von Ina Schneiders Klasse 4b an der Hagenschule haben mit André Lohbrandt einen Tanz zu Smetanas Bauernhochzeit einstudiert. Mit Blumen im Haar tanzen die Kinder in wechselnden Zweier- und Dreier-Formationen, nachdem sie ganz im Stil des 19. Jahrhunderts durch Blumenbögen geschritten sind.

Dramatisch wird es in den St. Johann-Stromschnellen mit donnernden Pauken, bedrohlich repetierenden Blechbläsern und wie Gischt aufspritzenden hellen Flötenmotiven. Traumhaft ist die Harfenmelodie, leicht und etwas durchsichtig schimmernd wie der Anblick der Burg auf der Anhöhe in der Ferne.

Dort endet die Reise für die Kinder. Wer möchte, kann sich noch Harfe und Horn aus der Nähe anschauen.

(bes)
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