Dinslaken: Wenn der Wal im Plastikmüll strandet

Dinslaken : Wenn der Wal im Plastikmüll strandet

Im Rahmen ihrer Kreativtage verwandelten rund 50 Schülerinnen und Schüler der Ernst-Barlach-Gesamtschule (EBGS) Weggeworfenes in bizarre Kunstwerke.

Im Foyer der Ernst-Barlach-Gesamtschule werden die Besucher derzeit von skurrilen Gestalten in Empfang genommen: Roboter aus Konserven, Plastikteilen und Computerschrott stehen da neben einem Wal, der im Plastikmüll gestrandet ist. Micky Maus, die ein Kleid aus roten Einwegtüten trägt, lehnt abwesend an der Wand. Was auf den ersten Blick wie das Werk eines verrückten Erfinders anmutet, hat einen ernsten Hintergrund: Roboter, Wal und Mülli-Maus sind nämlich aus dem gebaut, was achtlos in den Abfall geworfen wurde.

Die bizarre Kunst, die von rund 50 Schülerinnen und Schülern im Rahmen der Kreativtage entstanden ist, soll auf Abfallvermeidung und Mülltrennung aufmerksam machen, das Bewusstsein für einen ökologischen Umgang mit Ressourcen schärfen und sensibilisieren. "Wir schauen, wie wir den Abfall als Wertstoff wahrnehmen und verwandeln ihn in Kunst", erklärt Kunstlehrerin Jutta Wittchen, die vor rund 20 Jahren die Kreativtage ins Leben rief und das diesjährige "Trennsetter-Projekt" mitbetreute.

Zu Beginn der Kreativtage brachte jedes Kind einen Sack mit Plastikmüll in die Schule. Dann wurde überlegt: Was kann man damit anstellen? "Da ist ein Denkprozess in die Wege geleitet worden", sagt Wittchen. Das Kunstprojekt ist dabei Teil einer größeren Idee. Es fügt sich in eine Kooperation zwischen Stadt Dinslaken und der EBGS mit dem Ziel, das Thema Umweltschutz im Alltag der Schule zu verankern: "Das ist eine ganz eigene Philosophie, die hier an der Schule entstanden ist", bilanziert Kunstlehrerin Wittchen.

So gibt es an der EBGS bereits eine Upcycling-AG, in der "Schule der Zukunft" setzen die Kinder sich jedes Schuljahr mit sozialen oder ökologischen Fragen auseinander und die Fachlehrer verknüpfen ihre Lehrinhalte mit Fragen der Nachhaltigkeit. "Wir wollen nicht von oben sagen: Trennt jetzt Müll!", erläutert die stellvertretende Schulleiterin Elke Vella. Wenn die Kinder jedoch an der Arbeit beteiligt würden, hätten diese auch mehr Motivation, sich mit diesen teils abstrakten Themen zu befassen.

"Es hat auf jeden Fall was gebracht. Man passt mehr auf, wie man den Müll trennt", sagt Younes. Der 14-Jährige hat während der Kreativtage an dem schwarzen Plastikwal mitgearbeitet. Auch die Siebtklässlerinnen Annika und Malina glauben, dass das "Trennsetter-Projekt" etwas bewirkt hat: "Es geht viel Plastik in die Meere und schadet den Tieren dort. Man sollte mehr darauf achten, wie man seinen Müll entsorgt", sagt Annika.

Die Schülerinnen und Schüler seien dem Projekt sehr offen gegenüber, sagt Kunstlehrerin Jutta Wittchen: "Sie sind sehr positiv, weil alle sofort verstehen, was gemeint ist." Es brauche nur ein paar Ideen, dann laufe der Rest von selbst.

So werde an der Dinslakener Gesamtschule aus Müll Neues erschaffen, das ganz nebenbei auch noch die Aufmerksamkeit erregt und zum Nachdenken anregt.

(D.K./ K.S)
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