Weniger Priester, weniger Kirchenbesucher in Sankt Vincentius

Neue Gottesdienstordnung : Weniger Messen in Sankt Vincentius

Weniger Priester, weniger Kirchenbesucher: Samstagabendmessen in Sankt Johannes und Herz Jesu fallen weg, in Sankt Vincentius entfallen die Morgen- und die Familienmesse. Neue Gottesdienstordnung tritt am 9./10. März in Kraft.

Vorgespräche gab es mit Kirchenmusikern, Küstern und dem Seelsorgeteam, viele Informationen von Haupt- und Ehrenamtlichen flossen mit ein. „Ich hoffe, dass wir ein gutes Miteinander finden, damit das kirchliche Leben hier weitergeht.“ Pfarrer Barthel Kalscheur begrüßte die vielen Besucher im überfüllten Saal des Johannahauses zur Pfarrversammlung, auch im Namen von Pfarreirat und Kirchenvorstand. Natürlich nahm die neue Gottesdienstordnung den meisten Raum der zwei Stunden mit Diskussion ein.

Pastoralreferent Franz-Josef Roth verwies auf die geringere Priesterzahl, aber auch auf die abnehmende Zahl der Mitfeiernden. Waren es 2013 noch 1626 (7,2 Prozent), so besuchten 2018 nur noch 1054 (5 Prozent) die Heiligen Messen in den sieben Bezirken der Pfarrei. „Wir müssen künftig mehr an der Gottesdienstkultur arbeiten, Freiraum schaffen für Neues mit Mut zu Experimenten als Verbindung von Liturgie und Leben“, so Roth.

Auf einer Leinwand präsentierte er die neue Gottesdienstordnung mit ihren Veränderungen – Zettel liegen ab kommendem Wochenende in den Kirchen aus. So fallen zwei Samstagabend-Messen weg (17 Uhr Sankt Johannes, 18.30 Uhr Herz-Jesu), am Sonntag die 8-Uhr-Messe in Sankt Vincentius und die 10.30-Uhr-Familienmesse. Diese soll alle 14 Tage im Rahmen der 11-Uhr-Messe in Heilig Geist stattfinden. Neu ist eine 18-Uhr-Sonntagsmesse (Jugend und Ü40) einmal im Monat in Sankt Vincentius. Auch innerhalb der Woche werden drei Messengestrichen (Montag, 9 Uhr Sankt Johannes; Donnerstag, 9 Uhr Sankt Vincentius; Freitag, 9 Uhr Sankt Jakobus), zwei werden verlegt: Mittwoch, 9 Uhr Sankt Jakobus (statt Sankt Vincentius), Donnerstag, 18 Uhr Sankt Marien (statt Heilig Blut). Die Umsetzung greift ab dem 1. Fastensonntag, 9./10. März.

Auch auf die Gottesdienste in Pflegeheimen kirchlicher Trägerschaft, in Schulen, Kitas, mit Gruppen (Firmung, Kommunion), auf Beichten, Taufen, Trauungen, Beerdigungen und andere Aufgaben für das Seelsorgeteam wies Roth hin. Im Zeitverlauf werde die neue Gottesdienstordnung überprüft, wenn nötig, verändert. Von Unverständnis („hier wird Leuten vor den Kopf gestoßen“), über Sorge („durch die Reduzierung kommen noch weniger zu den Gottesdiensten“) bis hin zu Wünschen („ein Sommer- und ein Winterplan“) reichten die Diskussionsbeiträge, moderiert von Christoph Speicher, Pastoralberatung aus Münster.

Michael Nühlen (Kirchenvorstand) informierte über die Baumaßnahme Johannahaus, die 2020 beginnen soll. Bis dahin bleibe das Haus auf. Insgesamt sollen 2,7 Millionen Euro in die Hand genommen werden. „Im Sommer 2021 hoffen wir, das Kirchliche Glaubens- und Lebenszentrum einweihen zu können.“ Zwei Außenwände seien denkmalgeschützt, die Quadratmeteranzahl für Gruppenräume und Einzelbereiche auf zwei Geschossen bleibe gleich. Die Ehe-, Familien- und Lebensberatung (EFL) soll wieder einziehen, im Foyer ist ein Bistro geplant, es gibt einen Probenraum für Chöre. Die Dachbodenflächen bleiben erhalten, für Lager und Archiv. In guter Ökumene werde für größere Veranstaltungen weiterhin das Evangelische Gemeindehaus genutzt. Noch in diesem Jahr soll der Glockenturm Heilig Blut (in Erinnerung an die Kirche) realisiert werden.

„Der Entwurf ist da, es gibt eine kostengünstige Lösung“, sagte Nühlen. Am Ende überwog der Tenor: „Ein belebender Abend.“ Kalscheur dankte für das große Interesse und schloss: „Kirche wird Zukunft haben, weil Gott will, dass wir Menschen Zukunft haben.“

(P.N.)
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