Dinslaken/Voerde/Hünxe: Weiter Weg bis zur Notfall-Apotheke

Dinslaken/Voerde/Hünxe : Weiter Weg bis zur Notfall-Apotheke

Patienten müssen oft eine lange Strecke fahren, um eine Apotheke mit Notdienst zu erreichen. Medikamente sind dort nicht immer zu haben.

Es war ein langer und anstrengender Tag für Peter Ziem, der ihn einige Nerven kosten sollte. Sein sechsjähriger Enkel hatte beim Schließen einer Autotür die eigene Hand zu spät weggezogen und sich diese eingeklemmt. "Ich habe gesehen, dass sie gebrochen war und wir sind sofort ins Krankenhaus gefahren", berichtet der Voerder Ziem.

Nach eigenen Angaben dauerte das Warten in der zentralen Notaufnahme (ZNA) des Sankt-Vinzenz-Hospitals drei Stunden, bis der Junge von einem Arzt behandelt wurde. Die Wartezeiten in der ZNA sind mitunter recht lang, besonders an Mittwochnachmittagen und am Wochenende. "Eine sehr ärgerliche Situation entstand allerdings nach der Behandlung. Um das verschriebene Medikament für meinen Enkel zu erhalten, mussten wir bis nach Oberhausen fahren. Die Apotheken mit Notdienst in Dinslaken und Duisburg hatten das Mittel nicht vorrätig", ärgert sich Ziem.

Dies sei durchaus ein Problem, welches häufiger auftritt, verrät Werner Heuking, der die Kreuz-Apotheke in Lohberg betreibt und gleichzeitig als Pressesprecher der Apotheker in Dinslaken, Voerde und Hünxe fungiert. "Bei der Vielfalt an Medikamenten, die es heutzutage gibt, kommt es häufiger vor, dass es das verschriebene Rezept nicht in der Apotheke mit Notdienst vor Ort gibt."

Oft prallen dabei, laut Heuking, zwei verschiedene Philosophien aufeinander: "Die Krankenhäuser verschreiben generell oft eine andere Medikation, als die, die es in der Apotheke dann auch gibt." Tagsüber könne ein solches Mittel nachbestellt werden, so dass es innerhalb von zwei bis drei Stunden eintrifft. "In den Nachtstunden ist das natürlich etwas anderes", sagt Heuking. In manchen Situationen sei es auch sicherlich die einfachste Lösung, wenn der Apotheker in dem Krankenhaus anruft und dort mit dem behandelnden Arzt eine andere Medikation ausmacht. "Leider sind die nicht immer schnell ans Telefon zu bekommen", gesteht der Pressesprecher. Auch wenn beispielsweise 15 Kunden im Krankenhaus das selbe Medikament verschrieben bekommen haben, ginge dem Apotheker der Vorrat aus. "Dann ist ein Weiterschicken in die nächste Apotheke leider unausweichlich", so Werner Heuking.

Dass dies, gerade in den Abendstunden und der Zeit der Apotheken mit Notdienst, sehr lange Strecken sein können, zeigt das Beispiel von Peter Ziem und seinem Enkel. "Das hat sich alles geändert. Früher war es so, dass die Apotheken in Dinslaken und Umgebung unter sich ausgemacht haben, wer wann diese Schicht übernimmt. Da ging es dann meistens von A bis Z runter", erklärt der Betreiber der Kreuz-Apotheke. Heutzutage erfolge eine Verteilung der diensthabenden Apotheken zentral und dabei werde geschaut, wie viele Menschen in dem jeweiligen Gebiet leben. "Da sich Dinslaken genau in einer Schnittstelle zwischen Stadt und Land befindet, kommt es oft vor, dass die Apotheken mit Notdienst weit auseinander liegen. Viele Kunden sind über diese Regelung natürlich verärgert", sagt Heuking. Doch was könnte diese Situation verbessern?

Der Pressesprecher schlägt ein Modell vor, welches in dieser Form unter anderem in Frankreich schon funktioniert. "Dort haben einige ausgewählte Apotheken bis 22 Uhr geöffnet. In Dinslaken könnten es beispielsweise zwei oder drei sein. Sollte es in der Zeit danach zu wirklich dringenden Notfällen kommen, könne die Taxifahrt zur nächsten Apotheke übernommen werden, zum Beispiel von den Krankenkassen", so Heuking.

Dies setze aber natürlich auch bereitwillige Apotheken voraus, die genug Arbeitskräfte zur Verfügung haben. Und schon jetzt haben einige Apotheken Probleme, Nachwuchs zu finden. "Es ist wie bei den Ärzten, gerade auf dem Land sind offene Stellen für Apotheken immer schwieriger zu besetzen", berichtet Marc Kriesten, Geschäftsführer der TOP-Apotheken in Dinslaken.

(lb)