Serie „Heimat“ Der Rotbachsee – kleine Oase in der Stadt

Hiesfeld · Der See ist die Anlaufstelle für den Sonntagsspaziergang, die Joggingrunde, den kurzen Ausflug in die Natur, beliebtes Fotomotiv. Der ansässige Angelverein „Petri Heil“ will dafür sorgen, dass dieser Ort immer schöner und gesünder wird.

 Joel Hoppe und Dennis Wilbert (v.l.) vom Angelverein „Petri Heil“ am Rotbachsee. Der Baumstamm gehört zum Totholzprojekt, das die Angler betreiben. Die Äste und Zweige im Wasser bilden gute Laichplätze für die Fische.  

Joel Hoppe und Dennis Wilbert (v.l.) vom Angelverein „Petri Heil“ am Rotbachsee. Der Baumstamm gehört zum Totholzprojekt, das die Angler betreiben. Die Äste und Zweige im Wasser bilden gute Laichplätze für die Fische.  

Foto: Zehrfeld

Für Dennis Wilbert liegt das Paradies vor der Haustür. „Naturerlebnis mitten in der Stadt“, sagt er: „Das hier ist eine kleine Oase.“ Er hält inne, hört auf Vogelstimmen, die Ruhe, sieht sich an den Bäumen satt. Keine zehn Minuten ist der Besucher hier am Rotbachsee entfernt vom Trubel des Stadtteils. Das Gewässer ist nicht riesig, bietet mit seiner Lage am Waldrand und mit den kleinen Inselchen aber schöne Einblicke. „Das ist ein Ort, den sollte man schützen“, sagt Dennis Wilbert.

Und genau das will der Angelsportverein „Petri Heil Dinslaken“ tun. Vor zwei Jahren hat sich der Vorstand der Truppe mit neuen Ideen ganz neu aufgestellt. Das Durchschnittsalter im Vereinsvorstand liegt jetzt bei 39 Jahren, der 27-jährige Dennis Wilbert ist der Vorsitzende. Der jüngste im Leitungsteam ist der 23-jährige Joel Hoppe, selbst Vereinsmitglied, seit er 14 Jahre alt war: „Ich kenne den See in- und auswendig“, sagt er. Deshalb ist er Gewässerwart geworden: Er wollte sich kümmern.

Für die meisten Hiesfelder und viele Menschen von außerhalb ist der Rotbachsee eine schöne Anlaufstelle, um rasch ein bisschen Erholung und Natur zu finden. Wobei die Natur in diesem Fall künstliche Ursprünge hat. Der Rotbachsee ist als Folienteich entstanden, er war als Regen-Rückhaltebecken für den Rotbach konzipiert. Inzwischen ist er aber ein eigenes Biotop. Eine Runde um den See ist schnell gedreht, es ist lauschig unter Bäumen.

Die Angler wollen nun dafür sorgen, dass dieser Ausflugsort immer schöner wird. „Wir wollen zurück dahin, dass sich der ganze See ökologisch wieder selber trägt“, erklärt Dennis Wilbert. Das bedeutet für den Verein: Bestimmte Gewohnheiten wurden beendet. Früher wurden ab und an Forellen eingesetzt. Damit ist nun Schluss, „denn die gehören da gar nicht rein“. Wenn jetzt neue Fische eingesetzt werden, dann sind es junge Tiere. Keine großen Exemplare, deren Schicksal es allzu oft war, bei nächster Gelegenheit wieder herausgefischt zu werden.

Damit die Fische sich zu einem gesunden Bestand vermehren können, haben sich die Angler selbst Beschränkungen auferlegt. Sie haben „Entnahmefenster“ eingeführt: Hechte zum Beispiel dürfen nur mitgenommen werden, wenn sie zwischen 60 und 90 Zentimeter groß sind. Für Karpfen gilt: 35 bis 65 Zentimeter, für Zander: 50 bis 70 Zentimeter. Alles, was kleiner oder größer ist, wenn es am Haken landet, muss zurückgesetzt werden. Der See, erklärt Wilbert, brauche ältere und jüngere, größere und kleinere Fische. „Mit den Regeln haben wir uns ein bisschen eingeschnürt“, sagt er. „Aber es geht ja hier nicht nur darum, dass wir alle unseren Spaß haben.“ Sondern darum, „dass man das Gewässer schützt“.

Eines der wichtigsten Programme für die Angler ist ein „Totholzprojekt“. Bäume aus dem Bewuchs rund um den See wurden gefällt und ins Wasser gelegt, zusätzlich wurden Äste darum herum drappiert. So schuf man künstlich gute Laichgründe für die Fische, Muscheln nisten sich dort ein.

Nicht nur, dass sich Schwärme von Jungfischen an diesen Stellen tummeln, auch die Wasserqualität sei besser geworden, erklärt Joel Hoppe. „Flusskrebse fühlen sich wohl“, erzählt er, „uns unsere Teichmuschelpopulation ist auch sehr gut.“ Oberhalb des Wassers wird das Grün an den Angelplätzen weniger stark zurückgeschnitten: „Es soll ein bisschen natürlicher aussehen“, sagt Dennis Wilbert.

Der Verein hofft, die Besucher – und nicht zuletzt Angler – mit seinem Konzept zu begeistern. Die Schönheit des Sees hätte es verdient, meinen nicht nur der Vorsitzende und der Gewässerwart.

Angler, die sich einen Eindruck verschaffen wollen, wie es ihnen vor Ort gefällt, können auch als Gast zum Rotbachsee kommen. Eine Karte dafür kostet zehn Euro für einen Tag, gültig ab einer Stunde vor Sonnenaufgang bis eine Stunde nach Sonnenuntergang – das Nachtangeln ist Vereinsmitgliedern vorbehalten. Parkplätze gibt es in direkter Nähe des Sees, bis zu den Angelplätzen sind es nur ein paar Minuten Fußweg.

Kein langes Schleppen der Ausrüstung also, lockt Dennis Wilbert: „Raus aus dem Auto, Tasche über die Schulter, und dann ran ans Wasser.“

Und er plädiert auch für frühes Aufstehen: „Wenn man morgens hier sitzt und der Eisvogel sitzt auf der Rutenspitze“ – dafür lohnt sich das.