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Hintergrund: Warum das Vinzenz-Hospital "überläuft"

Hintergrund : Warum das Vinzenz-Hospital "überläuft"

Überfüllte Zimmer, lange Wartezeiten in der Notaufnahme - das nehmen die Verantwortlichen in Kauf, weil sie keinen Patienten abweisen möchten. Doch die Politik müsse jetzt handeln.

Dinslaken (big) Ja, auch das Vinzenz-Krankenhaus meldet überfüllte Zimmer, gestresste Ärzte, die Überstunden leisteten, aus der Freizeit geholt würden, und Krankenschwestern, die alles tun, um den Patienten zu helfen, oft über ihre eigenen Kräfte hinaus. Da kann es auch schon einmal zu Kommunikationsproblemen zwischen Arzt und Patient kommen, obwohl es nicht sein dürfte. "Wir arbeiten dran. Aber unser Krankenhaus platzt aus allen Nähten", gibt Astrid Koch, Chefärztin der Inneren Medizin und ärztliche Direktorin des Hauses, zu.

"Die Grippewelle macht sich deutlich bemerkbar, die Influenza kommt zurück und dazu noch der Noro-Virus", versucht sie zu erklären. Hinzu kommt noch die Tatsache, dass Krankenhäuser in der Umgebung, wie in Wesel und Xanten ihre Kapazitätsgrenzen anmeldeten und die Notfallpatienten weiterschickten. "Wir haben sogar Patienten, darunter lebensbedrohlich Erkrankte, aus Kleve, Oberhausen und dem Duisburger Süden aufgenommen", so Koch, das mache die Sache noch beschwerlicher, denn "wir weisen als Stadtkrankenhaus keine Patienten ab". Vielmehr versuchten sie alles zu tun, jedem Patienten die nötige Hilfe zukommen zu lassen, weil "wir uns dem Patienten und seiner Gesundung gegenüber verpflichtet fühlen". Das führe die Mitarbeiter derzeit hart an ihre Grenzen und darüber hinaus, und ließen sie der Patientenströme kaum Herr werden. Längere Wartezeiten in der Zentralen Notaufnahme, ein viertes, fünftes Bett auf dem Zimmer seien da leider nicht zu vermeiden. Selbst auf der Unfallstation würden Zimmer für Isolierpatienten abgestellt. "Wir haben jeden Tag eine Krisensitzung."

Noro-Virus-Patienten müssen isoliert werden und nicht alle von ihnen gehörten wirklich in ein Krankenhaus. Patienten, die keine anderweitige Erkrankung hätten, könnten eine "Magen-und-Darm-Infektion" zu Hause auskurieren. Anders alte Menschen und Kinder. Die Isolierzimmer schränkten Kapazitäten ein. Da aber auch Ärzte nicht vor Infektionen gefeit seien, andere in Urlaub seien, herrsche derzeit auch hier eine gewisse Knappheit vor. Da kommt es vor, dass Dienste extern besetzt würden, allerdings mit qualifizierten Fachärzten, so Koch. Honorarkräfte seien gesetzlich gar nicht gestattet. Eine Alternative für die Überbelegung sei nur noch, ebenfalls die Notbremse zu ziehen, doch das kommt für Koch nicht infrage. "Wir sind es unseren Patienten schuldig, sie aufzunehmen und jeder, der ins Krankenhaus kommt, wird auch aufgenommen." Auch wenn darunter Fälle wären, die nicht ins Krankenhaus gehörten. Und so bliebe es auch nicht aus, dass Operationen, die nicht lebensnotwendig sind, um einige Tage verschoben werden müssten, wenn man dies auch nach Möglichkeit zu vermeiden suche.

Ob sich die Misere der Krankenhäuser in Zukunft ändern wird? Dr. Astrid Koch mag nicht so recht daran glauben. "Wir sind zwar gut aufgestellt mit Ärzten. Auch von einer Bettenstreichung sind wir nicht betroffen. In der Psychiatrie und Geriatrie sind wir zu 100 Prozent ausgelastet." Bereiche, in denen der Bedarf aber immer größer werde. Die Politik müsse reagieren. Zwischen 2006 und 2016 sei die Anzahl der Krankenhäuser von 437 auf 348 gesunken, gleichzeitig die Zahl der stationären Patienten von 3,9 auf 4,6 Millionen gestiegen. Häuser zu schließen, wie geplant, schade nur, so Koch. Vor allem dem Patienten.

(RP)