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Waldohreulen in Bäumen des Neubaugebietes Nelkenstraße in Drevenack

Nabu kündigt Proteste an : Waldohreulen im Baugebiet Nelkenstraße in Drevenack gesichtet

Naturschutzbund hält das geplante Fällen von mehreren alten Bäume für nicht zulässig und sieht darin einen Verstoß gegen den Natur- und Umweltschutz.

Die Änderungen im Bebauungsplangebiet Nelkenstraße in Drevenack haben schon in der Vergangenheit die dortige Nachbarschaftsinitiative, die Kreisgruppe Wesel des Naturschutzbundes (Nabu) und die Gruppe Fridays for Future auf die Barrikaden gebracht. Das geplante Fällen von „fünf über 100-jährigen Bäumen“, so der Nabu, hat die Naturfreunde verärgert. Dies sei auch bei der ersten Planung nicht vorgesehen gewesen, wie Peter Malzbender, Vorsitzender der Nabu-Kreisgruppe Wesel, berichtet. Nach seiner Einschätzung ist die Kehrtwende damit zu erklären, dass die Kommune dort noch mehr bauen wolle, um eine möglichst große Rendite zu erwirtschaften. Allerdings könnte das Fällen der Bäume dort nach Aussage des Nabu rechtswidrig sein, weil die Waldohreule, die auf der Roten Liste steht, davon betroffen wäre.

Die Gemeinde Hünxe hingegen lässt den Vorwurf der Gewinnmaximierung nicht gelten. „Die Gemeinde will sich nicht nicht die Taschen voll machen, es geht vielmehr um die Schaffung dringend benötigter Wohnmöglichkeiten“, wie Hünxes Bürgermeister Dirk Buschmann auf Nachfrage erklärte. Die Aussage, dass in den Gebiet Nelkenstraße, wo Mehrfamilienhäuser entstehen sollen,  Waldohreulen anzutreffen seien, werde geprüft, so der Hünxer Verwaltungschef. Wie er erklärte, habe bereits im Vorfeld eine artenschutzrechtliche Untersuchung stattgefunden.

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In der Nacht vom 16. auf den 17. Juli kurz nach zwei Uhr morgens ertönte ein eigentümliches Kreischen aus dem neuen Baugebiet, wie Malzbender berichtet. In Abständen sei es immer wieder zu hören gewesen. Anwohnerin Katja zur Nieden habe sich dann mit einer Taschenlampe auf nächtliche Pirsch begeben. Die seltsame Geräuschkulisse entpuppte sich als das Futterbetteln junger Waldohreulen. Die jungen Ästlinge hätten verteilt in den alten Bäumen gesessen, die dem Bauvorhaben weichen sollen. Katja zur Nieden hat dann als Zeugin noch Mitstreiterin Karla Wagner telefonisch informiert, die sich dann umgehend selbst die Waldohreulen angesehen habe. Auch die Beuteübergabe durch die Altvögel konnten die beiden Frauen beobachten. „Die Waldohreule ist eine planungsrelevante Art. Ist sie hier bei der Bauplanung überhaupt berücksichtigt worden? Allein deshalb dürften die Bäume nicht gefällt werden“, sagt der Nabu-Kreisvorsitzende Peter Malzbender. Er will die Untere Naturschutzbehörde des Kreises Wesel einschalten und um Klärung des Sachverhalts bitten.

Überhaupt sehen die Nachbarschaftsinitiative und der Nabu das geplante Fällen dieser alten Bäume als einen groben Verstoß gegen den Natur- und Umweltschutz an. Ein Gutachten der Naturfreunde bestätigt nach deren Aussage die große Vitalität dieser Bäume mit ausgezeichneter kleinklimatischer Bedeutung vor Ort. Dies sei auch nicht mit Ausgleichspflanzungen dort zu kompensieren. Zudem sei nach dem Rechtsgutachten diesbezüglich auch die Interessensabwägung seitens der Gemeinde als „grob falsch“ einzuordnen. Die alten Bäume dort würden große Hilfe bei Starkregen und extremer Trockenheit in dem Viertel leisten, sagen die Naturfreunde. Dies sei bei vielen wissenschaftlichen Studien bestätigt worden. „Die Nachbarschaftsinitiative und der Nabu planen für die nächsten Wochen weitere Aufklärungsarbeit und Proteste gegen unsinnige Baumfällungen und weitere Versiegelung von Flächen im Bereich Nelkenstraße“, wie Peter Malzbender ankündigt. Die notwendige Wiederaufforstung erfolgt nach Aussage von Bürgermeister Buschmann im gesamten Gemeindegebiet. Es seien mehr Bäume als erforderlich gepflanzt worden.

(hsd)