Volkstrauertag: Der Opfer von Krieg, Terror und Gewalt gedacht

Volkstrauertag : Der Opfer von Krieg und Gewalt gedacht

Im Mittelpunkt der Gedenkfeiern zum Volkstrauertag stand das Ende des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren. Die Bürgermeister aus Dinslaken und Agen sprachen auf der zentralen Veranstaltung auf dem Parkfriedhof.

„Am Volkstrauertag erinnern wir bundesweit an die Millionen Kriegstoten und die Opfer von Krieg, Gewaltherrschaft und Terrorismus. An die Soldaten und an die Zivilisten, an die Bergleute und an die Zwangsarbeiter, an die Bombenopfer und an die unschuldig Verfolgten. Und wir gedenken ausdrücklich der bei Auslandseinsätzen der Bundeswehr gefallenen Soldaten. Ihnen zu Ehren haben wir uns hier versammelt, und ich bin tief bewegt und froh, dieses Gedenken heute mit unseren Freunden aus Agen zu teilen.“ Dinslakens Bürgermeister Michael Heidinger sprach am Sonntag bei der öffentlichen zentralen Gedenkfeier auf dem Kommunalfriedhof an der B 8, in deren Mittelpunkt – wie bei den vielen anderen Gedenkfeiern in der Stadt und in den Nachbarkommunen Voerde und Hünxe auch – das Erinnern an das Ende des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren stand.

Michael Helmich, Oberstleutnant a.D., sprach für die Kyffhäuser-Kameradschaft Hünxe bei der Kranzniederlegung am Ehrenmal auf dem Gansenberg. Foto: FUNKE Foto Services/Joosten

Zuvor hatten sich die vielen Teilnehmer, darunter eine Delegation aus der französischen Partnerstadt Agen, an der Friedhofskapelle versammelt. Gemeinsam und begleitet von einem Marschtrommler zog man zum Ehrenfriedhof. Dort gab es Musikbeiträge vom Bläserkreis Bruch und vom MGV Concordia, ehe der Bürgermeister das Wort ergriff.

Kranzniederlegung im Friedrichsfelder Bürgerpark (früher Offizierspark) mit Bürgermeister Dirk Haarmann, Vertretern von Vereinen und Verbänden. Foto: FUNKE Foto Services/Stoffel

Heidinger erinnerte an den 11. November 2010, als beide Bürgermeister am Mahnmal in Agen zum ersten Mal gemeinsam einen Kranz niedergelegt hatten. „Aber es gab auch eine öffentliche Diskussion, ob bei diesem Anlass die deutsche Nationalhymne erklingen sollte. Die Wunden der beiden Weltkriege, das haben wir an diesem Tag gespürt, waren noch nicht verheilt.“ Das Deutschlandlied sei nicht gespielt worden, „aber es gab viele bewegende Gespräche zwischen den Gästen aus Dinslaken und den Vertretern der soldatischen Verbände aus Agen“, sagte Heidinger. Weitere Annäherungen: Am 23. März 2013 waren Mitglieder der „Anciens Combattants“ in Dinslaken und gedachten des Bombenangriffs auf die Stadt. Im Jahr darauf gab es ein intensives Projekt von Schülern aus Agen und Dinslaken zur Erinnerung an den Beginn des Ersten Weltkriegs. Beim Besuch mit einer Delegation in diesem Juli in Agen zum französischen Nationalfeiertag „war es bereits eine Selbstverständlichkeit, dass das Deutschlandlied und die Marseillaise gespielt wurden“, sagte Heidinger. „Bewegte Menschen können etwas bewegen, auf der kleinen Ebene zwischen Agen und Dinslaken.“

Habe die Menschheit aus der Geschichte gelernt? „Oder sind doch wieder Nationalismus, Abgrenzung und Gewalt als Mittel der Auseinandersetzung salonfähig geworden?“, fragte er. Wichtig sei es, „Momente der emotionalen Begegnung zu schaffen – Momente, in denen wir fühlen, dass ein geeintes und friedliches Europa die wichtigste Voraussetzung für eine gute Zukunft ist.“

Jean Dionis du Séjour, Agens Bürgermeister, dankte für die Einladung, nannte den Ehrenfriedhof einen „feierlichen und ernsten Ort für eine Ansprache“. Auch er verwies auf die vielen Besuche zwischen beiden Städten. „Sie tragen das gleiche Leid ihrer Söhne, die gefallen sind.“ Die langjährige Partnerschaft sei das „Ergebnis vieler mutiger Männer und Frauen“. Sie hätten großen Anteil „an dieser Konstruktion des Friedens und der Versöhnung“. Jean Dionis du Séjour schloss: „Wir müssen das europäische Gebilde verteidigen. Ich ehre die Gräber und versichere Sie der Freundschaft unserer Stadt.“

Danach legten beide Bürgermeister und die Vereine zu Solotrompetenklängen Kränze nieder und die Nationalhymnen Frankreichs und Deutschlands wurden gespielt. Für die Kirchen sprachen die Pfarrer Barthel Kalscheur (Sankt Vincentius) und Jan Zechel (Friedenskirche). Beide betonten, der uns verbindende christliche Glaube sei ein „starker Antrieb für Friede und Versöhnung“, schlage eine Brücke von Mensch zu Mensch, egal, welcher Herkunft, Hautfarbe und Religion. „Gott schafft uns eine Würde, dem anderen die Hand zu reichen.“ Dann beteten alle das „Vater unser“ und es erklang die Europahymne. „Eine sehr würdige Veranstaltung“, so der breite Tenor.

(P.N.)