Volks-Chor Dinslaken feiert 100-jähriges Bestehen

Drei Stunden Programm : Volks-Chor-Jubiläumskonzert mit Schuss

Mit einem großen Festkonzert in der Aula des GHZ feierten die Sängerinnen und Sänger das 100-jährige Bestehen ihres Gesangvereins. Als musikalischer Gast wirkte der Shanty Chor Hiesfeld mit.

„Wo man singt, da lasse dich ruhig nieder“: Das Motto des Volks-Chores Dinslaken 1919 galt natürlich auch – und gerade für das große Jubiläumskonzert am Sonntag in der Aula des GHZ. 100 Jahre Chorgeschichte: Das ist ein Anlass, den es gebührend zu feiern gilt. Entsprechend groß fiel auch das Festprogramm aus. Mit Liedern, Instrumentalstücken und Festreden wurde die Drei-Stunden-Marke geknackt.

Der Volks-Chor unter der bewährten Leitung von Kapellmeister und Musikdirektor Juri Dadiani sang neben populären Schlagermelodien vor allem Lieder, die das Singen selbst zum Thema haben: Das Programm war Programm! Los ging es mit „Wir lieben das Leben und den Chorgesang“. „Wir freuen uns, wenn es euch gefällt, denn darauf kommt es an“, heißt es im Text. Dafür sorgten die Sängerinnen und Sänger, darunter die Solistinnen Doris Schäfer, Edith Süselbeck und Roswitha Haass mit ihren Stimmen, aber auch mit einem Knall-Effekt: Den Kriminal-Tango sangen die Tenöre und Bässe mit Gangster-Hüten und Sonnenbrillen, und an der berüchtigten Stelle „da fällt ein Schuss“ drückte der Chorvorsitzende Hermann Mueller ab – natürlich nur Platzpatronen.

Show gehört zum Shanty Chor Hiesfeld per se dazu. Die Sänger von Chorleiter Thomas Baumann enterten die Bühne mit Schwung. Da durfte das fröhliche „Ciribiribela mola“ ebenso wenig fehlen wie der traditionelle, ohne Instrumentalbegleitung gesungene Shanty „Shau South Australia“. Der Chor wagte aber auch einen Landausflug auf die britische Inseln. „Rose of Allendale“ widmete der Chor dem weiblichen Publikum – schließlich war Muttertag.

Von seinen Großeltern habe er die Freude am Singen vermittelt bekommen, hatte Bürgermeister Michael Heidinger in seiner Ansprache zum 100. Bestehen des Chores erklärt. Thomas Baumann nahm ihn beim Wort und reihte ihn spontan für das „Labskaus-Potpourri“ in die Reihen seiner Sänger ein. Schließlich handelt es sich bei den Titeln des Medleys allesamt um bekannte Fahrtenlieder und martime Schlager: mitsingen erwünscht. Der Shanty Chor Hiesfeld tritt auch mit eigener Liveband mit Gitarren, Bass, Akkordeon, Violine, Buzuki und Tin Whistle auf. Thomas Baumann spielt dazu die Ukulele. Derart gut ausgestattet nimmt ein Lied wie „Santiano“ natürlich besonders Fahrt auf.

Dagegen wirkte der folgende „Can-Can“ von Jacques Offenbach fast gemäßigt. Dabei sind Juri Dadiani und Gabriele Kortas-Zens sehr überlegt an die Titelauswahl ihrer Instrumentalstücke herangegangen. Die beiden begleiten den Volks-Chor stets gemeinsam auf den Tasten, als Duo Una Corda geben sie viele Konzerte im Jahr vierhändig. Im Jubiläumskonzert des Volks-Chores setzten sie zwischen den Gesangsblöcken Akzente mit temperamentvollen Tänzen von Dvorák, Offenbach, Mel Bonis – Gabriele Kortas-Zens ist es wichtig, dass in ihren Programmen die Komponistinnen nicht übergangen werden – und Khachaturjan. Dessen rasanter Säbeltanz wurde vom Publikum nicht nur mit Bravorufen bedacht, die Textzeile des sich anschließenden Stückes des Volks-Chores „So viel Schwung“ schien geradezu das so eben Gehörte zu kommentieren. Auch das letzte Lied des Programms war textlich mit Bedacht gewählt: „Klinge Lied, lange nach“ führten der Volks-Chor und der Shanty Chor Hiesfeld gemeinsam auf. Da teilten sich Juri Dadiani und Thomas Baumann nicht nur die Leitung – Baumann verschwand kurz hinter der Bühne und kam mit einer goldenen Weste zurück, wie Dadiani sie bereits den ganzen Nachmittag trug. Und dann war das Publikum aufgefordert, auch mitzusingen: Alle Akteure stimmten das „Steigerlied“an.

(bes)