Voerde: Voerder schreibt Märchen von Liebe und Mut

Voerde: Voerder schreibt Märchen von Liebe und Mut

Harald Stollmeier hat sein zweites Buch veröffentlicht. Es enthält sieben kleine Geschichten.

Märchen. Das sind nicht einfach nur Geschichten. Und schon gar keine "Ammenmärchen". Es sind Erzählungen, in denen Lebensweisheiten in poetischer Form weitergegeben werden. An Kinder ebenso wie an Erwachsene, die auch manchmal daran erinnert werden müssen, um was es im Leben wirklich geht. Und da man über Bilder eher lernt als durch trockene, vielleicht sogar belehrend wirkende Worte, und da sich das Wesentliche für diese Welt durch das Phantastische besser ausdrücken lässt, weil es die Dinge aus ihrem profanen, manchmal unscheinbaren und oft durch ein "Das ist eben so" eingeengten Kontext heraushebt, begegnen uns in Märchen Frauen, die in Eulen verwandelt werden und wiedergeboren werden müssen, Soldaten, die in Glaswürfeln leben und Brüder, die sich nach der Seelilienfee sehnen.

Diese Märchenfiguren sind nicht bekannt? Nun, das kann sich bald ändern. Sie stammen aus dem neuen Buch von Harald Stollmeier. Der hat vor zwei Jahren "Märchen vom Erwachsenwerden" veröffentlicht. "Ich dachte, ich könnte etwas zu sagen haben - und nicht nur meinen eigenen Kindern." Das hatte er, und ein Bändchen war dafür nicht genug. Jetzt liegen im Verlag tredition Stollmeiers "Märchen von Liebe und Mut" vor. Illustriert wurden sie von Esther Wesemann.

Die sieben Erzählungen des Voerders, Vater dreier Kinder und Pressesprecher einer Krankenkasse in Duisburg, drehen sich um, wie es der Titel schon sagt, Liebe und Mut. Das eine braucht das andere. Denn so wie die Menschen in den Märchen oft ihren ganzen Mut zusammennehmen müssen, um ihre Liebe zu beweisen, lehrt Stollmeier, dass Mut ohne Liebe, ohne Gnade und Barmherzigkeit isoliert, verhärtet, geradezu zerstörerisch ist. Besonders deutlich wird das in der zeitlosen Erzählung des Soldaten, der aus Angst vor dem Tod sich in die Fänge einer diabolischen Marketenderin begibt und in der recht aktuellen Geschichte des Jungen, der als Kind gemobbt wird und sein Leben lang lernen muss, dass Wut und Aggression nicht durch eben diese besiegt werden können.

Stollmeier berührt in seinen Märchen das Phantatische ebenso wie das Religiöse. Er entführt seine - erwachsenen - Leser in Grenzwelten zwischen Himmel und Erde, schreibt gar die Geschichte von Adam und Eva um. Diese "Liebesgeschichte" lässt schmunzeln, aber andere Märchen lassen den Leser auch im Schwebezustand zwischen tröstlich und traurig zurück. "Wenn nun die Sehnsucht doch nicht sinnlos wäre?" zitierte Harald Stollmeier einen seiner eigenen Gedanken aus "Der gläserne Würfel" in einer Widmung. Die Märchen der Welt leben von der unbestimmten Sehnsucht des Menschen nach Bildern, Mythen, Antworten auf die universellen Fragen des Lebens. Die sieben kleinen Märchen auf 114 Seiten von Harald Stollmeier sind kleine, feine Puzzleteile dieses großen Ganzen.

(RP)
Mehr von RP ONLINE