Voerde: Voerder Bürger gegen Zeelink-Gasleitung

Voerde : Voerder Bürger gegen Zeelink-Gasleitung

Betroffene Anwohner fürchten im Havariefall "Gefahr für Leib und Leben" und fordern deshalb eine andere Trassenführung. Die Erörterung des Großprojektes beginnt am kommenden Montag in Neuss.

897 Einwendungen sind zu dem umstrittenen Neubau der Erdgasfernleitung "Zeelink" allein aus Voerde eingegangen. Die Gelegenheit, sich zu ihren Bedenken zu äußern und mit dem Unternehmen, das die Pipeline bauen will, zu diskutieren, haben diejenigen Bürger, die fristgerecht ihre Stellungnahme abgegeben haben, nächste Woche in Neuss. Dort beginnt am Montag, 14. Mai, die Erörterung des Großprojekts, das gemessen an der Zahl der eingereichten Bedenken insbesondere Bürger in Voerde und Hünxe umtreibt. Aus beiden Kommunen wurden mit 1377 von 1507 die meisten vorgebracht, dennoch wird in Neuss und nicht in dieser Region verhandelt. Entsprechende Bitten der Stadt Voerde und der Gemeinde Hünxe blieben seitens der Bezirksregierung Düsseldorf ungehört. Die Vorhabenträgerin, die Zeelink GmbH & Co. KG, hat einen Shuttle-Service eingerichtet. Das soll reichen.

Zu denen, die aus Voerde Einwendungen erhoben haben, gehören auch Dagmar Schmütz, deren Sohn Steven und Heinz Patt, die teils weniger als 100 Meter von der geplanten Trasse entfernt wohnen und sich große Sorgen um die Sicherheit machen. In einem Radius von 250 Metern bestehe im Falle einer Havarie Gefahr für Leib und Leben und im weiteren Umkreis die Gefahr schwerer Brandverletzungen. Steven Schmütz, der beruflich bei der Feuerwehr tätig ist, verweist auf das Volumen an Gas, das durch die Leitung geführt wird. Die Rohre haben einen Durchmesser von einem Meter, und die Pipeline wird mit 100 bar Druck betrieben. Mit Blick auf die im Falle einer Explosion gefährdete Umgebung warnt er vor einer enormen Druckwelle, durch die etwa Ziegel, Steine, Metallsplitter etc. durch die Gegend gewirbelt würden. Auch führen die Zeelink-Gegner Einwirkungen auf die in 1,20 Metern Tiefe liegende Leitung durch Vibrationen an, wenn landwirtschaftliche Fahrzeuge über den Boden fahren oder in der näheren Umgebung unterwegs sind. Heinz Patt, der den Eindruck hat, dass das Vorhaben "durchgezogen" werden müsse, und der auch einen Wertverlust der unweit der Gaspipeline liegenden Häuser befürchtet, weist auf die potenzielle Gefahr durch mögliche Bergsenkungen hin. Zudem erinnert er an die Nähe der Trasse zum Gewerbegebiet Grenzstraße, wo mehrere tausend Menschen arbeiten oder als Kunden unterwegs sind.

In den vergangenen zehn Jahren habe es etwa 30 Katastrophen weltweit mit Toten und Schwerverletzten gegeben, warnen die Zeelink-Gegner. Es gebe alternative Trassenführungen, die nicht in der Nähe von Wohnbebauungen verlaufen - "auch wenn dies "teurer" würde. "Oder spielt Geld eine größere Rolle als Menschenleben?", fragt Dagmar Schmütz. "Wir kämpfen gegen Windmühlen - aber wir kämpfen", sagt sie. Als die Spellenerin von dem Pipeline-Neubau erfuhr, initiierte sie eine Unterschriftenaktion. Innerhalb von zwölf Tagen - so wenig Zeit blieb noch bis zur Abgabe der Einwendungen - seien fast 1000 Unterschriften gegen "Zeelink" gesammelt und die Listen bei der Stadt mit Ziel Bezirksregierung abgegeben worden.

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Die Open Grid Europe GmbH, die den Auftrag für den Bau hat, hält die Befürchtungen der Anwohner für unbegründet. Sprecher Helmut Roloff führt Sicherheitsmaßnahmen wie eine äußere Schutzumhüllung der Stahlrohre aus Polyethylen, den Schutzstreifen von je fünf Metern beidseits der Leitung, wo keine Bautätigkeit erfolgen darf, eine Druckprüfung, die Steuerung und Überwachung der Pipeline durch eine Zentrale oder das Überfliegen per Hubschrauber ins Feld. Eine Leckage werde durch diese und weitere Schutzmaßnahmen ausgeschlossen.

(P.K.)
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