Voerde: Voerde muss 2018 deutlich mehr Flüchtlinge unterbringen

Voerde : Voerde muss 2018 deutlich mehr Flüchtlinge unterbringen

Zurzeit leben 460 Flüchtlinge in städtischen Unterkünften oder angemieteten Wohnungen, im nächsten Jahr könnten es 736 sein.

Die Stadt geht davon aus, dass sie 2018 deutlich mehr Flüchtlinge mit Wohnraum wird versorgen müssen als in diesem Jahr. Sind es aktuell 460 Menschen, die in Unterkünften der Kommune oder von ihr angemieteten Wohnungen leben, werden nach derzeitiger Erkenntnislage 736 Personen unterzubringen sein. Bürgermeister Dirk Haarmann hat dem Sozialausschuss die Zahlen zur aktuellen Flüchtlingssituation vorgelegt. Dabei machte er deutlich, dass eine zuverlässige Prognose zur zukünftigen Entwicklung der Asylbewerberzahlen nach wie vor nicht möglich sei, und verwies auf die "undurchsichtige politische Gemengelage" im Bund, mit offenen Fragen, wie der nach einer möglichen Einführung einer Obergrenze oder der Familienzusammenführung.

Die Stadt stützt ihre Berechnungen unter anderem auf eine Prognose des Innenministeriums (Stand Januar 2017), wonach 2018 voraussichtlich 45. 000 neue Flüchtlinge für NRW erwartet werden. Davon würden 91 Voerde zugewiesen. Auch berücksichtigt die Stadt den von der Ausländerbehörde und dem Auswärtigen Amt prognostizierten Zuwachs von Familiennachzügen anerkannter Flüchtlinge. Die Kommune rechnet für das nächste Jahr damit, dass dieser Kreis um 150 Personen anwachsen wird.

Zwar haben anerkannte Flüchtlinge keinen Anspruch auf Hilfen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz, sie sind aber mit Wohnraum zu versorgen. Von den 460 Flüchtlingen, die aktuell in städtischen Unterkünften oder angemieteten Wohnungen leben, haben 183 einen Aufenthaltstitel.

Sie könnten sich auf dem freien Wohnungsmarkt eine Wohnung anmieten, würden dort jedoch nicht fündig. Der Wohnungsmarkt in Voerde ist laut Haarmann "nach wie vor angespannt".

Dritter Grund für den erwarteten Anstieg der Flüchtlingszahlen in 2018 ist die Wohnsitzauflage: Bislang wurde davon ausgegangen, dass Voerde in diesem Jahr noch 95 Personen aufnehmen müsste, nach dem aktuellen Stand würden diese erst ab Februar nächsten Jahres zugewiesen. Rechnet man die 60 Flüchtlinge ab, die jährlich aus verschiedenen Gründen die Unterkünfte in Voerde verlassen, sind es Ende 2018 736 Menschen, die untergebracht werden müssten.

Dem steht dann eine Kapazität von 701 Plätzen gegenüber. Die fehlenden 35 machen Haarmann zum jetzigen Zeitpunkt "noch nicht nervös". Er sieht "viele Unwägbarkeiten", was die Entwicklung der Asylbewerberzahlen betrifft. Zudem erinnerte er an den Ratsbeschluss, dass nach der befristeten Schaffung von 64 Plätzen in Modulbauweise an der Schwanenstraße bei Bedarf auch zwei weitere Standorte in Spellen dafür genutzt würden.

Für Ende 2019 rechnet die Stadt Voerde dann wieder mit einem Plus (29) an Plätzen und zum 31. Dezember 2020 schließlich mit einer "neuen Engpasssituation" durch die Aufgabe der Parkschule als Flüchtlings-Unterkunft.

(P.K.)