1. NRW
  2. Städte
  3. Dinslaken

Dinslaken: Vinzenz-Frühchenstation in Gefahr

Dinslaken : Vinzenz-Frühchenstation in Gefahr

Nach dem Willen der Landesregierung sollen zahlreiche Perinatalstationen geschlossen werden.

Der Countdown für die Frühchenstationen in Nordrhein-Westfalen läuft, denn die Perinatalzentren sollen nach Willen der Landesregierung reduziert werden. Auch das Sankt- Vinzenz-Hospital in Dinslaken sowie das Marienhospital in Wesel wären von einer Schließung betroffen. Bislang, so erklärt Chefarzt Dr. Christian Schmidt, seien die Geburtshilfe-Kliniken in zwei Kategorien eingeteilt: Level 1 und Level 2. Außerdem gibt es Kliniken mit perinatalem (perinatal heißt: um die Geburt herum) Schwerpunkt oder ganz normale Geburtskliniken.

In Kliniken der Stufe Level 1 werden lebensfähige Frühchen ab der 22. Schwangerschaftswoche oder einem Gewicht bis zu 1250 Gramm versorgt, bei Level 2, wie im Vinzenz-Hospital, alle Geburten ab der 29. Schwangerschaftswoche oder einem Gewicht ab 1250 Gramm. "Die Einteilung in diese Kategorien macht Sinn", so Schmidt, "doch der Krankenhausplan des Lands sieht nur noch Level 1-Kliniken und Geburtskliniken, die keine Frühchen mehr versorgen dürfen, vor." Alle Risiko-Schwangerschaften müssten also an Zentren in Duisburg oder Oberhausen verwiesen werden. Das bedeutet aber auch, dass es am unteren Niederrhein keine Frühchenstationen mehr geben wird. Damit sind Wesel und Dinslaken nicht einverstanden. "Wir haben fristgerecht Einspruch erhoben", berichtet Dr. Christian Schmidt. Es sei keiner, ohnehin durch die Umstände einer Frühgeburt gebeutelten Familie zuzumuten, noch weitere Wege zurückzulegen, um jeden Tag zu ihrem Kind zu gelangen. So werde der ländliche Raum nicht gestärkt, meint Dr. Schmidt. Zumal das Vinzenz-Hospital schon seit Jahren nach Level 1 arbeite. 40 Prozent der Schwestern oder Pfleger auf der Station müssen die Fachweiterbildung "Pädiatrische Intensivpflege" absolviert haben - im Vinzenz haben 80 Prozent diese Weiterbildung, außerdem stehen vier Spezialärzte zur Verfügung. Weil es nun um alles oder nichts geht, hat das Krankenhaus die Einstufung nach Level 1 beantragt. Inzwischen aber schickten niedergelassene Gynäkologen Risikoschwangerschaften in die Level-1-Zentren, die bereits Überbelegung anzeigten. Außerdem fehle bei einigen dieser Kliniken das Personal. Schmidt weiß dies, denn gerade haben vier Schwestern aus jenen Kliniken auf seiner Station ihren Dienst begonnen. Deshalb würden auch Frühchen ab 1250 Gramm gleich nach der Geburt wieder zur weiteren Behandlung zurück an das Sankt Vinzenz geschickt. Was laut Dr. Schmidt in den ersten Stunden nach der Geburt medizinisch bedenklich sei. Technisch und auch personell sei das Vinzenz bestens gerüstet, es fehle nur noch die Zusage der Bezirksregierung. Landesgesundheitsminister Karl Laumann weiß um die prekäre Situation auf dem Lande und versprach bei seinem Dinslaken-Besuch am 20. April, sich um die Situation am Sankt-Vinzenz-Hospital zu kümmern. Die Bezirksregierung hatte inzwischen auch schon zurückgerufen. Hoffnung besteht also.

(big)