Überschuldung: Viele Dinslakener in der Schuldenfalle

Überschuldung: Viele Dinslakener in der Schuldenfalle

Etliche Dinslakener leben auf großen Fuß. Sie leisten sich mehr, als sie sich finanziell erlauben können und nehmen dafür Kredite auf. Was dazu führt, dass ihre Überschuldung steigt, so die Wirtschaftsauskunftei Creditreform.

Der jüngste Schuldneratlas der Creditreform zeigt, dass die Überschuldungsquote in Dinslaken erneut zugenommen hat, wohingegen sie in Voerde und Hünxe leicht zurückgegangen ist. Zum Stichtag 1. Oktober 2017 wurde für die gesamte Bundesrepublik eine Überschuldungsquote von 10,04 Prozent gemessen, wie Anke Wemmer, Geschäftsführerin der Weseler Wirtschaftsauskunftei Creditreform, mitteilt. Dies bedeute, dass jeder zehnte Bürger im Alter von über 18 Jahren seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen kann. Dinslaken liegt im Postleitzahlbereich 46537 mit 11,77 Prozent deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Die Steigerung im Vergleich zum Jahr 2016 beträgt 0,3 Prozentpunkte. Unter dem Bundesdurchschnitt liegen die Überschuldungsquoten in den beiden Dinslakener Postleitzahlenbezirken 46535 mit 9,07 Prozent (plus 0,44 Prozentpunkte) und 46539 mit 7,88 Prozent (plus 0,09 Prozentpunkte.

Anders sieht die Situation in Voerde und Hünxe aus. In der Gemeinde Hünxe wird für den Stichtag eine Überschuldungsquote von 5,85 Prozent ausgewiesen, die damit um 0,13 Prozentpunkte gesunken ist. Die Statistik der Creditreform belegt, dass die Quote seit 2012, als sie bei 6,17 Prozent lag, jedes Jahr heruntergegangen ist. In Voerde lag die Überschuldung 2017 bei 9,51 Prozent und damit 0,19 Prozentpunkte unter dem Wert des Vorjahres. Die Überschuldung im Kreis Wesel liegt im Durchschnitt bei 9,98 Prozent.

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Warum Menschen Schulden machen und ihre finanzielle Situation irgendwann nicht mehr in den Griff bekommen, hat viele Ursachen. Anke Wemmer nennt neben Trennung, Scheidung, Arbeitslosigkeit, Sucht und Krankheit vor allem "unwirtschaftliche Haushaltsführung" als Gründe für die Überschuldung. Und unter einer unwirtschaftlichen Haushaltsführung versteht sie, dass Menschen mehr Geld ausgeben, als sie haben. "Es wird den Leuten ja auch mittlerweile sehr einfach gemacht, sich durch Ratenkäufe alle möglichen Konsumwünsche zu erfüllen. Und so mancher verliert dabei den Überblick und gerät in einen Abwärtsstrudel", so Wemmer. Sie empfindet es als äußerst bedauerlich, dass viele Menschen es nicht gelernt haben, mit Geld umzugehen. "Deshalb müsste man eigentlich schon im Kindergarten oder aber spätestens in der Grundschule den Grundstein legen, damit Kinder vor allem aus sozial schwachen Familien den Umgang mit Geld lernen, um sie vor einer späteren Überschuldung zu schützen", so Wemmer. Wie die Geschäftsführerin der Creditreform Wesel weiter berichtet, hat erstmals die Zahl der Überschuldungsfälle bei den Frauen stärker zugenommen als bei den Männern. Als erschreckend empfindet es Anke Wemmer zudem, dass nicht nur immer mehr Frauen in die Schuldenfalle tappen, sondern dass auch die Altersüberschuldung steigt. "Die Überschuldungsquote der Bevölkerung ab 70 Jahren liegt aktuell bei 1,5 Prozent und damit zwar deutlich unter den Vergleichswerten der anderen Altersgruppen. Der Anstiegstrend im Mehrjahresvergleich 2013 bis 2017 ist mit plus 76 Prozent allerdings überdurchschnittlich", so Wemmer weiter. Experten befürchten, dass dieser Trend weiter anhält, weil die Preise für Mieten, Strom, Wasser und Heizung anziehen, während die Renten kaum spürbar steigen. Eine Auswertung der Daten des Schuldneratlasses nach der Milieuzugehörigkeit hat ergeben, dass fast alle neuen Überschuldungsfälle aus der "Mitte der Gesellschaft" stammen. Überschuldung zeige sich in jedem Fall als massiver Einschnitt in das normale Leben und führe die Betroffenen oftmals in eine Schockstarre.

(hsd)