Dinslaken Verliebte Jungs

Dinslaken · Eine Tankstelle, eine schöne Frau, drei dicke Freunde: Das ist der Stoff, aus dem 1930 der erfolgreichste UFA-Film war. Lars Helmer hat den Blockbuster entstaubt und daraus eine quirlige musikalische Komödie gemacht. Die Burghofbühne startet mit „Die Drei von der Tankstelle“ die neue Spielzeit.

Singen, tanzen, knutschen und ab zu einmal ein Auto betanken – Leif Scheele, Ulrich Meyer-Horsch und Andreas Mayer freuen sich drauf. Sie sind Kurt, Willli und Hans – „Die Drei von der Tankstelle“, dicke Freunde, die kein Geld, aber einen unerschütterlichen Optimismus haben. Beim Dienst an der Zapfsäule wechseln sie einander ab. Als Lilien Kosmann (Iris Kunz) vorfährt, werden aus den Herren im Blaumann verliebte Jungs. Alle wollen die Schöne für sich gewinnen. Aber – wie beim „Highlander“ – kann’s auch hier nur einen geben.

In Frack und Chapeau claque

Vor 80 Jahren waren es Heinz Rühmann, Willy Fritsch und Oscar Karlweis, die Lilian Harveys Röckchen hinterherhechelten und dabei allerlei fröhliche Schlager schmetterten. Jetzt schickt Lars Helmer drei Tankwarte auf die Bühne und lässt sie „Ein Freund, ein guter Freund“ schallern. Der Regisseur hat dafür gute Gründe. „Ich bin ein alter Musical-Fuzzi“, sagt Helmer, „ein Fan von Produktionen, in denen getanzt und gesungen wird und die Leute Spaß haben“.

Dass sich solche Komödien auch gut verkaufen, ist ein schöner Nebeneffekt. „Die Feuerzangenbowle“, auch so eine entstaubte Klamotte, hat sich für die Burghofbühne zum Kassenschlager entwickelt. Mit „Die Drei von der Tankstelle“ hofft das Landestheater einen ähnlichen Coup zu landen.

Die Voraussetzungen dafür sind gut: Nicht nur Helmer hat Freude an der quirligen Inszenierung. Auch die Protagonisten sind begeistert. „Das ist sehr körperliches Theater“, freut sich Andras Mayer, auch privat ein passionierter Tänzer. Leif Scheele wollte immer schon mal in Frack und Chapeau claque auftreten. Und Ulrich Meyer-Horsch, erstmals als Gast bei der Burghofbühne, mag es ohnehin am liebsten, wenn er sich als Teamspieler beweisen kann. Star-Theater interessiert den 45-jährigen Hamburger nicht. „Es kommt darauf an, was zwischen uns auf der Bühne passiert.“ Meyer-Horsch ist in Weierhof, einem kleinen Dorf in der Pfalz, geboren. Die Liebe zum Theater entdeckte er vor 20 Jahren während seines Studiums in London. Kleine Bühnen, große Regisseure – da machte es beim ihm klick. „Ich wollte raus aus der Uni und rein ins Theater“, erzählt Meyer-Horsch. Nach dem Examen (Philosophie und Theologie) wechselte er an die Schauspielschule. Nach Festengagements arbeitet der Wahlhamburger nun schon seit sieben Jahren als Gast an verschiedenen Bühnen. In Brechts „Mann ist Mann“ hat er kürzlich Regie geführt. Den Weg nach Dinslaken zeigte ihm der Pianist Christian Nagel, der mit Nils Imhorst (Bass) und Tobi Lessnow (Schlagzeug) vor der Bühne sitzen wird, um den fröhlichen Tankwarten bei ihren Gesangseinlagen instrumentale Rückendeckung zu geben. Die wollen dreistimmig – und wenn die schöne Lilian mitsingt – auch vierstimmig für gute Laune sorgen. Meyer-Horschs Tochter Miriam (7) freut sich schon darauf, den Papa auf der Bühne knutschen zu sehen. „Das findet die toll“, sagt der Schauspieler. Für seinen Sohn Samuel (10) ist die Liebesgeschichte eher störend. Drei Männer, die an der Tankstelle „ihr Ding“ durchziehen, hätten ihm für einen unterhaltsamen Theaterabend gereicht.

30-er-Jahre-Schick

Lars Helmer wird den Ufa-Spaß nicht eins zu eins umsetzen. „Das würde nicht funktionieren“, sagt er. Lilian Harveys Auftritte seien zu grotesk, als dass man sie heute auf der Bühne zeigen, geschweige denn, darüber lachen könnte. Authentisch sind bei der morgigen Premiere die Tanzeinlagen, die Schlager und die prächtigen Kostüme. Der 30er Jahre-Schick kommt aus der Schneiderei von Bernadette Weber. „Iris Kunz ist ständig damit beschäftigt sich umzuziehen“, verrät Lars Helmer, „und das nur, um in einem noch schöneren Kleid wieder aufzutauchen.“

Premiere: „Die Drei von der Tankstelle“, Freitag, 12. September, 20 Uhr, Kathrin-Türks-Halle. Einige Karten sind noch an der Abendkasse erhältlich.

(RP)