Verein r(h)ein-kultur-welt präsentiert in Dinslaken das Acelga-Bläserquintett

Großartiges Konzert : Acelga-Bläserquintett bringt Tiere zum Sprechen

Die fünf Musiker spielen in der Evangelischen Stadtkirche Stücke von Mendelssohn, Reicha und Berio.

Lauschend steht das Pferd am Fluss. Es ist das „Gebrüll von Bomben“, das es beunruhigt, aber auch rätseln lässt: „Was mag wohl der Grund sein?“ In der Evangelischen Stadtkirche sind es Flöte, Oboe, Klarinette, Horn und Fagott, die mit ihrer atonalen Musik eine akustisch bedrohliche Stimmung erzeugen. Doch nach und nach nehmen fünf Musiker des Acelga-Bläserquintetts ihre Instrumente von den Lippen und stimmen in den Text mit ein: „Was mag wohl der Grund sein?“ Luciano Brios Opus Zoo, in dem Texte über Tiere, die natürlich menschlich gemeint sind, von den Musikern selbst rhythmisch in die instrumentalen Partituren eingebunden werden, überraschte nach der Pause das Publikum der r(h)ein-kultur-welt, hatte Ulrike Haibach doch nur zu Beginn mündlich Verdi und Mendelssohn angekündigt. Um so mehr gehen die kleinen Stücke, die für Kinder gedacht sein sollen, unter die Haut. Auch wenn der Ausflug in die Moderne (Berio starb 2003) mit den „Katern“ heiter endet. Diese rupfen sich zwar missgünstig gegenseitig Schnurrbart und Schwanz, aber das Quintett kommentiert es mit humorvollem „ohh“. Sprache und Musik, wie von Berio verlangt, zusammenzubringen, verlange konzentriertes Proben, sagt Hornistin Amanda Kleinbart, „aber wenn es läuft, macht es Spaß“.

Dem „ohh“ von ihr, der Namengeberin des Quartetts, der Flötistin Hanna Mangold (portugiesisch Acelga), Oboist Sebastian Poyault, Julius Kircher (Klarinette) und Antonia Zimmermann (Fagott) setzte das Publikum ein lautloses „aah“ entgegen, das sich zum Schluss in im Stehen gespendeten Applaus ausdrücken sollte. Das Acelga-Bläserquintett räumt seit seiner Gründung 2012 einen hochkarätigen Preis nach dem anderen ab: Wer am Sonntag erlebte, mit welcher Präzision, welch feinem Ton und welcher Abstimmung aufeinander die fünf agierten, weiß, warum.

Das Spiel des Quintetts ist eine beglückende Demonstration von Achtsamkeit in der Musik, gepaart mit betörender technischer Finesse. Anton Reichas Bläserquintett c-moll op. 91 Nr. 5 ließ jedes Instrument zur Geltung bringen. Mendelssohns Streichquartett Es-Dur op. 12, durch eine Aufsplittung einer Stimme auf Flöte und Oboe von David Walter fünfstimmig gesetzt, betonte das harmonische Zusammenspiel und Guiseppe Verdis Ouvertüre zu „La Forza del destino” in der Bearbeitung für Bläserquintett von Linckelmann und der Tango „Jalousie“ als Zugabe sorgten für bekannte Klänge. Ein wirklich großartiges Konzert.

(bes)
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