Dinslaken: Verein bringt einsame Menschen zusammen

Dinslaken: Verein bringt einsame Menschen zusammen

Der Verein "Wahlverwandtschaften" verhilft Menschen, die sich einsam fühlen oder allein sind, zu quasi familiären Verbindungen. In Dinslaken soll jetzt eine neue Lokalorganisation ins Leben gerufen werden.

In schöner Regelmäßigkeit besucht Young Ja Park-Kriegler ihre Familie in Korea. Da kommen schon mal schnell an die 100 Leute zusammen, erzählt sie. Und auch in ihrer heutigen Heimatstadt Dinslaken kann sich die gelernte Krankenschwester über einen Mangel an Freundschaften nicht beklagen. Hinzu kommt die Familie ihres Mannes.

Doch Young Ja Park-Kriegler kennt auch die Einsamkeit, das Gefühl des Alleinseins. Von damals noch, als sie als blutjunge Frau nach Deutschland kam, als man sie anwarb, in ein fremdes Land zu kommen, um dort den Pflegenotstand einzudämmen. "In Korea legt man großen Wert auf Familie und deren Zusammenhalt," erzählt Park-Kriegler, da sei es schon eine Umstellung gewesen, so ganz allein zu sein.

Doch schnell habe sie sich in Deutschland eingelebt, einen Kollegen- und Freundeskreis gefunden, einen Ehemann, dennoch ist sie seit drei Jahren Mitglied im Verein "Wahlverwandtschaften". Ein Verein, der Menschen, die sich einsam fühlen oder allein sind, zu quasi familiären Verbindungen verhelfen möchte. Seit 2009 ist der Verein mit inzwischen fünf Lokalorganisationen und einer Online-Plattform gemeinnützig tätig. Young-Ja Park-Kriegler möchte nun eine sechste Lokalorganisation in Dinslaken ins Leben rufen.

"Ich bin inzwischen Rentnerin und habe genügend Zeit, mich einer neuen Aufgabe zu widmen", berichtet sie. Und da sie die Idee von den Wahlverwandten einfach nur toll findet, dachte sie sich, warum nicht auch einsamen Menschen in der Heimatstadt eine Anlaufstelle schaffen. "Doch einen geeigneten Raum zu finden, war gar nicht so einfach", erzählt sie. Überall habe sie herumtelefoniert, bis sie endlich in der evangelischen Kirchengemeinde Gehör und einen Treffpunkt im evangelischen Gemeindehaus an der Weißenburgstraße 5 im Klarabezirk fand.

  • Projekt Pflegeschule in Lohberg : Caritas verwundert über Stadt Dinslaken

Das erste Treffen soll am morgigen Samstag stattfinden und Menschen aller Altersgruppen zusammenbringen, so Park-Kriegler. Die Vision dabei sei es, dass niemand mehr unerwünscht alleine sein muss. Doch was ist solch eine Wahlverwandtschaft und hat sie bereits in der Geschichte des Vereins funktioniert? "Es haben sich schon viele Freundschaften entwickelt, auch Mutter-Tochter-Beziehungen", so Park-Kriegler. Sie berichtet von dem Schicksal der Vereinsgründerin. "Christine wohnt derzeit in der Schweiz, damals allerdings in München", erzählt Park-Kriegler.

Gerade mal 24-jährig hatte Christine sowohl ihre Schwester als auch ihre Eltern verloren, Verwandte hat sie keine, wohl aber viele Freunde und Bekannte. Dennoch fühlte sich Christine irgendwie alleine, es fehlte ihr etwas. Auf einer China-Reise 2001 lernte sie zwei Kölnerinnen, die Freundinnen Ada und Ilse, beide damals 71 Jahre alt, kennen. Man kam sich näher, der Kontakt blieb erhalten. Christine wurde zur "Tochter" der beiden Frauen, diese zu "Müttern" von Christine. Ada hatte einen Sohn, Ilse keine Kinder - und so kam eins zum anderen. Auch Adas Sohn freundete sich mit dem Gedanken an eine Schwester an. Leider verstarb Ada 2015 85-jährig, doch das Familienverhältnis hält auch über den Tod Adas hinaus.

"Ob es immer so ablaufen muss, bleibt der Zukunft überlassen", sagt Park-Kriegler. "Vielleicht ergeben sich nur wunderbare Bekanntschaften, vielleicht eine Oma-Enkelin-Beziehung oder zwei Frauen werden zu Wahl-Schwestern. Das werden die Treffen zeigen." Was der Verein nicht ist: eine Partnerschaftsbörse im ursprünglichen Sinne. Das Konzept will einfach eine Gegenbewegung zu der zunehmenden Auflösung familiärer Bindungen darstellen und helfen, einsame Menschen miteinander in Kontakt zu bringen. "Dem berühmten Zufall soll auf die Sprünge geholfen werden", sagt Young Ja Park-Kriegler.

(big)
Mehr von RP ONLINE