Unsere Woche: Von Falschparkern und Fremdanzeigen

Kommentar: Unsere Woche : Wo der Spaß aufhört: Von Falschparkern und Fremdanzeigen

Das Knöllchen schreibende Bodenpersonal des Ordnungsamts ist schon nicht beliebt. Dabei sind dessen Dienste so wichtig: Würde niemals kontrolliert, würden die Leute vermutlich noch kreuz und quer auf der Straße parken, geben wir es doch zu.

Wenn aber Privatleute ihre Mitmenschen für Parksünden bei der Stadt anschwärzen, dann hört der Spaß ernsthaft auf. Das wird als niederträchtig empfunden. Das haben in dieser Wochen viele Reaktionen von Bürgern gezeigt, nachdem es allem Anschein nach an der Dinslakener Bahnstraße wiederholt zu solchen so genannten „Fremdanzeigen“ kam.

Da wird deutlich, wie zerbrechlich der Frieden gerade auf der Straße ist. Und, dass den Leuten häufig nicht klar ist, dass sie dafür auch etwas Verantwortung tragen. Wer beispielsweise den eigenen Wagen immer wieder so abstellt, dass die Nachbarn nicht mehr vorbeikommen, oder wer dreist mitten auf zwei Parkplätzen steht, der oder dem sollte eigentlich klar sein, dass das unsozial ist. Wer sich wiederum ohne Not und aus Prinzip dazu berufen fühlt, die Parkverstöße anderer Leute anzuzeigen, dem scheint es doch vor allem darum zu gehen, seine Umwelt zu ärgern.

Dabei kommt ohnehin schon wenig Gutes raus. Vor allem aber geht es so richtig nach hinten los, wenn es Leute trifft, denen man Rücksichtslosigkeit eigentlich nicht vorwerfen kann. An der Bahnstraße etwa ging es ausgerechnet um Menschen, die mit körperlichen Einschränkungen zu tun haben. Der betroffene Senior hatte nur versehentlich falsch geparkt. Eine Seniorin weiß zwar um ihre Verfehlung, hoffte aber auf Verständnis – sie sieht kaum eine Chance, sich anders zu verhalten.

Ausgerechnet diejenige Institution, die eigentlich für das Themenfeld zuständig ist – die Stadtverwaltung – hat die geringsten Einflussmöglichkeiten. Die Leute im Ordnungsamt müssen Fremdanzeigen prüfen. Und sie können sich nicht dazu aufschwingen, zu bewerten, ob eine Anzeige nun moralisch gut oder dem gesellschaftlichen Frieden zuträglich ist oder nicht. Das können nur Bürgerinnen und Bürger selbst. Also: Bevor Sie das Ordnungsamt in Gang setzen, lassen Sie die Falschparker wenigstens wissen, was sie falsch gemacht haben. Wenn Sie niemanden ansprechen wollen, hinterlassen Sie halt einen Zettel am Wagen. Vielleicht erleben Sie, dass sich dadurch schon etwas ändert. Ganz ohne das schwere Geschütz der Obrigkeit.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende.

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