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Unsere Woche: Corona - weniger Angst, mehr Mehl für die Nachbarn

Unsere Woche : Weniger Angst – mehr Mehl für die Nachbarn

Corona ist da. Haben Sie genug Mehl im Haus? Nicht? Ja denn aber los! Oder halt... warten Sie, doch nicht. Nehmen Sie sich doch noch einen Augenblick Zeit für ein paar Gedanken zum Thema.

Die Sicherheitsmaßnahmen, die derzeit ergriffen werden, können Angst machen. Die Schulen schließen, immer mehr Menschen sind in Quarantäne, Krankenhäuser schränken die Besuchszeiten ein, Stadtwerke machen ihr Kundenzentrum zu, Unternehmen lasse ihre Leute im Homeoffice, und wer hustet, soll bloß nicht zum Arzt laufen.

Darauf gibt es nun zwei extreme Reaktionen. Die einen decken sich mit Toilettenpapier und Nudeln ein, als stünde eine Katastrophe unmittelbar bevor. Die anderen halten das alles für übertrieben und großen Quatsch: Wie sehr gezählt, getestet, unter Kontaktsperre gestellt, alles geschlossen und abgesagt wird – alles Überreaktion und Panikmache. Schließlich ist die Krankheit gar nicht so schlimm, die meisten überstehen sie problemlos. Irgendwann werde das Virus einmal um die Welt gegangen sein, und die werde davon nicht untergehen.

Die Vertreter beider Richtungen verstehen die Sicherheitsvorkehrungen vermutlich falsch. Diese werden nicht ergriffen, weil man befürchtet, dass Leute sonst dahingerafft würden wie die Bevölkerung im Mittelalter durch den schwarzen Tod. Sondern, um das Gesundheitssystem leistungsfähig zu halten für alle, die es brauchen.

Wenn das Virus unkontrolliert weitergegeben wird, dann erreicht es eben auch jene, die anfälliger für Komplikationen sind. Man denke an die eigenen Eltern. An den Bekannten, der mit einer Spenderniere lebt, oder die Freundin, die gegen Krebs kämpft. Und der oder die eine oder andere hat vielleicht einfach Pech.

Sowohl für diejenigen, die Covid-19 wirklich schwer erwischt, als auch für alle, die ganz unabhängig davon etwas Ernstes bekommen, sollten die medizinischen Einrichtungen genügend Platz, Ruhe, Material und Personal haben. Und deshalb sollten besser nicht ganz viele Menschen gleichzeitig auf Hilfe angewiesen sein.

Die Maßnahmen wiederum, die Unternehmen ergreifen, indem sie beispielsweise Konferenzen absagen, Reisen verschieben, Mitarbeiter in versetzte Schichtdienste einteilen, sind schlicht wirtschaftlich sinnvoll. Auch hier ist der Hintergrund nicht die Angst vorm Weltuntergang, sondern der bodenständige Ansatz, dass es Vorteile hat, wenn nicht plötzlich die halbe Belegschaft in Quarantäne muss.

All das ist nicht gerade neu erfunden worden, es gibt Erfahrungswerte. Vor zehn Jahren gab es die Schweinegrippe. Das Gesundheitsamt des Kreises erklärt, dass es seinerzeit genau so vorgegangen sei wie jetzt: Auch damals habe man die Fälle gezählt und alle auffindbaren Kontaktpersonen von Erkrankten ausgemacht, um die Ausbreitung einzudämmen. Das Verfahren habe sich damals bewährt, heißt es.

Sicherheitsrichtlinien einzuhalten ist richtig. Für einige zum Selbstschutz, und für viele, um ihre Mitmenschen zu schützen. Mehl im Haus zu haben kann nicht schaden. Da die Apokalypse aber unwahrscheinlich ist, wäre es nett, auch noch welches für die Nachbarn übrig zu lassen. Man kann sogar noch weitergehen und welches für sie einkaufen. So, wie das die Siedlergemeinschaft Brömmenkamp in Hünxe gerade angestoßen hat. Auch in Voerde gibt es bereits derartige Angebote. Die Corona-Krise wird noch zutage fördern, dass es nicht nur angsterfüllte Reaktionen gibt, sondern auch ganz viel Vernunft, Solidarität, Hilfsbereitschaft und Umsicht.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende.

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sina.zehrfeld@rheinische-post.de