Voerde: Turboabi und der Wunsch, mit 16 zu wählen

Voerde : Turboabi und der Wunsch, mit 16 zu wählen

Schüler des Voerder Gymnasiums nehmen Stellung zu schulpolitischen Themen wie G8, Digitalisierung und Inklusionsklassen.

Schulfreiheitsgesetz, Inklusion, Digitalisierung und G8: Wenn es um Bildung geht, haben sich die Parteien in Nordrhein-Westfalen vor den Landtagswahlen unterschiedliche Schwerpunkte auf die Fahnen geschrieben. Aber wie stehen eigentlich die Schüler zu diesen Themen? Am Gymnasium Voerde gaben fünf Jugendliche Auskunft, die bei den Juniorwahlen Wahlhelfer waren. Einig waren sie sich, dass Inklusion eine Bereicherung für alle sei.

Hannah Dallmann, die seit der 5. Klasse in eine Inklusionsklasse geht, findet: "Wenn man von Anfang an daran gewöhnt ist, ist Inklusion völlig normal", so die 15-Jährige. "Lernschwache werden direkt eingebunden. Wir lernen wahnsinnig viel voneinander", erzählt Dallmann. Paula Haarmann, die in die neunte Klasse geht, ergänzt, dass dies allerdings nur mit sonderpädagogischer Betreuung so gut funktioniere. Ob das Abitur nach acht oder neun Jahren sinnvoller ist, machten die Gymnasiasten vom einzelnen Schüler abhängig. "Gut, dass beides möglich ist", meint Elftklässlerin Sarah Kämper. "Viele empfinden G8 als relativ stressig und möchten lieber langsamer lernen. Dann ist das G9 auf der Gesamtschule sicherlich das Richtige", so der 18-jährige Fabian Rapp.

In Sachen moderne Ausstattung zeigte sich Sarah Kämper mit ihrer Schule generell sehr zufrieden. "Nicht in jedem Raum ist ein PC nötig", so die 17-Jährige. Ein Manko, das alle stört: "Wir wünschen uns, dass wir uns morgens von zuhause den Vertretungsplan ansehen können, beispielsweise, um rechtzeitig zu wissen, ob die erste Stunde ausfällt."

Zurück zur Landespolitik: Hier hat der 17-jährige Lukas Lülf noch ein anderes Anliegen. "Nachdem wir uns so intensiv mit den Wahlen beschäftigt haben, würde ich jetzt auch gerne selbst wählen", so der Elftklässler. Und Fabian Rapp ergänzt: "Sinn macht eine Herabsetzung des Wahlalters auf 16 Jahre allerdings nur, wenn man sich vorher in der Schule ausreichend mit den Parteien und politischen Vorgängen auseinandersetzt." Für Schulleiter Gerd Kube ist eine größere Unabhängigkeit bei Personal, Finanzen und pädagogischem Ansatz wünschenswert.

"Das alles immer unter der Vorgabe, dass auch ein Betriebswirt mit am Tisch sitzt", so Kube. "So könnte jede Schule noch mehr aus sich herausholen." Ursula Reinartz, Leiterin der Gesamtschule Voerde, sieht Inklusion im Fokus. "Dadurch lernen wir alle Toleranz, Akzeptanz und Vielfalt und sie spiegelt ganz einfach unsere Lebensrealität wider", so Reinartz.

Da dies ein Prozess sei, fehlten in diesem Bereich noch Kräfte. Man könne genau aus diesem Grund nicht genug in Bildung investieren. "Geld für Bildung bereitzustellen, hat etwas mit Wertschätzung für unsere Kinder zu tun", ist die Pädagogin überzeugt.

(ahe)
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