Dinslaken: Thiel-Quartett begeistert mit Spielfreude auf höchstem Niveau

Dinslaken : Thiel-Quartett begeistert mit Spielfreude auf höchstem Niveau

Sie ist nicht nur das älteste kontinuierlich bestehende Orchester der Welt, sondern auch eines der aktuell renommiertesten. Die 1548 gegründete sächsische Staatskapelle Dresden wurde schon von Heinrich Schütz, Carl Maria von Weber und Richard Wagner geleitet, seit 2013 ist es das "Orchester in residence" der Salzburger Osterfestspiele. Annika Thiel, erste Geigerin dieses Ausnahmeklangkörpers, kann sogar noch einen drauflegen: Sie ist seit 2004 ebenfalls erste Geigerin im Bayreuther Festspielorchester.

Man kann sich vorstellen, dass Ulrike Haibach am Sonntag besonders stolz war, dass es dem Verein r(h)ein-kultur-welt über seine Kooperation mit den Duisburger Philharmonikern gelungen ist, das Thiel-Quartett mit Annika Thiel (1. Violine) mit ihren Orchesterkollegen Kai Mitzscherling (2. Violine), Holger Grohls (hier Viola, sonst bei der Staatskapelle 1. Konzertmeister der 2. Violinen) und Friedwart Christian Dittmann (Violoncello) nur für einen einzigen Auftritt in der Evangelische Stadtkirche von Dresden nach Dinslaken zu holen. Direkt nach dem Konzert am frühen Sonntagabend ging es zurück in die sächsische Landeshauptstadt, Montagabend stand in Dresden Mendelssohns "Schottische" auf dem Sinfoniekonzert-Programm.

Warum lassen sich Musiker auf solch einen Kurztrip ein? Das kammermusikalische Spiel stellt an jeden einzelnen ganz andere Herausforderungen als die Orchesterarbeit. Und die Musiker hatten Lust darauf, sich dieser Herausforderung gerade in Beethovens Streichquartett op. 59 Nr. 2 e-moll zu stellen. Das erwähnten sie am Rande des Konzerts und das hörte man ihnen im Konzert in jedem Takt an.

Ob mit dem homophonen Beginn oder den ineinandergreifenden 16tel-Läufen: Beethoven verlangt das perfekte Zusammenspiel. Dabei lässt er die Synkopen hüpfen, treibt Motive hämmernd und peitschend nach vorne, lässt Themen aus dem Nichts in die musikalische Wirklichkeit hineinschweben. Für das Publikum in der Stadtkirche ist das ein Genuss auf höchstem Niveau. Auch wenn die Musiker vor jedem Satz ihre Instrumente nachstimmen mussten, draußen war es zwar warm, aber das erhöhte die Luftfeuchtigkeit in der kühlen Kirche um so mehr.

Im Orchester haben die Streicher eine gemeinsame Klangfarbe, sie säuseln schwebend, stehen damit im Kontrast zum wuchtigen Blech. Genau mit diesem Klangcharakter interpretierte das Quartett Mozarts Streichquartett G-Dur KV 387. Und im Streichquartett Nr 2 Es-Dur des 1934 in die USA emigrierten Komponisten Erich Wolfgang Korngold klingen die Streicher wie in einem alten Technicolor-Hollywood-Streifen. Nicht ohne Grund: Schließlich ist Korngolds bekanntestes Werk seine Oscar-prämierte Filmmusik für "Robin Hood" mit Errol Flynn. bes

(bes)
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