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Thema Wolf: Verbände bewerten Gutachten zu „Gloria“ unterschiedlich

Wölfe am Niederrhein : Verbände bewerten Gutachten zu „Gloria“ unterschiedlich

Naturschutz- und Tierhalter-Organisationen wünschen sich klarere Leitlinien für die Beurteilung eines Wolfs und einen „Runden Tisch“ zur Beratung.

Der Zusammenschluss „Wolf und Weidetiere NRW“ will, dass verbindliche Kriterien dafür festgelegt werden, unter welchen Umständen die Tötung eines Wolfs gerechtfertigt ist. Er schlägt für den Weg dahin vor, dass ein Runder Tisch installiert wird, der Behörden und andere Institutionen beim Thema „Wölfe“ und „Herdenschutz“ zuarbeitet.

Die Verbände reagieren damit auf die jüngste gutachterliche Stellungnahme des Bundes, die Niederrhein-Wölfin „Gloria“ entlastet. Darin heißt es wie berichtet, „Gloria“ und ihr Rudel zeigten keine Verhaltensweisen, die einen Abschuss rechtfertigen würden. Das Rudel ernähre sich vornehmlich von Wild und reiße Weidetiere nur, wenn diese unzureichend geschützt seien.

„Wolf und Weidetiere“ ist ein Zusammenschluss von Naturschutz-, Landwirtschafts- und Tierhalterorganisationen – also von Interessenvertretungen, die die Auswirkungen des Wolfs durchaus unterschiedlich betrachten.

So teilt die Plattform nun auch mit, dass die Mitgliedsverbände das Ergebnis des Gutachtens unterschiedlich bewerten. Von Naturschutzseite aus sehe man sich darin bestärkt, dass die Wölfin nicht verhaltensauffällig sei. Die Weidetierhalter verweisen aber darauf, dass sie dennoch Nutztieren gefährlich werde.

„Warum diese Wölfin Weidetiere regelmäßig auf ihren Speiseplan genommen hat, ist inzwischen unerheblich. Von ihr geht völlig unstrittig eine Gefahr für die Weidetiere aus. Die gilt es abzuwenden. Das ist auch die entscheidende Rechtsgrundlage für eine Entnahme,“ befand Günther Czerkus, Vorsitzender des Bundesverbands der Berufsschäfer. Der Schafzuchtverband NRW hält es zudem nach wie vor für strittig, ob im Falle von Gloria nicht doch eine rote Linie überschritten worden sei.

Das Problem: Die bestehenden Kriterien, nach denen ein Wolf getötet werden dürfe, werden von unterschiedlichen Interessengruppen unterschiedlich interpretiert.

„Wir müssen uns auf das konzentrieren, was bei einer guten Koexistenz von Wolf und Weidewirtschaft entscheidend ist, einen konsequent und effektiv umgesetzten Herdenschutz“, erklärte wiederum Christian Chwallek, stellvertretender Vorsitzender des Naturschutzbundes in Nordrhein-Westfalen. Und Nicole Kronauer von der Gesellschaft zum Schutz der Wölfe forderte in diesem Sinne: „Die Beratung insbesondere der Kleinsthalter sollte flächendeckend intensiviert werden.“

(szf)