Theater gegen Gewalt an Frauen in Hünxe

„Kassandra“ im Hünxer Ratssaal : Wenn Frauen gegen die Gewalt anschreien

Zum internationalen Aktionstag spielte Cornelia Gutermann-Bauer in Hünxe das Stück „Kassandra“.

Dunkelheit. Fast komplette Stille, nur ein wenig Rascheln ist zu hören. Plötzlich schallt ein lauter Schrei durch den Hünxer Ratssaal. Eine schmerzerfüllte Frauenstimme füllt den kompletten Raum aus. Das Publikum lauscht gefesselt, während das Gesicht der Schauspielerin Cornelia Gutermann-Bauer langsam im Licht auftaucht.

Aus Anlass des internationalen Aktionstages zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen am 25. November hat Cornelia Gutermann-Bauer solo das Theaterstück „Kassandra“, basierend auf der Erzählung von Christa Wolf, gespielt. In der Rolle verkörpert sie eine starke Frau zur Zeit des trojanischen Krieges. Als innerer Monolog blickt die Königstochter Kassandra kurz vor ihrem Tod zurück und hinterfragt die Machenschaften des eigenen Hauses und ihres Vaters Priamos, damals König von Troja. Dabei schildert sie etwa, wie Frauen zum Objekt gemacht und wie Konflikte emotionalisiert werden. Sie entdeckt ihre eigene Kraft. „Das Stück passt gut zum Aktionstag“, findet Anke Schott, Gleichstellungsbeauftragte der Gemeinde Hünxe.

Die Darbietung, bei der Günter Bauer, der Mann von Cornelia Gutermann-Bauer, Regie führte, lebt von ihrer beklemmenden Mimik, immer mal wieder gibt es auch Ausbrüche. Am Ende honoriert das Publikum die schauspielerische Leistung mit viel Applaus. Zuschauer Axel Emmrich aus Hünxe ist zwiegespalten: „Auf der einen Seite bin ich beeindruckt, dass der lange und schwierige Text so frei deklamiert wurde, auf der anderen Seite fand ich die Darstellung altertümlich.“ Auch habe sich die Sprechweise mit den vielen Betonungen in fast jeder Aussage schnell abgenutzt. Das habe dafür gesorgt, dass die Emotionen schnell wieder weg waren. Auffällig fand er die wenigen, aber „heftigen Emphasen“. In einer des Stückes wurde Kassandra bei einem hinterhältigen Plan des Königshauses gefragt, ob sie schweigen wird. Sie brüllte regelrecht: „Nein!“

Das erhofft sich auch Axel Emmrich beim Thema häusliche Gewalt gegen Frauen. Er wünscht, dass die betroffenen Frauen schneller in die Öffentlichkeit gehen und es enttabuisieren.

Genauso sieht es Anke Schott: „Ganz wichtig ist, dass Frauen aus dem Tabu herauskommen und sich nicht schämen.“ Laut Schott sei es ein strukturelles Problem bei den Machtverhältnissen.

Überwiegend seien Frauen bei häuslicher Gewalt die Opfer. Doch ist es Axel Emmrich in der Debatte bedeutend, nicht zu unterschlagen, dass immer mal wieder auch Männer Opfer sind. Generell fordert er, „die Gründe der Gewalt zu beleuchten“. Mehr unter: www.hilfetelefon.de

(ten)
Mehr von RP ONLINE