Tambourkorps Vivat Löhnen feiert 100-jähriges Bestehen

Nachwuchssorgen : Vivat Löhnen feiert den 100. Geburtstag

Das Tambourkorps aus dem Rheindorf feierte das hundertjährige Bestehen mit zahlreichen Gästen. Wie vor 30 Jahren plagen den Verein noch immer Nachwuchssorgen.

Der Saal der Alden School in Löhnen ist zur Feier des 100-jährigen Jubiläums des Tambourkorps „Vivat“ Löhnen gut gefüllt, als die Mitglieder des Tambourkorps Rheingold Mehrum spielend durch die Tür kommen. Torsten Rissel, der Vorsitzende des Spielmannszuges aus dem Nachbardorf, ist der erste Gratulant, der eine kurze Rede hält. Und das hat einen besonderen Grund: Seit dem vergangenen Jahr proben das Tambourkorps aus Mehrum und die Löhnener Spielleute gemeinsam. „Gemeinsam sind wir stark“, erklärt Torsten Rissel.

Das Problem, das beide Spielmannszüge haben, ist der Mangel an jungen, aktiven Spielleuten. „Aus dieser Lage ist etwas entstanden, das vor einigen Jahren noch undenkbar gewesen wäre: Die Löhnener und Mehrumer haben sich zusammengetan“, erklärt Jens Bleckmann, Vorsitzender des Tambourkorps „Vivat“ Löhnen, in seiner Festrede. Mit dem Tambourkorps aus Mehrum habe man einen Verein an der Seite, mit dem man auch in Zukunft weiterhin das Musizieren und die Tradition im Dorf pflegen könne, betonte Bleckmann. Er sei stolz auf seine Vereinsmitglieder, die hinter dem Verein stehen und bereit wären, neue Wege mitzugehen.

Zur Feier des 100-jährigen Jubiläums des Vereins waren viele geladene Gäste erschienen, neben den Spielmannszügen aus den Nachbardörfern und befreundeten Vereinen auch Bürgermeister Dirk Haarmann. „Es wurde ihnen in 100 Jahren nicht gerade leicht gemacht“, betonte er in seiner Rede. Die Gründung des Vereins kurz nach dem Ersten Weltkrieg stellte die Gründungsmitglieder vor Herausforderungen. Ebenso wie die Tatsache, dass zwei Drittel der Vereinsmitglieder aus dem Zweiten Weltkrieg nicht zurückkehrten.

Im Zweiten Weltkrieg kamen Dokumente wie Chronik, Jahresberichte und Niederschriften abhanden und so stützen sich die Kenntnisse aus dieser Zeit auf die Erinnerungen von Gründungsmitgliedern. „Es sei verwunderlich, wie man es überhaupt fertiggestellt habe, in der Zeit größter Wirrnis und Not aus der Dorfgemeinschaft heraus einen Spielmannzug zu gründen“, heißt es in der Geschichte des Vereins aus der Festschrift zum 70-jährigen Bestehen 1989.

Der Neuaufbau des Tambourkorps nach dem Zweiten Weltkreig wurde zu einem Gemeinschaftsprojekt. Angeführt vom langjährigen Tambourmajor Christian Dickmann und seinem Mitstreiter Kurt Rissel begann man erneut mit dem Aufbau des Vereins. Zwei Kameraden des Spielmannszugs Spellen übernahmen die Ausbildung der neuen Musiker und auf dem Schützenfest 1950 konnte das Tambourkorps seinen ersten öffentlichen Auftritt nach dem Jahr 1939 feiern. Die Freiwillige Feuerwehr half den Spielleuten mit Kleidung aus. Und nach dem Stiftungsfest 1951 wuchs der Verein weiter. „Dank der Spendenfreudigkeit der Dorfgemeinschaft konnten die noch fehlenden Instrumente und schmucke Uniformen angeschafft werden“, berichtet die Historie des Spielmannszuges aus der Festschrift zum 70-jährigen Bestehen.

1967 gründete man dann das Jugendkorps, um auch die jüngeren Dorfbewohner an den Spielmannszug heranzuführen. Hier kamen junge Menschen zwischen neun und 16 Jahren zusammen, um gemeinsam zu musizieren. Damit war natürlich auch der Nachwuchs für das Tambourkorps gesichert. In den folgenden Jahren verbesserte man über Lehrgänge die Qualität des Spieles und die Fähigkeiten im Notenlesen. Mit Erfolg. Das Tambourkorps sicherte sich dadurch auf Wettbewerben mehrere gute Platzierungen.

Doch schon zum 70-jährigen Bestehen vor 30 Jahren plagten den Verein Nachwuchssorgen. „Viele Jugendliche, sowohl Mädchen als auch Jungen, haben unseren Tambourkorps durch das heutige große Freizeitangebot verlassen, so dass der Spielmannszug auf eine geringere Anzahl von aktiven Mitgliedern geschrumpft ist“, heißt es bereits im Blick auf die Geschichte des Vereins in der Festschrift von 1989. „Daran hat sich leider auch bis heute nicht viel geändert“, sagt Jens Bleckmann, Vorsitzende des Vereins. Zwar würde das Tambourkorps noch immer junge Menschen anlocken, doch viele würden dann früher oder später wieder gehen. „Wenn man von fünf Kindern am Ende zwei behält, dann ist das schon viel“, sagt Bleckmann.

Eine wichtige Neuerung gab es allerdings noch in der Geschichte des Spielmannszuges. Seit 2002 ist das Tambourkorps „Vivat“ Löhnen ein eigenständiger Verein. Vorher gehörten die Spielleute als Unterabteilung zum Bürgerschützenverein „Vivat“ Löhnen. „Wir haben uns dafür entschieden, weil man vorher dem Schützenverein beitreten musste, um bei uns mitspielen zu können“, erklärt Jens Bleckmann. Aber natürlich zählen die Feste im Dorf, wie auch schon vor 100 Jahren, weiterhin zu den Auftritten des Tambourkorps.