Tagesmütter in Dinslaken, die auch Kinder mit Behinderungen betreuen

Hilfe für Eltern : Tagesmütter mit besonderen Fähigkeiten

Suzanne Hufschmidt und Uschi Otto sind die einzigen Tagesmütter in Dinslaken, die auch Kinder mit Behinderungen betreuen. Sie haben sich beim Landschaftsverband Rheinland fortgebildet.

Tagespfleger, also Frauen oder Männer, die Kleinkinder in Kleingruppen einen Teil des Tages bei sich zu Hause betreuen, gibt es in Dinslaken mehrere. Doch die Tagesmütter Suzanne Hufschmidt (50) und Uschi Otto (55) sind trotzdem etwas Besonderes: Denn sie sind die einzigen in Dinslaken, die auch Kinder unter drei Jahren betreuen, welche einen erhöhten Förderbedarf haben. Eine Einschränkung, eine Behinderung also. Dazu haben sie sich im vergangenen Jahr beim Landschaftsverband Rheinland (LVR) weitergebildet. Und dabei vieles gelernt.

Zum Beispiel, die Perspektive zu wechseln. Aus Sicht der Eltern auf unterschiedlichste Situationen zu gucken – und so sie und auch ihre Kinder mit Einschränkungen besser verstehen zu lernen. Denn einige Eltern haben sie während der Seminare kennengelernt. Und festgestellt: „Was die Eltern für ihre Kinder vor allem wollen, ist Normalität“, erzählt Suzanne Hufschmidt. „Sie wollen wissen, dass sie gut versorgt sind und dass sie in der Zeit unbesorgt ihr Ding machen können.“ So wie alle Eltern.

Und deshalb auch ist bei den beiden Tagesmüttern alles ganz bewusst ganz normal. „Es ist doch sowieso jedes Kind individuell – ob mit erhöhtem Förderbedarf oder ohne“, sagt Uschi Otto. Schon vor dem Lehrgang betreute sie in ihrer Gruppe ein Kind mit Trisomie 21, dem Down-Syndrom, einer Krankheit, die verschiedene geistige Behinderungen und körperliche Fehlbildungen umfasst.

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„Da habe ich mir im Vorfeld viel zu viele Gedanken gemacht“, sagt die gelernte Erzieherin, die vor dem Job als Tagesmutter bei der Lebenshilfe gearbeitet und schon da Erfahrungen mit Menschen mit Behinderungen gemacht hat. Dennoch, so Otto, würde sie die Betreuung nach dem Lehrgang nun deutlich entspannter angehen.

Suzanne Hufschmidt betreut derzeit einen Zweijährigen, der nur 30 Prozent Sehkraft hat. Wie bei ihrer Kollegin hat sich das ebenfalls eher zufällig ergeben. „Die Mutter war schon während der Schwangerschaft das erste Mal bei mir“, erzählt sie.

Als dann herauskam, wie wenig er sehen wird, habe auch sie sich Gedanken gemacht. Darüber, ob sie ihm als Tagesmutter gerecht werden kann, darüber, was sie in ihrer Wohnung umstellen oder verkleiden muss, damit der Junge sich sicher bewegen kann. „Die Mutter hat sich gewünscht, dass alles so bleibt, wie es ist“, sagt Hufschmidt. „Und er kommt so sehr gut zurecht.“

Ein paar speziellere Spielzeuge habe sie für ihn – und für andere Kinder mit Behinderungen, die noch folgen sollen: Ein Fühlmemory, bei dem die Kinder die passenden Formen nicht nur sehen, sondern vor allem ertasten könne; ein Hörmemory, wo die Kinder sich anhand von Geräusch orientieren können. Otto hat beispielsweise eine Massagematte zu Hause, auf der sich manch aufgedrehteres Kind besser beruhigen lassen könne. Beide hoffen nach Abschluss des Lehrgangs, zukünftig weitere Kinder mit Einschränkungen bei sich zuhause betreuen zu können. „Ihre Eltern sollten wissen, dass die Tagespflege auch für sie eine Möglichkeit sein kann“, sagt Hufschmidt. Es müsse einfach passen zwischen Eltern, Kindern und der Tagesmutter. Aber das muss es ja immer.

(akw)
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