Physikanten am Lohberger Büdchen : Knalleffekte und Lumpi im Stickstoffbad

Auch ein kurzer Regenschauer konnte den Gästen an der Bude von Jutta Färber in Lohberg den „Tag der Trinkhallen“ nicht vermiesen. Es gab Musik - und aufregende Physik zum Mitmachen.

Kaum hat Sänger und Gitarrist Domingo seine Gitarre umgeschnallt und schlägt die Saiten an, da fängt es vor dem Kiosk von Jutta Färber an der Lohbergstraße an, wie aus Eimern zu gießen. Windböen wehen den Besuchern um die Ohren, und der Platzregen prasselt auf Pavillon und Sonnenschirm, die hier aufgestellt sind.

Mit rosafarbenen Regenponchos ausgestattet suchen sich die Besucher zum „Tag der Trinkhallen“ einen trockenen Platz und lauschen dem Klang der Musik.

„Das Wetter hätte besser sein können“, kommentiert Alen Talash, Standort-Manager vom „Tag der Trinkhallen“ für den Kiosk in Lohberg den Regenguss. Die Trinkhalle von Jutta Färber hat man ausgesucht, weil sie eine der ältesten Einrichtungen dieser Art überhaupt ist. „Die Trinkhalle gibt es jetzt seit 52 Jahren“, berichtet Jutta Färber. Die 64-Jährige hat den Kiosk vor 22 Jahren von ihrer Mutter übernommen, die hier 30 Jahre lang Nachbarschaft und Arbeiter versorgte. „Es ist schon etwas Besonderes, dass wir ausgewählt wurden“, sagt sie.

So plötzlich wie er gekommen ist, so schnell ist der Regenschauer auch vorbei, und die Sonne kommt hinter den Wolken hervor. So können die Besucher vor dem Kiosk in Ruhe die sanften Gitarrenklänge mit der ausdrucksstarken Singstimme von Domingo genießen. Rings um die Trinkhalle öffnen sich Türen und Fenster, Menschen schauen hinaus und lauschen entspannt der Musik. Eine Gruppe Radfahrer hält an und schaut, was denn da wohl los ist.

Dabei wird es erst jetzt richtig spektakulär vor dem Kiosk. Denn kaum hat Domingo seine Gitarre aus der Hand gelegt, packt Rainer Grünebaum von der Wissenschaftsshow „Physikanten“ schon den flüssigen Stickstoff aus. „Der hat eine Temperatur von 196 Grad unter Null. Physiker nennen das saukalt“, ulkt der Schauspieler und zeigt erstmal, wie der Stickstoff in einem durchsichtigen Behälter sprudelnd gasförmige Gestalt annimmt.

Dann taucht er den aus Luftballons geformten Ballonhund Lumpi in die Flüssigkeit. Das mit Luft gefüllte Tier schrumpft zusammen und entfaltet sich wieder in seine vorherige Form, kaum dass Rainer Grünebaum ihn wieder aus dem Stickstoffbad holt. „Die Luft wird bei diesen niedrigen Temperaturen flüssig und braucht weniger Platz, als in Gasform“, erklärt er das Phänomen des schrumpfenden Ballonhunds. „Das solltet ihr übrigens nicht mit Euren Haustieren machen“, sagt er an die Kinder gewandt.

Die dürfen danach schon mal schnell in Deckung gehen. Denn der Physikant füllt eine kleine Menge des flüssigen Stickstoffs in eine Flasche, dreht den Deckel zu und wirft den Behälter in eine Metalltonne. „Wenn er sich erwärmt, dehnt sich der Stickstoff um das 650-fache aus und der muss dann ja irgendwo hin“, sagt er und schon knallt es laut und Schaumstoff-Teile fliegen aus der Tonne. Die Kinder sind begeistert und einige davon dürfen dann selbst bei einem kleinen Experiment mitmachen.

„Wer hat Bock auf 230 Volt?“, fragt der Physikant und sofort schnellen einige Kinderhände in die Höhe. „Ganz so viel wird es dann doch nicht“, beruhigt Rainer Grünebaum die Zuschauer. Dann stellt er die Kinder zwischen zwei Stangen auf, die er miteinander verkabelt.

„Ihr befindet Euch jetzt in leitender Position“, scherzt er, schließt einen MP3-Player und eine Box an und lässt sich die Kinder eine Menschenkette zwischen den beiden Stangen formen. Kaum berühren sich die Kinder, ertönt Musik vor dem Kiosk.

Bei Jutta Färbers Kiosk verblüffte Rainer Grünebaum die Besucher mit physikalischen Tricks. Foto: Joachim Emde/Jochen Emde/Funke Foto Services

„Der Körper besteht im Wesentlichen aus Wasser. Darin sind Salze, die dafür sorgen, dass der Strom durch Euch hindurchfließt“, erklärt er den Kindern. Begeisterter Applaus von dem kleinen Pulk aus Zuschauern, der sich mittlerweile vor der Trinkhalle gebildet hat.

(fla)