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Gewaltbereite Islamisten: Syrien-Kämpfer aus Dinslaken: "Intensiver Kontakt mit Staatsschutz"

Gewaltbereite Islamisten : Syrien-Kämpfer aus Dinslaken: "Intensiver Kontakt mit Staatsschutz"

Dinslakens Bürgermeister Dr. Michael Heidinger spricht über den Umgang der Stadt mit der gewaltbereiten Islamisten-Szene in Lohberg. Für Entsetzen sorgte das Bild eines 24 Jahre alten Mannes aus Dinslaken, der im Internet mit abgetrennten Köpfen posiert. Der radikale Islamist kämpft in Syrien für einen "Gottesstaat". Er gehört der "Lohberger Gruppe" an, die vom Verfassungsschutz beobachtet wird.

Herr Dr. Heidinger, im Dezember ruft ein junger Mann aus Dinslaken, der sich Abu Osama nennt, auf einem im Internet verbreiteten Video aus Syrien zum Heiligen Krieg auf. Jetzt findet sich auf der Facebook-Seite eben dieses Abu Osama das Horrorfoto eines anderen jungen Mannes aus Dinslaken, der mit abgeschlagenen Köpfen posiert. Wie entsetzt sind Sie?

 Für Entsetzen sorgte das Bild eines 24 Jahre alten Mannes aus Dinslaken, der im Internet mit abgetrennten Köpfen posiert.
Für Entsetzen sorgte das Bild eines 24 Jahre alten Mannes aus Dinslaken, der im Internet mit abgetrennten Köpfen posiert. Foto: Fotos: RP, Facebook / Montage: RP

Heidinger Das sind natürlich ganz schockierende Bilder. Und es ist schlimm, dass sie mit Dinslaken in Verbindung gebracht werden. Umso wichtiger aber ist, dass wir jetzt nicht panisch reagieren.

Ist Dinslaken — speziell der Stadtteil Lohberg — denn tatsächlich ein Rekrutierungsstützpunkt für offenbar zu allem bereite Gotteskrieger?

Heidinger Wir sind in sehr intensivem Kontakt mit dem Staatsschutz und den örtlichen Polizeibehörden. Von denen haben wir die Auskunft bekommen, dass dies nicht so ist. Es gibt zwar Hinweise, die nach Lohberg führen, doch sind die nicht stärker als die in anderen Städten. Ich erwarte, dass die Behörden alles daran setzen, die Sicherheit der Dinslakener zu garantieren. Das haben sie zugesichert, und ich vertraue darauf. Natürlich werden wir auch den aktuellen Fall zum Anlass nehmen, um mit den Sicherheitskräften über die Lage zu reden. Wir halten ohnehin ständigen Kontakt.

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Inzwischen, so heißt es, sind auch einige junge Leute, die nach Syrien gezogen waren, desillusioniert zurückgekehrt. Gibt es zu diesen Rückkehrern Kontakte?

Heidinger Wie versuchen, diese jungen Menschen zu nutzen, um mit ihrer Hilfe die Dinslakener Strategie beim Umgang mit solchen Phänomenen erfolgreich voranzubringen. Das, was die Sicherheitsbehörden unternehmen und unternehmen können, ist das eine. Es ist aber nicht so, als wäre die Stadt untätig. Auch wir sind am Ball. Wir haben die aufsuchende Jugendarbeit, wir haben das SOS-Projekt in Lohberg — um nur zwei Aktivitäten zu nennen. Wir sind ständig vor Ort im Einsatz und hoffen, dass es uns so gelingt, jungen Menschen, die für die Szene anfällig sind, klar zu machen, dass der Heilige Krieg kein Spaß ist, sondern blutiger Ernst.

Sind Sie mit den türkischen Vereinen und Verbänden in Lohberg über dieses Thema im Gespräch?

Heidinger Sicher gibt es Gespräche. Ich werde mich auch noch einmal persönlich bemühen, diese Kontakte zu intensivieren. Wichtig ist mir, dass sich auch die türkischen Vereine und Verbände in dieser Frage eindeutig positionieren. Es geht schließlich um entscheidende Fragen des Zusammenlebens. Da muss allen klar sein, dass wir nur gemeinsam erfolgreich sein können.

Sie waren am Vormittag erst in Herten, um eine Vereinbarung zu unterschreibe, die die nachhaltige Entwicklung ehemaliger Zechenstandorte sichern soll. In Lohberg ist seit Schließung des Schachts eine Menge getan worden. Der Stadtteil ist auf einem guten Weg. Jetzt aber ist Lohberg immer öfter als Salafisten-Zentrum im Gespräch. Ist dieser Imageschaden je wieder wettzumachen?

Heidinger Wir hoffen sehr, dass dieser Imageschaden nicht von Dauer sein wird. Wir tun jedenfalls alles, um Lohbergs Image zu verbessern — beispielsweise im Rahmen des Programms "Toleranz fördern, Kompetenz stärken".

Dennoch können Sie die Geschehnisse nicht verharmlosen.

Heidinger Das tun wir auch nicht. Wir nehmen das sehr ernst. Wir wollen aber auch nichts dramatisieren. Wichtig ist, dass wir alle gemeinsam an Lösungen arbeiten.

DAS GESPRÄCH FÜHRTE JÖRG WERNER.

(RP)