Voerde: Steag : Abbau-Beginn ist weiterhin ungewiss

Voerde : Steag : Abbau-Beginn ist weiterhin ungewiss

Vor einem Jahr gingen am Kraftwerksstandort Voerde die Lichter aus. Ein Masterplan soll die Möglichkeiten einer Folgenutzung des riesigen Industriegeländes aufzeigen. Eine Vergabe wäre zeitnah möglich.

Vor einem Jahr ging an der Frankfurter Straße 430 in Möllen ein langes Kapitel Industriegeschichte zu Ende - doch bis das weithin sichtbare, am längsten Fluss Deutschlands gelegene Kraftwerk auch von der Bildfläche verschwunden sein wird und bis auf dem Gelände etwas Neues vonstattengehen kann, wird noch viel Wasser den Rhein hinunter fließen. Ein Rückbau ist von den beiden Eigentümern Steag und RWE "beabsichtigt", heißt es seitens der Steag. Wann damit begonnen wird, dazu sind dem Essener Unternehmen zufolge konkretere Angaben gegenwärtig "nicht möglich". Steag-Sprecher Florian Adamek verweist auf viele noch zu klärende Fragen. Vorplanungen für den Rückbau sollen aber bereits laufen. Zu der Dauer der Arbeiten gab es wenige Tage nach der erfolgten offiziellen Stilllegung des Kraftwerksstandortes auf der Bilanzpressekonferenz der Steag Hinweise von der Konzernspitze: Bis zu drei Jahre würde der Rückbau in Anspruch nehmen. Die Kosten dafür könnten derzeit nicht benannt werden, erklärt Adamek. So viel ist klar: Jeder Eigentümer "trägt die Kosten des Rückbaus seiner Anlagen selbst".

Was danach mit dem Gelände geschieht, steht noch in den Sternen. Möglichkeiten soll ein Masterplan aufzeigen, mit dem Steag, RWE und Stadt ein Büro beauftragen wollen. Voraussetzung für eine andere Folgenutzung ist, dass das komplette Planungsrecht für den Standort mit "den kommunalen und regionalen Behörden von Grund auf" neu erstellt wird, denn die aktuelle Genehmigungslage lässt auf der Fläche nur einen Kraftwerksbetrieb zu, so Adamek. Dieser aufwendige Prozess mit "mehreren, nacheinander laufenden Verfahren" bedürfe einer fachkundigen Begleitung und der Erstellung einer Standort- und Marktanalyse. Steag, RWE und Stadt stünden derzeit mit mehreren Büros in Kontakt, so dass eine Beauftragung zeitnah möglich sei. In den vergangenen Jahren waren zuletzt rund 280 Kraftwerksmitarbeiter am Standort in Voerde beschäftigt, in der Hochphase der 1980er- und 1990er-Jahre standen dort bei der Steag etwa 550 in Lohn und Brot.

Nachdem der Industrieriese an der Frankfurter Straße vom Netz gegangen war, galt es, die Anlage "trocken" zu legen. Heißt: Sämtliche, betrieblich benötigten Flüssigkeiten seien abgelassen, aufgefangen und entsorgt worden. Die Trockenlegung des Kraftwerks sei planmäßig zum 30. September 2017 erfolgt.

Darüber hinaus wurden auf dem Gelände Lager geräumt und wurde ein Ersatz für die elektrische Netzeinspeisung an dem Standort geschaffen. Vor der Stilllegung war das Kraftwerk Selbstversorger beim Strom. Danach musste die Anlage an das allgemeine Netz angeschlossen werden, wofür Umbaumaßnahmen erforderlich waren, wie Adamek erklärt. Auf dem Gelände müssen unter anderem die Beleuchtung oben auf den Kaminen und auf dem Kühlturm als Signalgeber für den Flugverkehr (die "Flughindernisbefeuerung"), die Straßenbeleuchtung und die Versorgung von Gebäudeteilen mit Strom gewährleistet sein.

Nach der Einstellung des Kraftwerksbetriebes waren in den ersten Monaten "zeitweise bis zu 80 Mitarbeiter" in der Bedienung und Instandhaltung tätig. Danach hätten sie an den Steag-Standorten in Walsum, Herne, Lünen und Bergkamen Arbeit gefunden. Dort seien andere Mitarbeiter in den Ruhestand gegangen. Die dadurch entstandenen offenen Stellen seien durch Beschäftigte vom Standort Voerde besetzt worden. Auch nach der Trockenlegung fallen auf dem Industrieareal, mit dessen Überwachung rund um die Uhr die Steag einen Sicherheitsdienst beauftragt hat, Arbeiten an. So bestehen weiter Verkehrssicherungspflichten an Bauwerken wie etwa an den Brücken über der Frankfurter Straße.

(P.K.)
Mehr von RP ONLINE