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Dinslaken: Stadt muss mit Klage rechnen

Dinslaken : Stadt muss mit Klage rechnen

Ein völlig konsternierter Investor Heinrich Hellmich hat gestern ein Kölner Anwaltsbüro eingeschaltet. Er will es sich nicht gefallen lassen, dass auf dem ehemaligen Thyssen-Gelände nun kein Einzelhandel zugelassen werden soll.

"Der Sinneswandel im Rathaus kam für mich aus heiterem Himmel, und ich habe heute alle Unterlagen meinem Anwalt übergeben, der meine Interessen gegenüber der Stadt vertreten soll", sagte Heinrich Hellmich gestern der Rheinischen Post. Der Duisburger Unternehmer wundert sich nicht nur über den Sinneswandel im Rathaus, er kritisiert auch, wie die Verantwortlichen dort mit ihm umgehen. "Man hätte doch wohl zumindest erwarten können, dass man erst einmal das Gespräch mit mir sucht, bevor man für mich völlig überraschend mit dem Thema in die Politik geht", erklärte er. Noch Ende August habe er mit Fachdienstleiter Karl-Heinz Rudorf gesprochen und das Signal erhalten, dass alles klar geht.

Heinrich Hellmich will auf dem ehemaligen Gelände von Thyssen Bausysteme, das inzwischen "Am Alten Drahtwerk" heißt, ein Nahversorgungszentrum errichten. Ein Investor, der das übernehmen würde, steht nach Hellmichs Angaben "Gewehr bei Fuß". Ursprünglich hatte Hellmich an eine Größenordnung von 4500 Quadratmetern gedacht. In den Verhandlungen mit der Stadt hat er sich auf einen Kompromiss verständigt. 2500 Quadratmeter sollten es nun werden. Doch auch diese Größe führt zu einem Konflikt, für den die Stadt nur eine Lösung sieht. Sie will an diesem Standort nun überhaupt keinen Einzelhandel mehr zu lassen. Den Sinneswandel begründen Planungsdezernent Dr. Thomas Palotz und Bürgermeister Dr. Michael Heidinger in ihrer Vorlage für den Rat, der darüber am kommenden Dienstag entscheiden soll, damit dass nach aktuellen Erkenntnissen Einzelhandel an diesem Standort sich schädlich auf die Innenstadtentwicklung auswirken werde.

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Hintergund: Walter Hellmich, Investor des geplanten neuen Einkaufszentrums an Neutor und Hans-Böckler-Platz findet für seine "Neutor-Galerie" keinen Lebensmittelanbieter, solange dem die Konkurrenz auf dem ehemaligen Thyssen-Gelände droht. Einen Lebensmittelvollsortimenter im neuen Einkaufszentrum hält die Stadt aber für unbedingt notwendig, weil sie sonst die Nahversorgung der Innenstadt gefährdet sieht. Heinrich Hellmich verweist dagegen auf Gutachten, die anderes aussagen und kann nicht verstehen, "dass hier offenbar ein Investor einem anderen vorgezogen werden soll". Im Vertrauen auf die Stadt habe er bereits erheblich investiert. Heinrich Hellmich spricht von rund 700 000 Euro, womit er unter anderem den Umbau der Kreuzung von B 8 und Wilhelm-Lantermann-Straße finanziert hat. "Ich werde der Stadt jedenfalls vorsorglich schon einmal eine Kostenaufstellung zukommen lassen", sagte er.

Dezernent Palotz glaubt allerdings nicht, dass Hellmich sich mit juristischen Mitteln durchsetzen kann. Das sei im Rathaus geprüft worden. "Ich habe Verständnis für seinen Ärger", sagte Palotz. Doch es gebe nun einmal keinen rechtsgültigen Bebauungsplan für das Gelände "Am Alten Drahtwerk", auf den sich der Investor berufen könne und seiner Kenntnis nach auch keine anderen schriftlichen Vereinbarungen. Im Übrigen könne auch absolut keine Rede davon sein, dass ein anderer Investor bevorzugt werden solle. Bei dem nun vorgeschlagenen Weg habe man im Rathaus das Interesse der Stadt im Auge.

(RP/ac)