Lokalsport: Zwei Urgesteine leben für den Handball

Lokalsport : Zwei Urgesteine leben für den Handball

Seit fast 40 Jahren ist Rainer Rienäcker Trainer beim TV Bruckhausen. Seine Frau Felicitas ist seit mehr als drei Jahrzehnten als Sportwartin aktiv. Allmählich werden beide "amtsmüde". Nachfolger sind aber noch nicht in Sicht.

Rainer Rienäcker hat beim TV Bruckhausen schon einiges erlebt. Seit 1980 hat der Handball-Trainer viele Spieler kommen und gehen sehen und sowohl Damen- als auch Herren-Mannschaften betreut. Nach 37 Jahren beim TVB betreut Rienäcker die einzig verbliebene Mannschaft des Vereins, die Herren in der 2. Kreisklasse. Seine Frau Felicitas ist seit 33 Jahren Sportwartin beim TV Bruckhausen, hat sich aber schon seit einiger Zeit der Herren-Mannschaft verschrieben und sitzt bei den Heimspielen regelmäßig im Kampfgericht.

Eigentlich könnten sich die beiden Rentner - Rienäcker ist 75 Jahre, seine Frau, die von den meisten nur bei ihrem Spitznamen Fe genannt wird, 73 Jahre alt - zur Ruhe setzen, doch die Suche nach Nachfolgern gestaltet sich schwer. "Wir haben uns den paar Leuten, die dann doch noch da waren, irgendwie immer verpflichtet gefühlt", sagt der Übungsleiter.

Vor etwa fünf Jahren stand die Mannschaft schon kurz vor dem Aus, da sie mangels Personal nicht zu allen Spielen antreten konnte, doch gerade noch rechtzeitig kamen aus der ehemaligen B-Jugend, der letzten Jugend-Mannschaft des TVB, etwa ein halbes Dutzend Neuzugänge, die den Kader erweiterten und den geregelten Spielbetrieb aufrecht erhielten.

Mittlerweile stehen mit Faissal Alhamdan, Khalid Al Ahmed und Imad Dalati auch drei syrische Flüchtlinge im Bruckhausener Team, wobei Letzterer nur noch selten trainieren kann, da er einen festen Job gefunden hat, dessen Arbeitszeiten ein regelmäßiges Training nicht zulassen. Doch Alhamdan und Al Ahmed, die in ihrer Heimat nie Handball gespielt haben und die Sportart erst in Deutschland erlernten, haben sich gut entwickelt und sind zu einem wichtigen Bestandteil der Mannschaft geworden. "Wir haben ein Freizeitangebot für Flüchtlinge organisiert. Dort hat sich eine große Gruppe gebildet und wir haben die drei Spieler für die erste Mannschaft rausgepickt", erklärt Rienäcker die Findung der Neuzugänge.

"Sie verbessern die Personalsituation, haben sich gut entwickelt und sind zuverlässig. Wir spielen zwar auf bescheidenem Niveau, aber sie spielen voll mit." Große sportliche Ziele haben die Bruckhausener nicht. "Es geht nur darum, den Spielbetrieb aufrechtzuerhalten", sagt Rainer Rienäcker. Seine Frau Fe ergänzt: "Wir waren ja immer schon die ,Externen', weil wir in Bruckhausen nicht trainieren können."

Zurzeit sind die Trainingsbedingungen besonders erschwert, da die "Jedermänner" des TVB aufgrund der defekten Halle in Bruckhausen nach Hünxe ausweichen mussten und Hallenzeiten der Handballer bekommen haben. "Wir haben dienstags nur zwei Drittel der Halle, und donnerstags können wir gar nicht trainieren. Wir hoffen, dass es nach der Winterpause besser wird", sagt der Trainer.

Bessere Zeiten haben Rainer und Felicitas Rienäcker bei den Blau-Weißen wahrlich schon erlebt. In den 1980er Jahren führte Rienäcker die Bruckhausener Damenmannschaft von der Bezirksklasse in die Oberliga, gab seinen Posten aber nach fünf Jahren ab. Einige Jahren später stiegen die Handballerinnen ab. Das Herrenteam betreute der Coach schon zu Landesliga-Zeiten, doch im Laufe der Jahre ging es für Bruckhausen immer weiter runter bis in die unterste Spielklasse. Und im Jugendbereich lösten sich die Mannschaften nach und nach auf. "Als ich die Abteilungsleitung abgegeben habe, hatten wir noch elf Mannschaften im Spielbetrieb", sagt Felicitas Rienäcker. Das war vor etwa 15 Jahren. Einige Jugendspieler des TVB konnten in höheren Klassen allerdings Fuß fassen. Luca d'Auria, der bis in den Seniorenbereich für den Verein aktiv war, spielt seit einiger Zeit erfolgreich beim MTV Rheinwacht Dinslaken. "Er hat viel trainiert, war fleißig und hätte schon eher wechseln können. Er hat sich freundschaftlich verabschiedet", sagt Rienäcker.

Auf die Frage, wie lange sie sich die Tätigkeit beim TVB noch vorstellen können, antwortet der Coach: "Nicht mehr lange." Wenn sich nicht bald Nachfolger für die Urgesteine und "Aufrechterhalter" der Handballabteilung finden lassen, dürfte es schwer werden, den Spielbetrieb aufrechtzuerhalten.

(RP)
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