Interview Christian De Groodt: "Wenn ich vom Trainer gebraucht werde, springe ich gerne ein"

Interview Christian De Groodt : "Wenn ich vom Trainer gebraucht werde, springe ich gerne ein"

Auf Christian de Groodt ist nicht nur im Tor des Fußball-Bezirksligisten SV 08/29 Friedrichsfeld Verlass. Jüngst erzielte er sein drittes Saisontor als Feldspieler. Ein Gespräch über seinen Werdegang und Futsal.

Dinslaken Jens Lehmann, Frank Rost und Marwin Hitz: Die Riege der Bundesliga-Torhüter, die in ihrer Karriere schon einmal im richtigen Moment den Kasten verlassen und lieber auf der anderen Seite ins Netz getroffen haben, ist so prominent wie kurz. Der Ablauf ist ja auch immer gleich: Wenn das eigene Team im Rückstand liegt und vorne nichts mehr geht, wird halt der letzte Mann ins Getümmel geschickt.

Christian de Groodt hat derlei Notsituationen nicht nötig. Der Schlussmann des Fußball-Bezirksligisten SV 08/29 Friedrichsfeld hat gleich ein anderes Trikot an, wenn er trifft - ein Spielerdress nämlich. Der 28-Jährige ist ein so guter Kicker, dass er von seinem Trainer Dirk Lotz häufiger in der Offensive aufgestellt wird. Im Gespräch mit Heiko Buschmann verrät Christian de Groodt, der auch Futsal spielt, warum er so ein eiskalter Vollstrecker ist und wer sein Vorbild ist.

Herr de Groodt, haben Ihre Friedrichsfelder Mitspieler Sie am Sonntag ordentlich abgefeiert, als Sie in der vorletzten Spielminute das 3:2 gegen den VfB Bottrop erzielt haben?

Christian de Groodt Ein bisschen, aber es ist alles im Rahmen geblieben (lacht). Das war natürlich ein schönes Erlebnis für uns, und wir haben schon das eine oder andere Bierchen getrunken. Aber es wurde keine ausschweifende Party.

Weil es schon normal ist, dass Sie treffen?

de Groodt Es war mein drittes Saisontor, von daher ist es nichts wirklich Außergewöhnliches mehr. Zuvor hatte ich in den Partien gegen Praest und gegen SC Oberhausen getroffen.

Nominell sind Sie bei der SV 08/29 Friedrichsfeld Torwart. Wie kommt es, dass Trainer Dirk Lotz Sie immer wieder mal auch als Feldspieler einsetzt?

De Groodt Das macht er ja nur in Ausnahmesituationen, wenn uns, wie zum Beispiel gegen Bottrop, viele Leute fehlen. Am Sonntag war ich sogar der einzige Auswechselspieler. Daher war es fast klar, dass ich später ins Spiel kommen würde.

Neun Minuten hat es dann von Ihrer Einwechslung bis zum Siegtor gedauert.

De Groodt Umso schöner. Wir lagen erst zurück, haben dann durch zwei Tore von Finn Müller das Spiel gedreht, ehe Bottrop das 2:2 macht. Ja, und dann kam ich halt rein.

In der Bundesliga muss ein Keeper inzwischen auch etwas am Ball können. Weltmeister Manuel Neuer ist da sicher das beste Beispiel. Aber in der Liga, in der Sie spielen, ist das sicher noch kein Standard. Warum sind Sie am Ball so stark?

De Groodt Ich habe in Friedrichsfeld als Kind zuerst im Feld gespielt, ich war Stürmer. Nachdem ich mir mit zehn Jahren dreimal das Schienbein gebrochen habe, bin ich dann ins Tor gegangen. Die fußballerische Grundausbildung war bei mir also vorhanden. Außerdem habe ich auch als Torwart dann immer darauf geachtet, dass ich mein Spiel mit dem Ball weiter verbessern kann.

Sie sind also eine echte Konkurrenz für die etatmäßigen Stürmer.

De Groodt Nein. Wie gesagt, bleibt das die Ausnahme, denn wir haben vorne in Thomas Giesen, Serdal Temin und Blaz Vukancic gute Jungs. Wenn ich vom Trainer gebraucht werde, springe ich aber gerne ein, denn wir haben in Marius Grune ja auch einen gleich starken Torwart.

Ist 'Manu, der Libero' eigentlich Ihr Vorbild?

De Groodt Nein. Ich habe immer für Iker Casillas geschwärmt. Aktuell gefällt mit Marc-André ter Stegen sogar besser als Manuel Neuer - mal davon abgesehen, dass er schon länger verletzt ist. Marc-André ter Stegen ist beides: zum einen ein super Torwart, und zum anderen ein Riesenkicker. Wenn er statt Neuer bei der WM spielt, müssen wir uns wirklich keine Sorgen machen.

Neben dem 'normalen' Fußball spielen Sie auch Futsal. Wie kam es dazu?

De Groodt Über Hamudi Baydoun, der in der Futsal-Mannschaft des PSV Wesel gespielt hat und mich gefragt hat, ob ich nicht mal mitmachen will. Das hat mir von Anfang an Spaß gemacht und mir kommt es schon entgegen, dass es beim Futsal vor allem auf ein technisch gutes Spiel ankommt. Inzwischen spiele ich für die Futsal-Mannschaft von Fortuna Düsseldorf und habe im Januar auch für die Niederrhein-Auswahl am Länderpokal in Duisburg teilgenommen.

Welchen Stellenwert hat bei Ihnen Futsal im Vergleich zum Fußball?

De Groodt Da die Futsal-Liga im Moment pausiert, liegt der Fokus auf Friedrichsfeld. In der Woche bin ich insgesamt fünfmal am Ball, habe drei Trainingseinheiten und am Wochenende das Spiel mit der SV 08/29. Mittwochs ist Futsaltraining.

(RP)