Lokalsport: Wenn die Bundestrainerin zweimal klingelt

Lokalsport : Wenn die Bundestrainerin zweimal klingelt

Jana Feldkamp, die Hünxerin im Trikot der SGS Essen, hat ein sehr ereignisreiches Fußball-Jahr 2017 hinter sich.

Der Anruf, der ein ohnehin schon ereignisreiches Jahr noch deutlich abenteuerlicher macht, erreicht Jana Feldkamp im ersten Anlauf gar nicht. Die Studentin sitzt in der Vorlesung und hat ihr Handy auf lautlos gestellt. Zumindest die Vorwahl kommt ihr bekannt vor. Die Hünxer Fußballerin glaubt, dass es sich "um irgendetwas Organisatorisches" im Hinblick auf den nächsten U 20-Lehrgang des DFB handeln muss und ruft gleich nach der Veranstaltung zurück. Diesmal geht auf der anderen Seite niemand ran, doch im Parkhaus bimmelt das Telefon der 19-Jährigen wieder. Am Apparat ist Steffi Jones, die Jana Feldkamp mitteilt, dass sie beim nächsten Länderspiel der A-Nationalmannschaft gegen Frankreich zum Kader gehört. "Als ich gemerkt habe, wer am Telefon ist, war ich schon ziemlich nervös und habe gedacht, das kann doch nicht sein. Aber als sie dann gesagt hat, dass ich dabei bin, war das schon sehr cool", sagt die Bundesliga-Kickerin der SGS Essen.

Jana Feldkamp will mit der U 20-Nationalmannschaft im Sommer bei der Weltmeisterschaft in Frankreich ein Wörtchen im Kampf um den Titel mitsprechen. Foto: Imago/Djorovic

Es ist nicht das erste Mal in den vergangenen zwölf Monaten, dass sich Jana Feldkamp zwicken muss. Eine aufregende Zeit mit vielen schönen Erlebnissen, aber auch einer langwierigen Verletzungspause liegt hinter ihr. "Es ist wirklich verrückt. Ich hätte nie gedacht, dass das alles in so kurzer Zeit passieren könnte", sagt die so lockere wie bodenständige junge Frau.

Los geht es Ende 2016 mit der Teilnahme an der U 20-Weltmeisterschaft in Papua-Neuguinea, ein gerade wegen des exotischen Gastgeberlandes unvergessliches Erlebnis. So schnell vergessen wird die Hünxerin auch die Knieverletzung nicht, die sie im Frühjahr für mehrere Monate außer Gefecht setzt. Eine schwere Zeit für die junge Kickerin, die den Fußball so liebt und bis dahin noch nie länger ausgefallen war.

Doch Jana Feldkamp kämpft sich zurück und wird im Spätsommer schließlich von einer Wertschätzung der besonderen Art überrascht. Der Deutsche Fußball-Bund verleiht ihr feierlich die Fritz-Walter-Medaille in Gold und zeichnet sie damit als beste Nachwuchsspielerin Deutschlands aus. Das nimmt ihr Heimatverein kurz darauf zum Anlass, ihr die Ehrennadel des STV Hünxe zu verleihen.

Und dann ruft auch noch die Bundestrainerin an und erklärt, dass sie durch ihre starken Leistungen in der Liga aufgefallen sei und man für die Zukunft junge Spielerinnen wie sie heranführen wolle. Viel Zeit zum Nachdenken bleibt gar nicht. Knapp eine Woche nach dem Telefonat kommt die Nationalmannschaft schon zur Vorbereitung auf das Frankreich-Spiel zusammen. Die anfängliche Nervosität weicht bei der Debütantin schnell. "Ich bin wirklich super aufgenommen worden, alle waren total freundlich", sagt sie.

Hilfreich ist natürlich auch, dass neben Linda Dallmann, ihrer Hünxer Teamkollegin bei der SGS Essen, in Jaqueline Klasen und Lea Schüller zwei weitere Essener Mitspielerinnen im Aufgebot stehen. Dazu ähnelt der Ablauf dem der zahlreichen Lehrgänge, die das große Mittelfeld-Talent schon in den Nachwuchs-Nationalmannschaften besucht hat: "Die Atmosphäre war sogar ein bisschen lockerer, weil bei den Erwachsenen der erzieherische Aspekt ja nicht mehr so eine Rolle spielt", sagt sie.

Das gemeinsame Training mit den besten Spielerinnen der Republik hat Jana Feldkamp genossen. "Es war anstrengend, alles noch einmal viel schneller. Aber es hat richtig großen Spaß gemacht", sagt die Hünxerin, die sich vor der Partie gegen Frankreich, die im Vorfeld von vielen zu einem Schicksalsspiel für Steffi Jones hochstilisiert wurde, keine große Hoffnung auf einen Einsatz gemacht hat. "Dann ist es aber schnell richtig gut für uns gelaufen. Bei der hohen Führung habe ich dann doch damit geliebäugelt, vielleicht noch reinzukommen. Ich habe mich ja auch fast bis zum Schlusspfiff warmgelaufen", sagt die sympathische Sportlerin. Sie verhehlt nicht, "ein bisschen enttäuscht" gewesen zu sein, dass es beim 4:0 über die Équipe Tricolore noch nicht zu ihrem ersten Einsatz in der Frauen-Nationalmannschaft reichte. "Es war natürlich trotzdem eine super Erfahrung", stellt die angehende Wirtschaftsingenieurin fest, die natürlich unbedingt irgendwann wieder zum erlauchten Kreis gehören möchte.

Läuft alles normal, wird es in der näheren Zukunft allerdings vorerst keine weiteren Berufungen für den A-Kader geben. Als zentrale Figur soll sich Jana Feldkamp erst einmal auf die U 20-Nationalmannschaft konzentrieren, die im Sommer in Frankreich die nächste Weltmeisterschaft bestreitet. Die Vorfreude ist bei ihr jetzt schon spürbar. Bei ihrem letzten großen Turnier im Nachwuchsbereich will sie mit starken Leistungen dazu beitragen, dass Deutschland ein Wörtchen im Kampf um den Titel mitreden kann.

Bis dahin gilt es auch im Verein weiter konstante Auftritte hinzulegen und das nach der Verletzungspause wieder erreichte Top-Niveau zu halten. Die letzten beiden Bundesliga-Spiele der Essenerinnen beim FFC Frankfurt und zu Hause gegen den SC Freiburg fielen übrigens dem Wetter und den schlechten Platzverhältnissen zum Opfer. Jana Feldkamp hätte natürlich noch gerne gespielt. Erlebt hat sie 2017 aber auch ohne diese beiden Begegnungen schon mehr als genug.

(RP)
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