Lokalsport: VfB Lohberg trennt sich von Grefen

Lokalsport : VfB Lohberg trennt sich von Grefen

Fußball-Bezirksligist zog nach vier Niederlagen aus den ersten vier Saisonspielen die Reißleine. Coach Thomas Grefen muss nach sieben Jahren gehen und ist von den Entscheidern enttäuscht. Patrick Frosch übernimmt das Traineramt.

Die Entscheidung überraschte, trotz der vier Pleiten zu Saisonbeginn. Am Dienstagabend trennte sich der VfB Lohberg von seinem Coach Thomas Grefen. Die Entscheidung sei "nicht mehr vermeidbar", heißt es in der Pressemitteilung. Patrick Frosch, im Sommer vom VfB als Co-Trainer engagiert, übernimmt künftig das Amt.

Auf einer kurzfristig anberaumten Vorstandssitzung am Montagabend wurde die Trennung beschlossen, gemeinsam mit dem sportlichen Leiter Andreas Lammel. Thomas Grefen erfuhr am Folgetag von seinem Rauswurf. Klaus Schwan, der stellvertretende Vorstandsvorsitzende, erklärt: "Ein katastrophaler Fehlstart in die neue Saison hat uns zu dieser Entscheidung bewegt. Da wir, der gesamte Vorstand, der Meinung sind, dass er die Mannschaft nicht mehr erreicht, müssen wir uns leider trennen." Lammel konkretisiert diesen Vorwurf: "In letzter Zeit haben sich auch die Undiszipliniertheiten im Spiel gehäuft. Jeder Spieler ist für sich selbst verantwortlich, aber Thomas ist nun einmal ein sehr emotionaler Mensch, der da nicht unbedingt für Ruhe am Spielfeldrand sorgt." Er und die übrigen Entscheidungsträger, so Lammel, hätten sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. "Das haben wir nicht in fünf Minuten entschieden. Für mich war das durchaus emotional", betont er.

Der geschasste Coach spricht Klartext: "Als Trainer, der ich hier ja jetzt sehr lange war, hätte ich ein offenes Gespräch verdient gehabt. Stattdessen wurde ich vor vollendete Tatsachen gestellt. Das ist respektlos, und klar, ich bin enttäuscht von den handelnden Personen." Der Vorstand und Andreas Lammel dürfen sich angesprochen fühlen. Letzterer meint, die Entscheidung sei professionell getroffen und kommuniziert worden. Grefen widerspricht: "Die Entscheider haben nicht mit offenen Karten gespielt."

Die in der Pressemitteilung formulierte Begründung, er habe die Spieler nicht mehr erreicht, bezeichnet Grefen zudem als "absoluten Witz". Er begründet: "Sicher ist die sportliche Situation gerade nicht gut. Aber wir haben kein einziges Mal eine richtige Schlappe bekommen, haben immer nur knapp verloren und wirklich gute Ansätze gezeigt. Eigentlich müssten wir schon vier bis sechs Punkte auf dem Konto haben." Und weiter: "Ich habe mit den Jungs schon gesprochen und die haben sich nicht gefreut, die waren auch überrascht." Lammel gibt ebenfalls zu, dass die Mannschaft geknickt war, als sie von der Trennung erfuhr: "Nach fast sieben Jahren gemeinsamer Arbeit, einige haben Thomas ja sehr lange begleitet, ist die Stimmung etwas bedrückt."

Nachfolger Frosch bekennt freimütig: "Ich habe mit Thomas' Entlassung überhaupt nicht gerechnet. Am Montagabend wurde ich informiert und gefragt, ob ich übernehmen will." Frosch gab sein Ja-Wort, das wiederum verärgert Grefen. Ob Frosch der richtige Erbe sei, wurde der 48-Jährige gefragt. Während es seinen anderen Aussagen nicht an Glasklarheit mangelte, geriet jene Antwort überraschend wolkig bis nebulös. Nach kurzer Sprechpause sagte Grefen: "Dazu möchte ich eigentlich nichts sagen. Nur so viel: Wäre ich Co-Trainer gewesen, hätte ich das Angebot nicht angenommen. Immerhin sind wir als Trainerteam angetreten." Frosch kann diese Ansicht Grefens nicht teilen, er sagt: "Der Vorstand traut mir zu, dass ich den Verein wieder in die Spur bringe. Das freut mich, ich helfe sehr gern." Lammel sieht in Frosch den idealen neuen Frontmann. Beim TV Voerde, zunächst als Co-Trainer von Torsten Klump und danach als Chef, habe Frosch einiges gelernt. In der Mannschaft sei er zudem anerkannt und beliebt. Jetzt muss freilich der sportliche Erfolg her und ein neues Kapitel eingeleitet werden.

Am Dienstag endete eine Ära. Thomas Grefen wurde im Dezember 2010 als Nachfolger von Franz-Josef "Pino" Steininger installiert. In seiner Premierensaison stieg Grefen in die Kreisliga A ab, vier Jahre später führte der ehemalige Torwart der SSVg Velbert die "Knappen" zurück in die Bezirksliga. Dort gelang zuletzt zweimal der Klassenerhalt, jeweils hauchdünn im Saisonfinale. Grefen blickt stolz zurück auf sein fast siebenjähriges Wirken in Lohberg: "Wir haben aus wenig viel gemacht. Einem Verein ohne Struktur haben wir wieder ein Gerüst gegeben." Insbesondere zwei ehemalige Weggefährten hebt Grefen hervor: seine Co-Trainer Dirk Scholz und Meik Bruß, der im Februar nach langer Krankheit verstorben war. "Beide haben mir unheimlich geholfen", sagt Grefen. "Ihnen kann ich nur danken." Ob er eine neue sportliche Herausforderung suchen werde, weiß Grefen noch nicht. "Erstmal genieße ich die freie Zeit."

(RP)
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