Lokalsport: VfB Lohberg muss den Schalter umlegen

Lokalsport : VfB Lohberg muss den Schalter umlegen

Der Fußball-Bezirksligist hat zuletzt deftige Niederlagen einstecken müssen und ist inzwischen auf den letzten Platz in der Tabelle zurückgefallen. Trainer Patrick Frosch hat es bei der derzeitigen Personalmisere aber auch nicht einfach.

Während Vierlindens Spieler breitgrinsend den Platz verließen, wirkte das gesamte Team des VfB Lohberg schwer angefasst, inklusive des Trainers Patrick Frosch. Viele Brennstellen müssen dieser Tage bearbeitet und gelöscht werden. Nach dem 0:6-Debakel sind die Schwarz-Gelben erstmals Tabellenletzter der Fußball-Bezirksliga, nur vier Zähler haben sie an bislang zehn Spieltagen gesammelt. Der VfB hat mehr Probleme als Punkte.

Die aktuelle Misere schadet dem Selbstvertrauen. Drei Partien in Serie warten die "Knappen" nunmehr auf einen Punktgewinn, bei einem Torverhältnis von 1:15. In jede dieser drei Partien, zunächst gegen den Vogelheimer SV, dann Genc Osman Duisburg und die DJK Vierlinden, ging der VfB als Außenseiter. Alle drei Konkurrenten sind, genau genommen, keine, mit denen sich Lohberg auf Dauer messen kann. Sie alle haben - und dazu qualifiziert sie ihre sehr gute personelle Ausstattung - höhere Ziele als der um den Klassenerhalt ringende VfB. Und trotzdem: Die teils drastischen Niederlagen sind dem Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten gewiss nicht zuträglich. Mit jedem Negativ-Erlebnis steigt die Verunsicherung. Trainer Frosch stimmt dieser Einschätzung zu.

Verunsicherung ist jedoch zu spüren. Denn: Individuelle Fehler haben weiterhin Konjunktur. Schon unter der Ägide von Thomas Grefen war dies ein gravierendes Problem. Fehlerfrei bleibt die Abwehrreihe selten. Auch gegen die DJK Vierlinden kassierte der VfB "blöde Gegentore" (Frosch). Der DJK wurde das Toreschießen viel zu einfach gemacht. Die "sehr ordentliche Leistung in der ersten Halbzeit", wie Frosch zutreffend befand, blieb wertlos. Fehler wie diese machen das Punkten unweigerlich schwer.

In eine faire Beurteilung der letzten Wochen muss freilich einfließen, dass der Kader derzeit arg spärlich besetzt ist. Die personelle Situation ist problematisch. Noch in der Sommerpause erfreute sich Lohbergs Trainerteam, damals noch mit Grefen an der Spitze, über das breite, 27 Spieler umfassende Aufgebot. Verletzungen und berufliche Verpflichtungen ließen die Belegschaft zuletzt aufs Äußerste schrumpfen.

Personelle Auswahlmöglichkeiten hatte Frosch kaum. Mit Marius Mikat stand gegen Vierlinden nur ein angelernter Abwehrspieler in der letzten Defensivreihe. Not macht ja bekanntlich erfinderisch. Und so platzierte Frosch Angreifer Manuel Viltuznik im Zentrum der Dreier- respektive Fünferkette. Neuland für den 32-Jährigen. Von dieser Maßnahme versprach sich Frosch Abhilfe im Spielaufbau. Ein Experiment, das weitgehend glückte und eine Option für die kommenden Wochen eröffnete.

Dass Frosch mit anerkannten Kapazitäten wie Tim Bruß oder Orkan Güclü vielleicht schon am Wochenende rechnen kann, lässt den Coach etwas durchatmen. Sebastian Englert und Hasan Dogan werden ebenfalls bald zurückerwartet.

Auf unbestimmte Zeit ausfallen wird Torhüter Jan Czarnetzki, im Sommer verpflichtet und sogleich Lohbergs Nummer eins. Ein doppelter Fingerbruch, aus dem Ligaduell mit Genc Osman davongetragen, zwingt den Keeper zur Ruhe; er wurde am vergangenen Freitag operiert, trägt die Hand im Gips. Zum Genesungsprozess sagt der Trainer: "Es kann einen Monat oder viel länger dauern." Dieser Ausfall schmerzt insbesondere. "Das tut uns sehr weh", sagt Frosch. "Jan hat zuletzt gezeigt, auf welch hohem Niveau er halten kann." Ersatztorwart Bastian Danziger wollte Lohbergs leitender Angestellter nach dem Vierlinden-Spiel nicht in den Senkel stellen. Danziger wurde "ein bisschen allein gelassen" und "war am Ende die ärmste Sau", befand Frosch. Zwei Großchancen Vierlindens entschärfte er zwar gut; der gewünscht sichere Rückhalt, so wie Czarnetzki, war Danziger aber nicht.

Froschs Kritik nach der Partie gegen die DJK richtete sich vor allem an jene Spieler, die sich ihrem Schicksal ergaben. "Man kann immer technische Fehler machen, aber was man nie machen darf, ist aufzuhören, die Meter zu machen. Einige müssen sich hinterfragen und ihr Ego dem Team unterordnen", meinte Frosch. Schon nach der Partie gegen Genc Osman hatte Frosch die Einstellung mancher Akteure angeprangert. Nun dasselbe. Frosch verriet, dass ihn - wohlgemerkt fitte - Spieler gar um eine Auswechslung baten. Neben Moritz Emde und Manuel Viltuznik fehlten dem VfB zuletzt echte Anführer. Kapitän Tim Bruß wird diese Lücke, zum Glück für den VfB, alsbald zumindest teilweise füllen.

Frosch muss die Seinen wieder in die Spur führen. Sechs Spiele zeichnet er bislang als Chef verantwortlich. Sein Start geriet vielversprechend. Jeden der bislang vier erstrittenen Zähler sammelte der VfB unter Froschs Leitung. In den ersten drei Spielen. Daran schloss sich die Pleiten-Serie an. Die Anfangseuphorie hat spätestens am Sonntag einen herben Dämpfer erlitten. Ob Lohberg die Talsohle nun durchschritten hat, wird sich zeigen. Die nächsten vier Ligaspiele bestreitet der VfB gegen Teams aus dem unteren Tabellendrittel, gegen Mannschaften auf Augenhöhe. Punkte müssen her. Frosch ist trotz all der Sorgen optimistisch. "Wir müssen die positiven Aspekte mitnehmen", fordert er. Seine Mannschaft habe ja schon gezeigt, dass sie es kann. Verzagen gilt nicht. Und so will Frosch in den nächsten Tagen viele Gespräche führen, auch mal Klartext reden, "denn nur Süßholzraspeln geht halt nicht".

(RP)