Lokalsport: VfB Lohberg erlebt katastrophale Hinrunde

Lokalsport : VfB Lohberg erlebt katastrophale Hinrunde

Fußball: Der Bezirksligist steht nach 17 Spielen abgeschlagen auf dem letzten Tabellenplatz. Chaos und Uneinigkeit haben dazu geführt.

Glückselig waren sie im vorigen Sommer beim Fußball-Bezirksligisten VfB Lohberg - besonders der damals amtierende Trainer Thomas Grefen. Glückselig ob der Tatsache, nach dem Beinahe-Abstieg in der Vorsaison doch wieder in der Bezirksliga starten zu dürfen. Auf 27 Spieler hatten die "Knappen" ihre Belegschaft aufstocken können. "Endlich", sagte Grefen an einem Tag zu Beginn der Vorbereitung, "endlich haben wir mehr personelle Möglichkeiten."

Ex-Trainer Patrick Frosch haderte mit den "Ich-AGs". Foto: Jochen Emde

Lohbergs Coach sah den Verein deutlich besser für die anstehende Saison präpariert. Und er formulierte das Ziel, zukünftig "mehr die Initiative zu ergreifen, mehr Fußball zu spielen." Die Lohberger starteten demnach sehr ambitioniert in die Saison. Sechs Monate später herrscht der Notstand.

Ex-Coach Thomas Grefen hatte kein glückliches Händchen. Foto: Jochen Emde

Die Gelb-Schwarzen sind Tabellenletzter, abgeschlagen mit nur sieben Punkten. Ebenso viele Zähler fehlen derzeit zum Relegationsplatz. Schon zwei Trainer wurden in dieser Spielzeit verschlissen. Zunächst der am Spielfeldrand leicht entflammbare Thomas Grefen, der den VfB im Jahr 2015 zwar in die Bezirksliga geführt hatte, ihn in dieser Spielklasse allerdings nicht fundamental entwickeln konnte. Auf ihn folgte der ruhige Patrick Frosch, der mehr Probleme hinterließ, als er vorgefunden hatte. Den Abwärtstrend konnte Frosch nicht ansatzweise stoppen, und überdies gelang es ihm nicht, alle Spieler auf das gemeinsame Ziel Klassenerhalt zu verpflichten.

Frosch haderte immer wieder mit "den vielen Ich-AGs" im VfB-Kader. Den Konflikt mit Abwehrspieler Hasan Dogan trug er offen aus. Dogan sei mehrmals mit Fehlverhalten auffällig geworden, hätte ihn wüst beleidigt und sei deshalb suspendiert worden, so Frosch.

Letztlich war auch das Verhältnis zwischen ihm und dem Vorstand von Dissonanzen geprägt. Frosch monierte, dass nicht einmal sein Wunsch, mehr Trainingsbälle zu erhalten, vom Vorstand erhört worden sei. Sie hätten ihn allein gelassen. Karin Wistuba, die erste Vorsitzende des Vereins, warf ihm zum Abschied mangelnde Führungsstärke vor: "Diese Unruhe geht gar nicht." Der 62-jährige Siegfried Sonntag sei als Nachfolger gewiss geeigneter, denn "vor einem älteren Trainer haben die Spieler sicher auch mehr Respekt als vor einem 33-Jährigen", hieß es. Aber auch Siegfried Sonntag ging bei seiner Premiere als Coach leer aus. Nicht konkurrenzfähig sei diese Mannschaft, meinen Konkurrenten. Der VfB müsse den Neustart in der Kreisliga vorbereiten. Energisch antwortet Sonntag diesen Spöttern: "Die sollen sich in ihrem Denken mal nicht so versteifen. Ich bin zuversichtlich, dass wir noch einige Punkte holen." Nur das Pfeifen im Walde? Oder seine pure Überzeugung? Wahrscheinlich irgendwas dazwischen. Sonntag sagt selbst, dass dies die "schwierigste Aufgabe" seiner Karriere sei. Dieser Eindruck hat sich zuletzt erhärtet. Seine Mannschaft habe sehr gut trainiert, aber die Vorgaben nicht wie geplant im Spiel umgesetzt. Hinzu kamen kindische Fehler, wie der Platzverweis wegen Nachtretens für Soufian Benchaou gegen die DJK St. Winfried Kray (1:3). Und: Einige Spieler scheinen sich dem Vorhaben Klassenerhalt nicht mehr gänzlich verschreiben zu wollen.

Nach Justin Stelzer und Leroy Theißen (beide zu Union Hamborn) liebäugeln auch Orkay und Orkan Güclü mit einem Abgang - zum Nachbarn RWS. Sonntag sendet ein unmissverständliches Signal: "Wer sich nicht mit unserer Aufgabe und dem Verein zu einhundert Prozent identifizieren kann, der soll gehen, den brauche ich nicht. Es geht um diesen Club." Durchaus normal sei, "dass Spieler in so einer Situation unzufrieden sind", sagt Sonntag. Aber: "Orkan und Orkay sollen mal noch bis zum Sommer bleiben, mindestens. Ich habe mit ihnen gesprochen. Mittlerweile bin ich da ganz zuversichtlich." Das Thema indes ist noch lange nicht vom Tisch. Für den VfB wäre dieser Doppelverlust ein schwerwiegender Rückschlag. Niemand im Kader der "Knappen" ist fähig, das Mittelfeld-Diktat zu übernehmen, so wie es Orkay Güclü meist tut. Und niemand aus dem aktuellen Aufgebot ist in der Lage, Orkan Güclü auf der rechten oder linken Abwehrseite zu beerben.

Zudem darf stark bezweifelt werden, ob noch adäquate Hilfe verpflichtet werden könnte. Sie wäre, wenn überhaupt auf dem Markt, wahrscheinlich zu kostspielig. Sonntag ist sich dessen bewusst. Er kämpft deshalb um den Verbleib der spielstarken Güclü-Brüder. Deren Unzufriedenheit ist allerdings nicht neu. Sie beide hätten die Qualität des Kaders schon vor Wochen lautstark infrage gestellt, berichtet Ex-Trainer Frosch. Noch so ein Brandherd, den der derzeit amtierende Sonntag gar nicht gebrauchen kann.

Bei all den Problemen, die offenkundig sind, ist immerhin positiv, dass Jan Czarnetzki bald zurückkehren wird. Nach einem Fingerbruch war der Torhüter lange nicht fit. Zum Jahresende nahm er das Lauftraining auf und wird im Januar langsam ans Team herangeführt. Czarnetzki, im Sommer gekommen, war unter Grefen und Frosch als Nummer eins gesetzt, muss sich bei Sonntag aber zunächst für die Startelf bewerben. "Ich lege mich noch nicht auf einen Stammtorwart fest", sagt der Trainer. Bastian Danziger, bislang Ersatzkeeper, habe seine Sache meist gut gemacht, und dann wäre da ja noch Dustin Bednarek.

In der Winterpause will Sonntag nicht nur erörtern, wer künftig das Tor hüten wird, seine To-do-Liste ist viel länger: Der Coach möchte seinen Spielern das richtige Zweikampfverhalten beibringen, sie taktisch schulen und insgesamt höher angreifen lassen. Sonntag glaubt durchaus, dass der VfB die nötige Bezirksliga-Qualität besitzt - wenn der Kader vollständig ist, und dessen Mitglieder die nötige Bereitschaft an den Tag legen.

Nur: Zu oft blieben die Spieler und der gesamte Verein diesen Qualitätsnachweis zuletzt schuldig. Um die Saison noch irgendwie zu retten, bleiben noch 17 Partien. In dieser Zeit kann noch eine Menge passieren.

(RP)
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