TV Jahn Hiesfeld trennt sich zum Saisonende von seinem Trainer-Team

Fußball : TV Jahn Hiesfeld wirft Trainer-Team raus

Präsident Dietrich Hülsemann teilte der sportlichen Führung des so gut wie sicher abgestiegenen Oberligisten die Trennung zum Saisonende per WhatsApp mit. Auch die Spieler stehen für den Clubchef zur Disposition.

Dietrich Hülsemann, Präsident des TV Jahn Hiesfeld, zögerte nicht lange. Wut und Enttäuschung über die 1:2-Niederlage in der Fußball-Oberliga gegen den SC Velbert und den damit so gut wie sicheren Abstieg waren noch frisch, als Hülsemann am Sonntagnachmittag zu ungewohnter Stunde ins Büro fuhr. Dort nahm er sein Handy und erstellte die WhatsApp-Gruppe „Trainer“. Er fügte die Teilnehmer, das aktuelle und das für die nächste Saison geplante Trainer-Team der ersten Mannschaft, hinzu – und eröffnete ihnen, dass ihre Mission zum Abschluss der laufenden Spielzeit beendet wird. „Ihr werdet in der kommenden Saison nicht mehr dabei sein, ihr werdet keine Verträge erhalten“, lautete die Nachricht des Präsidenten. Teammanager Thomas Drotboom und Trainer Markus Kay müssen ihre Sachen packen, Innenverteidiger und Kapitän Kevin Corvers darf seine neue Aufgabe als Coach erst gar nicht antreten.

Die Entscheidung, sich vom sportlichen Führungspersonal zu trennen, war die Konsequenz aus den Eindrücken während der Partie. „Da war kein Einsatz, kein System, gar nichts. So kann man nicht weitermachen“, sagt der Vereinschef Er selbst sei noch als Vorbild vorangegangen. „Ich habe hinter dem Tor gestanden und die Bälle geholt, die ins Aus gingen. Dabei saßen fünf Spieler auf der Bank. Von denen hat sich keiner gerührt. Und unsere Trainer sitzen regungslos auf ihren Campingstühlen. Ich wollte denen schon eine Angel in die Hand drücken.“ Unter den Voraussetzungen fehle ihm das Vertrauen, dass die derzeit handelnden Personen erfolgreich einen Neuaufbau in der Landesliga starten könnten.

Mit einem Kandidaten, dem er das zutraut, nahm Hülsemann am Sonntag Kontakt auf, ein Treffen ist für Dienstagabend anvisiert. Doch nicht nur die Trainer stehen zur Disposition, sondern auch die Spieler. „Jede Verpflichtung wird hinterfragt“, sagt Hülsemann. Selbst Stürmer Kevin Menke und Regisseur Gino Mastrolonardo, die Verträge für die neue Saison besitzen, haben keine Planungssicherheit mehr. „Ich werde sie fragen, ob sie bereit sind, sich so einzusetzen, wie es nötig ist“, sagt der Vorsitzende.

Menschlich könne er Drotboom, Kay und Co. „gar nichts vorwerfen, aber sie haben den Karren in den Dreck gefahren“. Im Nachhinein hadert Hülsemann mit sich, weil er nicht schon im Winter die Reißleine gezogen hat. Einen sofortigen Schlussstrich lehnt er jedoch ab, weil auch Alternativen fehlen.

Am Saisonende trennen sich ihre Wege: Thomas Drotboom (l.) und Dietrich Hülsemann. Foto: Jochen Emde

Die betroffenen Verantwortlichen wurden nach dem Velbert-Spiel vom Meinungsumschwung des Clubchefs überrascht. Thomas Drotboom macht im Laufe der Saison zum wiederholten Mal ein Hin und Her um seine Person mit. Im Frühjahr erfuhr der Teammanager, dass Markus Kay und Kevin Corvers ihn an der Seitenlinie ablösen sollen. Er orientierte sich zunächst Richtung Bezirksligist SG Unterrath, wollte nach einem Angebot des Regionalligisten SV Straelen Anfang April aber sofort wechseln, erhielt von Hülsemann aber keine Freigabe und sollte schließlich als Bindeglied zwischen Mannschaft, Trainern und Vorstand weitermachen. Jetzt setzt ihm der Präsident den Stuhl vor die Tür.

„Es ist sein gutes Recht, so zu entscheiden, er ist der Chef“, sagt. „Dann gestalte ich mein Leben eben anders, gehe vielleicht am Sonntagmittag Fahrradfahren“. Den Vorwurf, „den Karren in den Dreck gefahren“ zu haben, will er nicht unwidersprochen stehen lassen. „Abgestiegen sind natürlich wir, aber die Gründe dafür liegen schon woanders“, sagt Drotboom mit Blick auf die Entwicklung der vergangenen Jahre, als finanzielle Probleme den Verein in Schieflage brachten und auch dazu führten, dass im Winter acht Spieler gegangen sind.

Trainer Markus Kay findet es „enttäuschend, das über WhatsApp zu erfahren“. Er verweist auf die monatelange Arbeit, die Kevin Corvers und er in die Vorbereitung für ihre künftige Aufgabe investiert haben. „Nach dem Winter war ja schnell klar, dass wir nicht die personelle Substanz haben, die nötig gewesen wäre“, sagt Kay. „Aber Hülsemann hat Corvers und mich gefragt, ob wir übernehmen, ob in der Ober- oder Landesliga. Und jetzt setzt er kein Vertrauen mehr in uns.“

Der verletzte Corvers erhofft sich zumindest „ein Gespräch mit dem Präsidenten, um persönlich die Gründe zu erfahren, warum er so entschieden hat“. Torwart-Trainer Uwe Roscher bekam die Nachricht übrigens mit Verspätung. Ihn hatte Hülsemann nicht mit in die WhatsApp-Gruppe aufgenommen.

Mehr von RP ONLINE