Tennis-Abteilung des VfB Lohberg lebt von Kumpelmentalität

Tennis : Weißer Sport und schwarzes Gold

Im Sommer 1961 war die Gründung der Tennis-Abteilung im VfB Lohberg für den Verein ein echter Paukenschlag. Die meisten Gründungsmitglieder kamen von der Zeche. Die oft zitierte Kumpelmentalität der Bergleute lebt immer noch.

Im Fußball hatte sich der VfB Lohberg längst einen Namen gemacht. Von der Vereinsgründung 1919 bis zum Beginn der 1960er Jahre waren es ausschließlich die VfB-Kicker, die in der Region für Schlagzeilen gut waren. Im Sommer 1961 rückten die erfolgsverwöhnten Fußballer aber kurzzeitig in den Hintergrund. Die Gründung der Lohberger Tennis-Abteilung war damals ein echter Paukenschlag. Zu einem Zeitpunkt, als der Becker-Boom das Spiel mit Schläger und Filzball noch längst nicht zum Volkssport gemacht hatte und sich in Dinslaken die beiden einzig existierenden Clubs der Stadt, Rot-Weiß und Blau-Weiß, noch ausgesprochen exklusiv gaben, waren Bergleute im Tennis-Dress – die allermeisten der rund 40 Gründungsmitglieder kamen von der Zeche – noch eine absolute Rarität.

Doch die Liaison zwischen weißem Sport und schwarzem Gold funktionierte von Beginn an prächtig. Mit zwei Plätzen ging es im südlichen Bereich der Dorotheen-Kampfbahn los. Später kamen zwei weitere Courts und ein eigenes Clubhaus hinzu. In der Anfangszeit wurde noch kaum ein Gedanke an Wettkämpfe verschwendet. Körperliche Ertüchtigung und Geselligkeit standen in der Tennis-Abteilung im Vordergrund. Doch die ersten Vergleiche mit Nachbarvereinen ließen nicht lange auf sich warten. 1968 schickte der VfB Lohberg erstmals eine Herren-Mannschaft in die Medenspiele.

Aktuell sind wieder fünf Teams in die Sommersaison gestartet. „Es sind eigentlich immer so um die fünf Mannschaften“, sagt Hans Bruns. Der 59-Jährige ist Beisitzer im Abteilungsvorstand, seit den 1990er Jahren aktives Mitglied beim VfB und davon auch viele Jahre im Vorstand aktiv. Bruns hat einiges erlebt bei den „Knappen“, gute und etwas schlechtere Zeiten mitgemacht.

Weit mehr als 200 Mitglieder hatten die Lohberger zu den Zeiten, als Boris Becker und Steffi Graf den Tennissport in Deutschland mit ihren Erfolgen enorm populär gemacht hatten. Deutlich unter 100 fiel die Mitgliederzahl vor einigen Jahren, was natürlich auch dazu beitrug, dass sich die finanzielle Situation der Abteilung enorm verschlechterte. „Aber wir haben eine kleine Trendwende geschafft“, sagt Bruns. Derzeit hat die Abteilung 104 Mitglieder. „Wir müssen nicht mehr jeden Cent umdrehen, aber immer noch jeden zweiten. Große Rücklagen sind nicht da. Wenn irgendetwas kaputt geht, dann haben wir ein Problem.“

Ausgeschlossen ist es nicht, dass irgendwann wieder größere Summen fällig werden. Ein kaputtes Dach oder die Notwendigkeit, Bäume fällen zu müssen, haben in der Vergangenheit schon für große Sorgenfalten bei den Verantwortlichen gesorgt. Den Spaß am Sport lassen sie sich hinter der nicht mehr ganz so schmucken Mauer, welche die Anlage an der Ecke Augustastraße und Fischerbusch umschließt, deshalb aber keineswegs nehmen.

Die oft zitierte Kumpelmentalität der Bergleute lebt ganz offensichtlich immer noch in der weitgehend autark arbeitenden Abteilung des VfB. „Ich würde sagen, dass sich zwischen 80 und 90 Prozent unserer Mitglieder untereinander auch kennen. Neue werden auch ganz schnell in die Gemeinschaft aufgenommen“, sagt Bruns, der für die Herren 50 aufschlägt. „Wer auf die Anlage kommt, um zu spielen, der steht auch nicht lange herum. Bei uns geht wirklich jeder mit jedem auf den Platz“, sagt Bruns. Neuzugänge aller Altersklassen sind immer willkommen.

Willkommen geheißen hätten die Lohberger vor knapp zwei Jahren auch eine Fusion mit der Tennis-Abteilung der SGP Oberlohberg. Bei den „Dörflern“ sollte die neue, gemeinsame Heimat entstehen. Doch auf einmal kam das Gelände an der Bergerstraße nicht mehr infrage. Das Thema erledigte sich wieder. „Wir hätten es wirklich gerne gemacht“, sagt Bruns. Mittlerweile aber hoffen die „Knappen“, dass die anstehende Sanierung der Lohberger Bezirkssportanlage auch für sie Erfreuliches bereithält. Damit irgendwann auch die Tennis-Abteilung des VfB ihr hundertjähriges Bestehen feiern kann.

Mehr von RP ONLINE