Lokalsport: RuFV Bruckhausen bangt um Zukunft

Lokalsport : RuFV Bruckhausen bangt um Zukunft

Die Halle des Reit- und Fahrvereins, die seit rund einem Jahr wegen Einsturzgefahr gesperrt ist, muss jetzt abgerissen werden. Wie es weitergeht, weiß der Club nicht. Der Vorstand fühlt sich von Verwaltung und Politik im Stich gelassen.

Der Weg zum Stammtisch in der Vereinsgaststätte Rühl bereitete Paul Rösel an jenem Abend keine Freude. Zerknirscht betrat der Vorsitzende des Reit- und Fahrvereins (RuFV) Bruckhausen das Lokal. Rösel hatte gerade die endgültige Mitteilung bekommen, dass die seit rund einem Jahr wegen Einsturzgefahr gesperrte Reithalle am Sternweg abgerissen wird. Er hatte nun die unangenehme Aufgabe, die Nachricht weiterzugeben. "Da saßen zwei Ehrenvorsitzende und viele weitere ehemalige Vorstandsmitglieder, die selbst noch beim Bau angepackt hatten. Das ging mir nicht leicht über die Lippen", sagt der Vorsitzende.

Foto: Gerd Hermann

Am 8. Januar sollen die Abrissarbeiten beginnen. Wie es danach für den Verein weitergeht? Der Vorstand ist ziemlich ratlos, fühlt sich von Verwaltung und Politik im Stich gelassen. "Die eiern alle nur rum. Man bekommt mehr und mehr den Eindruck, dass die uns gar nicht mehr wollen", sagt Kassenwart Fritz Meschede.

Nach der Hallensperrung, die wegen defekter Leimholzbinder nötig wurde, hatte der Verein sich längere Zeit an die Hoffnung geklammert, das Gebäude könne noch einmal saniert werden. Ein Gutachten errechnete Kosten im knapp sechsstelligen Bereich. Für den RuFV in Anbetracht des Alters der Halle eine viel zu riskante Investition.

Mittlerweile haben sich die Bruckhausener damit abgefunden, dass abgerissen wird. Sie haben ihre Zukunft ohne eigene Halle geplant. Doch der Frust bleibt groß, denn die Planungen entpuppen sich als extrem schwierig. Ein Vorwurf geht an Hünxes Bürgermeister Dirk Buschmann. "Wir hatten ein Gespräch, in dem uns der Bürgermeister in Aussicht gestellt hat, dass wir das Gelände, auf dem die Halle steht, langfristig pachten können. Ein paar Tage später haben wir dann von ihm ein Gesprächsprotokoll bekommen, in dem rein gar nichts mehr davon stand", sagt Rösel. Sein Stellvertreter Andreas Voß bestätigt: "Beim Lesen habe ich mich gefragt, ob ich da überhaupt dabei war."

Drei Jahre pachtfrei könne der Verein das Grundstück nutzen, sagt Buschmann nun. In dieser Zeit wolle die Gemeinde klären, ob sich der Flächennutzungsplan ändern lasse - und dann gegebenenfalls eine andere Nutzung anstreben. "So haben wir das in meiner Erinnerung bei diesem Treffen auch besprochen", sagt Buschmann. Natürlich liege ihm der RuFV am Herzen: "Es gibt sicher keinen Bürgermeister, der nicht gerne ein gutes Verhältnis zu den Vereinen pflegt." Ihm sei aber mittlerweile zu Ohren gekommen, dass die Bruckhausener "nicht gut auf mich zu sprechen" sind, so Buschmann, der weiter hofft, dass die Differenzen schnell aus der Welt geschafft werden können.

Das große Problem, das der Verein mit einer Pacht über nur drei Jahre hat: Das Konzept, das die Reiter in eine sichere Zukunft führen soll, sieht nicht unerhebliche Investitionen vor. Zum Beispiel soll der Reitplatz mit Sand für eine nahezu ganzjährige Nutzung präpariert werden. Und gerade im Hinblick auf das traditionelle Himmelfahrtsturnier, das ein wichtiger Faktor für die Existenz des RuFV ist und 2017 wegen der Hallensperrung erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg ausfiel, müsse viel gebaut und angeschafft werden. "Wir können aber nur investieren, wenn wir eine langfristige Planungssicherheit haben. Alles andere wäre Wahnsinn. Wir haben als Vorstand die Aufgabe, das Geld unserer Mitglieder mit Sinn und Verstand einzusetzen", sagt Rösel, dem eine Pacht über 30 Jahre vorschwebt, um den Fortbestand des Vereins zu gewährleisten.

Versichert habe die Gemeinde, dass die Abrissarbeiten schnell genug erledigt werden, um eine erneute Absage des Turnieres zu vermeiden. Allerdings wartet der Verein noch auf die Zusage, dass dann auch die nötigen Anschlüsse für Wasser und Strom bereitstehen. "Es ist viel geredet worden, aber eigentlich stehen wir wieder genau da, wo wir Anfang des Jahres gestanden haben", sagt Rösel. "Wenn das Turnier erneut nicht stattfinden kann, ist das eine Katastrophe für den Verein", sagt Voß. Reiter, die immer zu Gast waren, würden sich dann dauerhaft anders orientieren.

Auch in den eigenen Reihen ist die Unsicherheit schon spürbar geworden. Etwa zehn Prozent seiner rund 300 Mitglieder hat der Verein 2017 verloren. Vor allem aktive Reiter sehen nach der Hallensperrung bei Nachbarclubs bessere Bedingungen und vor allem eine sicherere Zukunft. Eine solche können Rösel oder Voß ihren Mitgliedern aktuell nicht versprechen, auch wenn sie beinahe täglich an Lösungen arbeiten. "Muss Papa wieder weg, weil die Halle abgerissen wird?", hat der vierjährige Sohn von Voß schon gefragt. Die Bruckhausener Führungsriege investiert viel, um den Karren aus dem Dreck zu ziehen, vermisst dabei aber jeglichen Rückhalt. "Vielleicht gehen hier die Lichter wirklich bald aus", sagt Andreas Voß.

(RP)
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