Lokalsport: Michael Grieß sammelt Medaillen wie am Fließband

Lokalsport : Michael Grieß sammelt Medaillen wie am Fließband

Der Jiu-Jitsu-Kämpfer aus Dinslaken eilt derzeit von Erfolg zu Erfolg. Sein großes Ziel ist die EM in Amsterdam.

Michael Grieß ist ein Mann mit vielen Talenten. Während er sich leicht geschwitzt von der Matte erhebt, schaut er noch kurz auf sein Diensthandy. "Das trage ich immer in meiner Nähe, wenn ich Bereitschaft habe", sagt er. Grieß ist 30 Jahre alt und verdient seine Brötchen als Polizist. Da muss er auch am frühen Samstagmorgen einsatzfähig sein. Wie könnte es anders sein, ist Grieß Spezialist für Festnahmetechniken und außerdem Teil der Judo-Mannschaft NRW.

In seiner Freizeit freut er sich über jede gemeinsame Minute mit seinem Sohn Jamie. Nebenbei widmet er sich seinem größten Hobby - dem Jiu Jitsu. Auch hier spielt der Filius eine wichtige Rolle für Michael Greiß. "Es ist eine zusätzliche Motivation, wenn Jamie mich am Rand anfeuert. Er ist zwar noch beim Mutter-Kind-Turnen, aber ich übe auch schon mit ihm", sagt der 30-Jährige. Im Jahr 1996 begann Michael Grieß in Duisburg mit Judo und wechselte vor drei Jahren nach Dinslaken zum Jiu Jitsu. Die Unterschiede zwischen den beiden Kampfsportarten sind für Grieß schnell erklärt: "Beim Jiu Jitsu darf man einfach mehr. Beim Judo ist nach einem sauberen Wurf Ende. Im Jiu Jitsu geht man an seine Grenzen. Eine Aufgabe des Gegners ist gängig." Ob gerade die Aufgabe eines Gegners ihn besonders motiviert, kommentiert Grieß mit einem Kopfnicken und einem Grinsen: "Auf jeden Fall. Das ist ein besonderer Reiz."

In Dinslaken gefällt dem 30-Jährigen vor allem die familiäre Struktur und das Miteinander. "Man bekommt hier sehr viele verschiedene Einflüsse und trainiert immer auf einem guten Niveau - egal ob Leistungssport oder Breitensport." Die Liste seiner bisherigen Erfolge ist ebenso lang wie beeindruckend.

Nach seinem zweiten Platz bei den Westdeutschen Meisterschaften und dem dritten Rang bei den Norddeutschen Meisterschaften war Grieß im vergangenen Dezember bei der Deutschen Meisterschaft dabei. Das Startrecht hatte er sich mit den zwei Podiumsplätzen erkämpft. Grieß trat jeweils in der Klasse bis 94,1 Kilogramm an. Zeitgleich zur Endrunde der Deutschen Meisterschaft, wo Grieß sich am Ende über den zweiten Platz freuen durfte, fand in Aschaffenburg das Battle of Masters statt. Hier treten deutschlandweit Kämpfer über 30 Jahre gegeneinander an.

Grieß stürmte in beiden Disziplinen von einem Kampf zum anderen und konnte schließlich das Battle of Masters für sich entscheiden. Nur zwei Monate später sicherte er sich in Amsterdam den niederländischen Meistertitel. Im April startete Grieß auch bei den Belgian Open und holte auch dort den Titel. Hier musste der Polizist in einem sogenannten Rashguard antreten, einem hautengen Shirt, das es schwieriger macht, den Gegner zu packen. Im Normalfall tritt Grieß im klassischen Kampfanzug Gi an. "Den Anzug kann man auch im Kampf als Hilfsmittel benutzen, um beispielsweise seinen Gegner zu würgen. Das ist schon von Vorteil", sagt er.

Im Rahmen eines Turniers der North American Grappling Association sicherte sich Grieß auch den nordamerikanischen Meistertitel. Bei allen Turnieren dürfen die besten Drei jeder Klasse noch einmal in der offenen Klasse antreten. Hier gewann der 30-Jährige die Offene Klasse bei allen Veranstaltungen. Sein großes Ziel ist die EM im September in Amsterdam.

(che)
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