Lokalsport: Kobras, die Geschichte geschrieben haben

Lokalsport : Kobras, die Geschichte geschrieben haben

Warner Weinberg brachte Daniel Pleger einst das Eishockeyspielen bei. Wiedersehen auf dem Eis.

Warner Weinberg kennt in der Eissporthalle in Dinslaken jeder. Der Deutsch-Kanadier, der in den achtziger und neunziger Jahren im Eishockey-Team der Dinslaken Kobras für Furore sorgte, ist allseits beliebt. Fünf Jahre hat der 57-Jährige die Stätte seiner früheren Triumphe nicht mehr besucht, aber alle, die ihn sehen, freuen sich und grüßen. Von 1983 bis 1991 hat Weinberg in der ersten Mannschaft der Kobras gespielt und danach war er bis 2010 Jugendtrainer. Zwischendurch hat er nach der Geburt seines Sohnes Tom im Jahr 1994 etwas Abstand vom Eishockey genommen und sich der Familie gewidmet.

In seiner aktiven Zeit als Spieler sammelte er bei den Kobras insgesamt 490 Scorerpunkte, die erst am vergangenen Sonntag von Daniel Pleger, der nun 493 Punkte hat, übertroffen wurden. Das Schöne an dieser Geschichte ist, dass Weinberg in den neunziger Jahren dem jungen Pleger das Eishockeyspielen beigebracht hat. "Ich kann keine Jahreszahl nennen, wann wir uns kennengelernt haben, aber das erste, woran ich mich erinnere, ist, dass Daniel schon mit 16 bei den Senioren spielte und man sein Talent gesehen hat", sagt Weinberg über seinen Nachfolger. Als sich die Möglichkeit für Pleger ergab, nach Finnland zu gehen, wurde sein damaliger Trainer von dessen Vater Peter gefragt, was er davon hielte. "Ich habe gesagt, er soll in Dinslaken bleiben, da kann er spielen und sich entwickeln", erinnert sich Weinberg. Es sollte sich lohnen. " Ich freue mich immens über Daniels Punkterekord. Rekorde sind dazu da, um gebrochen zu werden, es könnte nicht besser sein. Man hat immer nur Positives über Daniel gelesen", ist der ehemalige Topstürmer voll des Lobes über Pleger.

"Meine Nachbarn haben Eishockey gespielt und mein Vater ist immer zu den Spielen gegangen, irgendwann hat er mich mitgenommen und später war ich von dem Sport begeistert", erinnert sich Pleger beim Wiedersehen mit seinem früheren Coach. "Warner Weinberg war ein großer Name in Dinslaken, ich habe immer zu ihm aufgeschaut und tue es auch jetzt noch", sagt der gebürtige Dinslakener und man spürt den beidseitigen Respekt.

" Ich habe mir vor ein,zwei Jahren mal die Scorerliste angeschaut und gesehen, dass ich gar nicht mehr so weit weg bin, aber danach war das erstmal kein Thema mehr", entgegnet der neue Topscorer auf die Frage, ob er schon einmal über den Rekord nachgedacht habe. "Beim Spiel gegen Wiehl habe ich dann gleichgezogen und da ist schon etwas Demut aufgekommen. Als ich dann den Rekord hatte, war mir das erst gar nicht so bewusst, das merke ich erst jetzt", schildert Pleger seine Gefühlslage beim letzten Spiel gegen Neuss. Nach dem Spiel hatte seine Mannschaft ihn in ihre Mitte genommen und gebührend gefeiert. "Das war eine wunderschöne Geste der Truppe, ich danke der Mannschaft, aber auch den Leuten auf der Tribüne, die applaudiert haben, das war eine schöne Erfahrung", beschreibt Pleger diesen Moment.

Zeit, um seinen Rekord auszubauen, hat die Nr. 73 der Kobras auch noch. "Ich werde spielen, so lange die Knochen halten und habe eine wunderbare Frau, die das auch zulässt", sagt Pleger. Das passende Schlusswort hat Warner Weinberg: "Wenn man aufs Eis geht, ist nur noch die Liebe für den Sport übrig."

(pst)
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