Karo Dominiak nutzt die Gunst der Stunde

Radsport : Karo Dominiak nutzt die Gunst der Stunde

Die Dinslakenerin gewinnt das 24-Stunden-Rennen in Duisburg. Die Mountainbikerin profitiert von einem Nickerchen ihrer Gegnerin. Am Ende fährt sie entspannt über die Ziellinie im Landschaftspark Nord.

Gut drei Wochen vor dem Startschuss im Duisburger Landschaftspark Nord fühlte sich Karo Dominiak nicht wirklich bereit. Die Dinslakener Mountainbikerin hatte in diesem Jahr bei weitem nicht so viel trainieren können wie 2017, als sie beim 24-Stunden-Rennen in der Nachbarstadt in der Einzelwertung den hervorragenden zweiten Platz belegte. „Ich war drauf und dran, meinen Startplatz abzugeben und hatte sogar schon jemanden gefunden, der ihn nehmen wollte. Doch der ist dann doch wieder abgesprungen“, sagt Dominiak. „Zum Glück“. Denn verfallen lassen wollte die für die Voerder Triminators und den Wüster Radladen fahrende Sportlerin ihr Ticket dann doch nicht. Daher trat sie ohne große Erwartungen an und überraschte sich mit dem Sprung auf den obersten Podestplatz am Ende selbst. Für die 42-jährige Ausdauerathletin war der Gesamtsieg in Duisburg „einfach nur irre.“

Dass es trotz der deutlich geringeren Kilometerleistung in der Vorbereitung zu Platz eins reichte, dafür hat Dominiak im Nachhinein mehrere Erklärungsansätze: „Bei so einem Rennen kommt es vor allem auf den Kopf und die Willensstärke an. Die Schmerzen kommen sowieso. Wenn du weniger trainiert hast, vielleicht nur ein bisschen eher.“

Dass die Dinslakenerin grundsätzlich gut mit Hitze klarkommt, war bei den höllischen Bedingungen, die am Wochenende im Landschaftspark herrschten, ganz sicher auch kein Nachteil. Und schlussendlich sei es – gerade bei diesen Verhältnissen – wohl auch nicht verkehrt gewesen, ohne großen Druck an den Start gegangen zu sein: „So bin ich einfach bedacht und ruhig gefahren, war nicht zu verbissen.“

Bestens verpflegt und unterstützt von Bettina Meier, die schon im vergangenen Jahr die Betreuung übernommen hatte, sowie von Peer Hüsken und Ralf Meier, die im Wüster-Achter-Team selbst noch auf die Strecke gingen, legte Karo Dominiak in den ersten vier Stunden trotzdem ein recht forsches Tempo hin, entschied sich dann aber auf Rang zwei liegend nach einem ersten Tiefpunkt, die Geschwindigkeit zu drosseln. Die Führende schien völlig außer Reichweite zu sein, der Absicherung eines Podestplatzes galt das weitere Vorgehen. In der Nacht tat sich die Dinslakenerin dann schwer. Der viele Staub behinderte die Sicht, die knochentrockene Strecke mit den vielen rutschigen Kurven barg einige Gefahren. Die Konzentration musste stets hochgehalten werden.

Nach 16 Stunden Fahrtzeit schien der Akku dann völlig leer zu sein. Karo Dominiak entschloss sich zu einer längeren Pause, um ein kurzes Schläfchen, neumodisch Powernap genannt, zu halten. „Aber dann haben wir im Fahrerlager mitbekommen, dass die Führende schon länger nicht mehr unterwegs war und ich plötzlich vorne lag. Schlagartig war ich wieder fit und voll motiviert“, sagt die Grundschullehrerin. Die Konkurrentin ging tatsächlich gar nicht mehr auf die Strecke, auch eine weitere Verfolgerin musste den Bedingungen Tribut zollen.

Karo Dominiak musste nichts mehr riskieren, sich einzig und allein darauf konzentrieren, sicher ins Ziel zu kommen. Und das gelang ihr auch. „Die letzte Runde konnte ich dann wirklich total genießen. Als ich dann kurz vor dem Ziel noch einmal den ,Monte Schlacko’ raufgefahren bin, sind mir sogar die Tränen gekommen“, sagt sie.

Bei ihrem ersten 24-Stunden-Rennen am Alfsee war die Dinslakenerin Dritte geworden, beim zweiten in Duisburg Zweite. Der Sieg in diesem Jahr ist für sie nun nicht mehr zu toppen: „Jetzt muss ich mir etwas einfallen lassen, um mich wieder neu zu motivieren“, sagt die Gewinnerin. Die Dinslakenerin wird aber ganz sicher eine neue Herausforderung finden.

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