Lokalsport: Judo ist Geschichte in Friedrichsfeld

Lokalsport : Judo ist Geschichte in Friedrichsfeld

Der Friedrichsfelder Verbandsligist hat Personalprobleme und wird keine Mannschaft mehr in der Verbandsliga melden. Für diese Saison lagen nur drei verbindliche Zusagen vor. Nun gilt die Konzentration der Nachwuchsarbeit.

Hinter den Kulissen hatte es sich schon länger angedeutet. Nun steht fest: Die SV 08/29 Friedrichsfeld wird in der anstehenden Saison keine Mannschaft mehr in der Judo-Verbandsliga melden. Kurz vor dem Meldeschluss am 31. März machte Abteilungsleiter Detlev Klumbis Nägel mit Köpfen. "Es hatte keinen Sinn", seufzt Klumbis. "Es war wie in den letzten Jahren auch schon, wir hatten zu wenige verbindliche Zusagen."

Mit gerade einmal drei Kämpfern hätten die Friedrichsfelder fest planen können. "Im Prinzip sind mit Finn Bittscheidt, Tim Gerpheide und Tilo Tietze nur drei Kampfwillige übriggeblieben. Aber auch sie sind beruflich und privat so eingebunden, dass nicht klar war, ob sie immer da gewesen wären", erzählt Trainer Walter Trapp.

So war es dann auch aus Trapps Sicht die goldrichtige Entscheidung, auf eine Meldung zu verzichten. "Ich sehe das mit einem lachenden und einem weinenden Auge", sagt der erfahrene Trainer. "Es gibt private und berufliche Dinge, die wichtiger sind. Obwohl der ein oder andere uns mit einer Träne im Auge verlässt."

Auch in der Vorsaison hatten die Friedrichsfelder nur mit großer Mühe eine Mannschaft auf die Beine gestellt. Als Vierter hatten sie die Saison dennoch beachtlich abgeschlossen. "Wir haben es ja noch immer so eben geschafft, eine Mannschaft zusammen zu kriegen. Aber diesmal war einfach nichts mehr zu machen", wollte Detlev Klumbis eine weitere Zitterpartie vermeiden. "Wir hätten ja zwei Heimkämpfe ausrichten müssen. Wenn man da nur mit einem Rumpfteam antritt, ist das eben auch peinlich", so Klumbis. "Außerdem haben wir eine moralische Verpflichtung unseren Sportlern gegenüber. Der ein oder andere würde kämpfen, hat aber aus zeitlichen Gründen nicht richtig trainiert. Da ist die Verletzungsgefahr viel zu groß," fügt Walter Trapp dem noch hinzu.

Die Entwicklung in Friedrichsfeld ist auch ein Spiegelbild der Gesamtentwicklung des Judosports. Die Mitgliederzahlen im Verband sind in den vergangenen zehn Jahren stetig gesunken. "Es geht den Bach runter. Es gibt keine Kinder mehr", sagt Walter Trapp, der nun gemeinsam mit Co-Trainer Ralf Bittscheidt versuchen wird, zumindest in Friedrichsfeld den Trend aufzuhalten. Das Duo trainiert zweimal wöchentlich den Nachwuchs. "Das Beste ist, man kann schon von Beginn an die jungen Leute an die Hand nehmen", sagt Trapp.

Detlev Klumbis gibt indes die Hoffnung noch nicht auf, auch kurzfristig wieder Kämpfer auf die Matte schicken zu können. "Wir wollen die Jugend aufbauen, aber wir halten auch Kontakt zu unseren Kämpfern und versuchen, sie irgendwie bei der Stange zu halten. Wenn es zeitlich wieder besser aussieht . . ."

(RP)
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