Hinrunden-Fazit zu Fußball-Bezirksligist RWS Lohberg

Fußball : Bei RWS Lohberg läuft nichts zusammen

Das Schlusslicht der Bezirksliga hat eine katastrophale erste Saisonhälfte gespielt. Die Chancen auf den Klassenerhalt sind gering. Dennoch will RWS mit neuen Spielern und einem neuen Coach noch einmal angreifen.

Wenn Trainer Thorsten Albustin das vergangene halbe Jahr beim Fußball-Bezirksligisten Rot-Weiß Selimiyespor Lohberg Revue passieren lässt, dann pendelt seine Stimmungslage ziemlich wild zwischen Frust und Zufriedenheit. Frust über die Bedingungen, die für ihn als Coach von Beginn an schwierig waren und dann noch viel schwieriger wurden, Frust über die vielen Akteure, die ihn und das Team nach und nach im Stich ließen, als ohnehin kaum noch etwas zusammenlief. Zufriedenheit, weil er selbst nicht den einfachsten Weg wählte, sondern bis Weihnachten durchhielt. Zufriedenheit, weil es so immerhin gelang, den Spielbetrieb aufrecht zu erhalten.

Die sportliche Bilanz bleibt in Zahlen dennoch katastrophal: null Punkte und 6:93-Tore aus 17 Spielen. Albustin wusste schon vor seiner Rückkehr an den Fischerbusch, dass er sich dort einer Herkulesaufgabe würde stellen müssen. Viele Leistungsträger hatten den Verein verlassen, fast der gesamte Stamm war weg. Gestandene Bezirksliga-Kicker als Neuzugänge? Fehlanzeige.

Der dreimalige Bundesliga-Torwart verstand die Aufgabe trotzdem als spannende Herausforderung, doch schon die Saisonvorbereitung war die erste große Enttäuschung: „Wir hatten eine sehr schlechte Beteiligung. Viele Spieler waren im Urlaub. Grundsätzlich fehlte es bei den meisten Leuten an der Disziplin und dem Willen, dreimal in der Woche zum Training zu gehen“, sagt Albustin. Gleich zum Auftakt gab es dann mit der 0:5-Niederlage bei der TuS Mündelheim die erste kalte Dusche, doch nach dem 0:5 am dritten Spieltag gegen den VfB Homberg II folgte eine Phase, in der sich die Lohberger einige Male achtbar aus der Affäre zogen und hin und wieder sogar an einem Punktgewinn schnupperten. „Im August und September hatte ich auch noch meist sechs bis acht Leute beim Training und zwölf bis 13 bei der Abschlusseinheit. Im Oktober wurde es rapide schlechter und im November und Dezember kam eigentlich niemand mehr“, sagt der Ex-Coach, der mittlerweile von Osman Ali Demir (bislang Anadolu Spor Wesel) abgelöst worden ist.

Die 0:19-Niederlage am zwölften Spieltag beim Topteam Hamborn 07 sorgte für großes Aufsehen und manch deftigen Kommentar. Doch Thorsten Albustin wollte unbedingt weitermachen, auch wenn zu diesem Zeitpunkt eigentlich schon klar war, dass in dieser Besetzung keine Zähler mehr zu holen sein würden. Im Rückblick hätte sich der Trainer auch von manchem seiner Spieler mehr Durchhaltevermögen gewünscht: „Zusammenhalt zeigt sich im Misserfolg, doch vom eigentlichen Kader war kaum noch jemand da.“

Am Ende gelang es nur mit der Hilfe einiger Altherren-Kicker und A-Junioren, die sich der aussichtslosen Situation stellten, den Spielbetrieb aufrecht zu erhalten. „Das sind die Leute, die sich dem Verein wirklich verbunden fühlen“, sagt Albustin, der sich mit 44 Jahren selbst noch zwischen die Pfosten stellte und viele Gelegenheiten bekam, sich als Torwart auszuzeichnen.

Mit dem neuem Trainer, der gleich zehn Akteure von seinem Ex-Club mitgebracht hat, will RWS Lohberg nun alles versuchen, um noch in die Nähe des rettenden Ufers zu kommen. Einige Fußballer, die sich zuletzt nicht mehr blicken ließen, wollen wohl auch wieder angreifen. Nach dem Geschmack von Albustin ist das allerdings nicht. „Wenn ich sehe, dass Leute, die den Verein so im Stich gelassen haben, wieder willkommen geheißen werden, dreht sich mir der Magen um“, sagt der 44-Jährige.

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