Handball: Handballerinnen ringen um neue Liga

Handball : Handballerinnen ringen um neue Liga

Der TV Walsum-Aldenrade kämpft dafür, eine Regionalliga zu gründen, da der Sprung in Liga drei zu groß ist.

Martin Schulz hat eine Vision. "Pro Regionalliga West" heißt die Initiative, die der Sportliche Leiter des Oberligisten TV Aldenrade im Spätsommer angestoßen hat. Ziel ist es, die Attraktivität des semiprofessionellen Frauenhandballs zu steigern. Stein des Anstoßes ist die zur Spielzeit 2010/11 ins Leben gerufene 3. Liga. "Die Einführung dieser Spielklasse war eine Entscheidung vorbei an der Realität", kritisiert Schulz. "Es ist erschreckend, dass immer noch keine Reaktion erfolgt, obwohl allein in den ersten beiden Jahren mehr als 20 Vereine zurückgezogen oder verzichtet haben."

Nach dem Gewinn der ersten Niederrhein-Meisterschaft im Jahr 2008 hatte der TVA den Aufstieg in die damalige Regionalliga West gewagt. Zwei Jahre spielte der Traditionsverein dort, anschließend ein Jahr in der neuen 3. Liga. Nach dem Abstieg ging es zurück auf die Verbandsebene, die für Aldenrade und viele andere NRW-Vereine zurzeit die sportliche Endstation darstellt. 2012 und 2013 war die Mannschaft um Denise Schauenburg am Niederrhein erneut das Maß aller Dinge.

Beide Male verzichteten die Walsumerinnen auf den Aufstieg. "Die 3. Liga zeigt sich, insbesondere die Auflagen des Deutschen Handball Bundes betreffend, für uns als nicht mehr realisierbar", erklärt Schulz. "Wir hätten nicht nur wesentlich höhere Kosten, sondern auch geringere Einnahmen." Der TVA müsste nach Hessen, Luxemburg und Rheinland-Pfalz reisen, womöglich auch nach Niedersachsen und Thüringen. Mainz-Bretzenheim, Sulzbach/Leidersbach oder Gedern-Nidda hießen die Gegner, die im Gegenzug für eine ziemlich leere Sporthalle am Driesenbusch sorgen würden. "Wir haben ja miterlebt, wie viele Zuschauer Mannschaften von weiter her mitbringen. Meistens konnten wir sie an zwei Händen abzählen", sagt Schulz.

Hinzu kommt der Quantensprung im sportlichen Bereich. Nur wenige Aufsteiger konnten sich in der 3. Liga etablieren. An diesen offensichtlichen Schwachstellen setzt Schulz' Initiative an. Die große Lösung wäre die Wiedereinführung der Regionalliga West zwischen 3. Liga und Oberliga. In einer solchen "Zwischenliga" könnten sich die stärksten NRW-Vereine auf einem höheren Niveau duellieren, als dies bislang in der jeweiligen Oberliga-Staffel (Mittelrhein, Niederrhein, Westfalen) der Fall ist. Im September kontaktierte Schulz die NRW-Vereine, um sie für das Thema zu sensibilisieren und Reaktionen hervorzurufen. Für den Bereich Westfalen zeigte sich, dass die Problematik weniger relevant ist; aufgrund der Nähe der Niedersachen würden in der 3. Liga kürzere Reise anstehen als in einer Regionalliga West.

Bei den betroffenen Vereinen von Mittelrhein und Niederrhein rief der Aldenrader Vorschlag hingegen breite Zustimmung hervor. Tenor: HVM und HVN sollen ihre Staffeln zu einer Oberliga Nordrhein zusammenlegen. "Eine solche Lösung würde nicht nur die Leistungsdichte und Attraktivität erhöhen, sondern auch der Regelung gerecht werden, dass beide Ligen nur einen gemeinsamen Aufsteiger stellen", erklärt Schulz und verweist auf Paragraf 38, Absatz 4 der Spielordnung des Deutschen Handball-Bundes. Hier steht, dass der DHB Mittelrhein/Niederrhein als eine Oberliga ansieht, die lediglich in zwei Staffeln spielt. Für den unwahrscheinlichen Fall, dass beide Staffelsieger den finanziellen Kraftakt stemmen könnten und in die 3. Liga hoch wollten, müssten sie Aufstiegsspiele bestreiten.

Die gesammelten Reaktionen der Vereine hat Schulz vor Wochen an Rolf Klimek weitergeleitet. Der Meidericher ist Mitglied im Präsidium des HVN und Vorsitzender der Technischen Kommission. Der Ball liegt nun beim Verband. Denn eine Antwort auf seine Frage, wie realistisch die Wiedereinführung der Regionalliga West oder ein Zusammenschluss der beiden Oberligen ist, hat Schulz noch nicht erhalten.

(RP)