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Handball: Vereine hoffen nach der Weltmeisterschaft auf Zuwachs

Handball : Handball-Clubs hoffen auf WM-Boom

Die Vereine erwarten nach den starken Auftritten der deutschen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft einen Zuwachs im Nachwuchsbereich. Heinz Buteweg, Obmann des MTV Rheinwacht Dinslaken, nimmt aber auch den Verband in die Pflicht.

Die Handball-Weltmeisterschaft hat Millionen Zuschauer vor den Fernsehbildschirm und in die Hallen gebracht. An den verschiedenen Spielorten herrschte Ausnahmezustand. Die deutsche Nationalmannschaft hat sich, angetrieben von den Massen, in einen Rausch gespielt und mit guten Leistungen und Platz vier für Aufsehen gesorgt. Besser kann man Werbung für den eigenen Sport nicht betreiben. Aber was passiert nun mit dem großen Handball-Boom? Es ist an den Vereinen und Funktionären, die Steilvorlage zu nutzen. Die Clubs der Region erhoffen sich auf jeden Fall einen Zuwachs durch die Aufbruchstimmung.

„Der Boom passt uns natürlich ganz gut. Wir haben oft zusammen geguckt und uns reichlich ausgetauscht. Das stärkt natürlich auch den Zusammenhalt im Verein. Wir versprechen uns durch die WM jetzt auch eine steigende Mitgliederzahl“, sagt Timo Jegelka, Jugendwart der SV 08/29 Friedrichsfeld. Er weiß aber auch um die Probleme in der Region, wenn er sagt: „Unser Einzugsgebiet ist natürlich beschränkt. Wir haben hier noch Voerde und Wesel direkt um die Ecke, von daher sollte man auch nicht zu viel erwarten. Aber wir haben auch vor der WM schon einige neue Gesichter in Friedrichsfeld begrüßen dürfen.“

Der benachbarte TV Voerde konnte sich in den vergangenen Jahren vor Neuanmeldungen kaum retten und braucht den positiven Trend durch die Weltmeisterschaft eigentlich nicht. „Wir haben kaum noch Kapazitäten, um mehr Kinder und Jugendliche unterzubringen. Aktuell müssen wir schon gut mit den Hallenzeiten haushalten. Es trainiert keine Mannschaft alleine, die Halle wird sich immer mit zwei Teams geteilt“, sagt Michael Rhiem, der als Jugendwart und Trainer beim TV Voerde aktiv ist.

Der TVV hatte schon im vergangenen Jahr eine beeindruckende Bilanz gezogen. Rhiem führt das vor allem auf die gute Struktur zurück: „Wir haben vor sechs Jahren hier angefangen und uns neu aufgestellt. Wir haben die Aufgabenbereiche gut auf viele Schultern verteilt und bei den Trainingseinheiten auch gleichzeitig mehrere Übungsleiter. Der Nachwuchs liegt uns sehr am Herzen. Deshalb fließt auch ein Großteil des Etats in die Jugend und die Ausbildung der Übungsleiter.“ Eine weibliche B-Jugend sowie eine männliche und weibliche A-Jugend fehlen dem TVV noch, aber mit fortlaufender Zeit werden die Voerder bald alle Altersklassen besetzt haben.

Eine negative Entwicklung gab es in der letzten Zeit bei den Nachwuchs-Handballern des MTV Rheinwacht Dinslaken. Obmann Heinz Buteweg sieht das Problem aber nicht nur in der Region, sondern holt weiter aus: „Es muss da auch etwas vom Verband Niederrhein beziehungsweise vom Deutschen Handball-Bund kommen. Man muss gezielt die Sportlehrer weiterbilden und Handball auch wieder im Schulunterricht attraktiv machen. Früher gab es Handball, Fußball und Turnen – heute gibt es noch zig Trendsportarten.“

Wenn die Schüler für den Sport begeistert werden und sich einem Verein in der Region anschließen, ist das Thema für Buteweg aber noch nicht beendet. „Es werden“, so der Obmann, „nur noch Spitzensportler gesucht. Die Eltern sind auch bereit, viel Zeit und weite Strecken in Kauf zu nehmen, um ihre Kinder zum Training zu fahren. Dazu kommen die ganzen Doppel-Spielrechte für andere Vereine. So geht einem natürlich der Nachwuchs verloren.“

Die wohl erfolgreichste Nachwuchsarbeit im männlichen Bereich macht aktuell die JSG Hiesfeld/Aldenrade. Die 2014 gegründete  Spiel-Gemeinschaft hat viele talentierte Akteure aus der Region angelockt und ist vor allem im männlichen Bereich sehr erfolgreich. Die A-Jugend spielt in der zweithöchsten, die B-Jugend sogar in der höchsten Spielklasse. Mit Ben Beekmann hat es ein ehemaliger JSG-Akteur in die Jugend-Nationalmannschaft geschafft.

Die JSG hofft aber, wie Jörg Schnier, Leiter der Spiel-Gemeinschaft, erläutert, auf Zuwachs durch die WM: „Wir haben vor allem im Bereich der weiblichen Jugend Nachholbedarf. Es wäre sicherlich schön, wenn sich da etwas tut.“ Besondere Aktionen, um neuen Nachwuchs anzulocken, benötigt die JSG zunächst aber nicht, denn in den Osterferien steht ohnehin das traditionelle Handball-Camp an.

Michael Heidecke, Leiter der Handball-Abteilung des TV Jahn Hiesfeld, hofft ebenfalls, bald vom WM-Boom profitieren zu können. „Wir mussten kürzlich unsere dritte Mannschaft aus dem Spielbetrieb nehmen, das ist natürlich sehr schade. Dinslaken hat eine tolle Handball-Historie und erlebt gerade vor allem im Bereich der Senioren einen Aufschwung. Es wäre schön, wenn sich in der kommenden Zeit wieder mehr Leute für den Sport begeistern können“, sagt Heidecke.