Fußball: Überraschungssieg für TV Jahn Hiesfeld gegen SF Baumberg

Fußball : TV Jahn Hiesfeld sendet ein Lebenszeichen an die Konkurrenz

Der abstiegsbedrohte Oberligist schlägt den Tabellenzweiten Sportfreunde Baumberg. Der angeschlagene Kevin Menke erzielt drei Treffer.

Die Schmerzen rückten für einen Moment in den Hintergrund, Kevin Menke lächelte sie einfach weg. „Die letzte halbe Stunde tat richtig weh“, sagte der 27-Jährige, aber seine Augen leuchteten wie bei einem kleinen Jungen, der gerade zum Geburtstag sein sehnlichst gewünschtes Feuerwehrauto auspackt. Was machen schon Leistenbeschwerden aus, wenn man gerade drei Tore gegen den Tabellenzweiten der Fußball-Oberliga erzielt hat?

Vor dem Spiel des TV Jahn Hiesfeld bei den Sportfreunden Baumberg stand der Einsatz von Menke noch lange auf der Kippe. Er gab dann doch das Okay – und avancierte zum Mann des Tages beim 4:3 (2:1)-Sieg, der für den TV Jahn in doppelter Hinsicht eine Erkenntnis brachte: Der Patient ist angeschlagen, doch er lebt. Die Nervosität im Hiesfelder Lager war förmlich spürbar, bevor Schiedsrichter Andre Berger die Partie auf dem Baumberger Kunstrasen anpfiff. Der erste Verfolger des Spitzenreiters VfB Homberg spielte gegen den Vorletzten.

Der TV Jahn schwankte zwischen der Hoffnung auf einen guten Start in die Restsaison und der Furcht, im Kampf um den Klassenerhalt gleich einen Nackenschlag zu erhalten. Was folgte, glich einer emotionalen Achterbahnfahrt, an deren Ende die „Veilchen“ jubeln durften. Dank Kevin Menke, der sein Torkonto mit den Treffern zum 1:1 (36.), 1:2 (37.) und 3:4 (87.) gleich um die Hälfte von sechs auf neun aufbesserte, und dank eines insgesamt ansprechenden Auftritts, bei dem sich die Abteilung Attacke den Begriff „Angriff“ nach zahlreichen mageren Vorstellungen in dieser Saison auch mal verdiente. Nicolai Pakowski zum Beispiel fiel nicht nur wegen einer Flanke zum zwischenzeitlichen 3:3 durch Nasrullah Dedemen (59.) positiv auf, auch der Ausgleichs-Torschütze zeigte in Ansätzen, dass er durchaus das Zeug hat, nach guter Ausbeute während der Vorbereitung durchaus in der Oberliga zur Verstärkung zu taugen. Und Maik Goralski glich manche weniger glückliche Aktion mit starkem Einsatz aus. „Ich bin mega stolz“, sagte der Hiesfelder Teammanager Thomas Drotboom. Imponierend geriet in Baumberg die Art und Weise, wie die Gäste Rückschläge einsteckten.

Der Beginn beider Halbzeiten misslang gründlich. Nach sieben Minuten schoss Kevin Krystofiak einen Strafstoß nach Foul an Pakowski zu unplatziert, und wenig später traf Louis Klotz für den Gastgeber (9.). In der zweiten Hälfte dauerte es gerade mal drei Minuten, ehe Jannik Weber (46.) und Kosi Saka per Foulelfmeter (48.) aus einem 1:2 einen 3:2-Vorsprung für den Favoriten gemacht hatten. Und wäre Sakas zweiter Strafstoß (53.) im Tor und nicht an der Querlatte gelandet, hätte wohl kaum noch jemand die Kraft für einen Umschwung zugunsten des TV Jahn aufgebracht. Weil die Offensive funktionierte, gelang es aber, Schwächen in der Defensive auszumerzen. Davon gab es allerdings reichlich. Selbst als Baumbergs Klotz schon nach 22 Minuten wegen wiederholten Foulspiels mit Gelb-Rot vom Platz musste, fehlte es an der nötigen Sicherheit.

Die Hiesfelder Abwehr ließ sich mehrmals aushebeln. Linksverteidiger Joshua Kudu brachte sich selbst aus dem Spiel mit zwei ungeschickten Fouls, die kurz vor der Pause mit Gelb-Rot (45.) geahndet wurden. Damit war der personelle Vorteil der Überzahl nach 23 Minuten schon passé. Und die taktische Umstellung nach der Pause mit Carlson Tekum Tembu in der Innenverteidigung geriet zum Risiko, weil sie zu Unruhe und dem Elfmeter führte, den Baumberg zum 3:2 nutzte.

TV Jahn Hiesfeld: Ograjensek – Goralski, Krystofiak, Menke, Kolberg Corvers (86. Hafhaf), Yolasan (70. Sakho), Dedemen, Gataric (46. Tembu), Kudu.

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