Fußball: TV Jahn Hiesfeld droht ein Nachspiel

Fußball : Neuer Ärger beim TV Jahn Hiesfeld

Markus Kay, Trainer des Oberligisten, beruft sich nach dem Rausschmiss per WhatsApp auf die mündliche Vereinbarung mit Präsident Dietrich Hülsemann. Er erwägt eine Klage vor dem Arbeitsgericht. Seine Elf verliert mit 0:4 bei Union Nettetal.

Das vorerst letzte Auswärtsspiel in der Fußball-Oberliga war gerade abgepfiffen, als Thomas Drotboom sich noch einmal zu den Unentwegten an die Bande begab. Der Teammanager des TV Jahn Hiesfeld gab jedem der knapp ein Dutzend Anhänger die Hand. „Ich hätte euch gerne noch ein besseres Spiel geboten“, sagte er. Mit einem 0:4 (0:2) endete die Reise in der fünfthöchsten Spielklasse für unbestimmte Zeit bei Union Nettetal. Am nächsten Sonntag schließt der Absteiger im Heimspiel gegen den 1. FC Bocholt eine missratene Saison ab.

Die treuen Zuschauer, die die siebzig Kilometer weite Tour auf die linke Rheinseite angetreten hatten, spendeten den „Veilchen“ Trost. Tenor: „Es kommen auch wieder bessere Zeiten.“ Wann sie kommen, ist ungewiss. Erst einmal überwiegt die Bitterkeit im Abschied, ob erzwungen oder freiwillig.

Schon vor dem Ende der Spielzeit haben die Spieler Joshua Kudu und Abdoullaye Sakho es vorgezogen, der Mannschaft den Rücken zu kehren. Sicher ist: Es werden weitere folgen. Nicolai Pakowski steht in engen Verhandlungen mit dem westfälischen Oberligisten Westfalia Herne, Akteure wie Ekin Yolasan, Nasrullah Dedemen und Philipp Demler verspüren derzeit wenig Antrieb, weiter das lila Trikot zu tragen. Kapitän Kevin Corvers, der zur neuen Saison mit Markus Kay als Coach übernehmen sollte, schon gar nicht, nachdem ihm Präsident Dietrich Hülsemann wie dem gesamten Trainerteam vor zwei Wochen per WhatsApp den Rausschmiss zum Ende der Spielzeit verkündet hatte. Eben diese – vorsichtig ausgedrückt – untypische Art, das Ende einer Zusammenarbeit zu erklären, hat nun zudem noch ein Nachspiel.

Außer der Gruppennachricht aufs Handy hatten die Betroffenen bis Sonntag keinerlei persönlichen Kontakt mit dem Vorstand, eine Erklärung für ihren Rauswurf bekamen sie trotz des Versuchs der Kontaktaufnahme ebenso wenig. Trainer Markus Kay beruft sich auf die mündliche Zusage Hülsemanns Anfang März: „Damals hat er Kevin Corvers und mir die Hand gegeben für die nächste Saison und betont, dass sein Wort zählt.“ Daraufhin bereitete sich das Duo auf die Aufgabe vor und bastelte am Spielerkader. „Und wir haben auch Anfragen anderer Vereine ausgeschlagen.“ Auch wenn die Trainer noch keinen schriftlichen Vertrag für die Zukunft bekommen haben, steht Kay auf dem Standpunkt: „Ein Vertrag, der per Handschlag geschlossen wurde, gilt.“

Unterstützung suchte der Trainer beim Bund Deutscher Fußball-Lehrer (BDFL), wo er sich Rechtsbeistand eingeholt hat. Dessen Einschätzung sei eindeutig: „Eine Kündigung per WhatsApp ist nicht wirksam, eine mündliche Vereinbarung sehr wohl.“ Daraufhin setzte Kay einen Brief auf: „Ich habe Herrn Hülsemann daran erinnert, dass wir eine mündliche Vereinbarung geschlossen und per Handschlag besiegelt haben.“ Er erwarte eine Lösung des Problems und empfindet Hülsemanns Verhalten als rufschädigend: „Wir sind ja nicht bei Pippi Langstrumpf, wo es heißt: Ich mach’ mir die Welt, so wie sie mir gefällt.“ Auf Anraten des BDFL will er zur Not Klage beim Arbeitsgericht einreichen.

Hülsemann war am Sonntag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Auch in Nettetal war weder der Vereinsvorsitzende noch ein anderes Vorstandsmitglied.

TV Jahn Hiesfeld: Ograjensek – Ohnesorge, Demler, Mastrolonardo, Krystofiak, Menke (81. Hersey), Hafhaf (46. Tembu), Pakowski, Yolasan, Dedemen, Kisters.

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