Handball : Enttäuschung pur

Vor der Saison hatten sie sich alles so schön ausgemalt: Am Ende der Spielzeit sollte für den Handball-Oberligisten TV Jahn Hiesfeld der Aufstieg stehen. Was blieb, war am Ende ein ernüchternder sechster Tabellenplatz.

Mit welcher Euphorie und Motivation war der TV Jahn Hiesfeld in die vergangene Oberliga-Saison gestartet. Ein Platz an der Spitze, wenn möglich der erste, sollte am Ende der Saison herausspringen. Doch zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafften am Ende meilenweite Lücken. Zu keinem Zeitpunkt der Saison gelang es den „Veilchen“ die hochgesteckten Erwartungen uneingeschränkt zu erfüllen. Immer wieder gab es Rückschläge, mit denen die Truppe überhaupt nicht zurecht kam.

Die Ursachenforschung fällt nicht allzu schwer: Was dem TV Jahn fehlte, war zum einen die nötige Kontinuität an der Seitenlinie und zum anderen eine gestandene Führungsfigur auf dem Feld. Sie hatten es sich alles so schön ausgemalt: Christian Ginters sollte gemeinsam mit Marian Kurtz dem Spiel der „Veilchen“ seinen Stempel aufdrücken. Daraus wurde nichts. Zwar gehörte der aus Aldekerk gekommene Ginters insbesondere in der Rückrunde zu den positiven Erscheinungen beim TV Jahn, aber die Lücke, die Stephan Voss ohne Frage hinterließ, konnte er nicht schließen. Marian Kurtz hingegen fand nur in ganz wenigen Spielen zu seiner Form, wurde zusätzlich durch Verletzungen immer wieder aus der Bahn geworfen. Auf den Halbpositionen vermochten Pavel Pawlaszek und Christoph Lesch ebenfalls nur wenig Druck zu entwickeln. Die logische Konsequenz: Der TV Jahn blieb aus dem Rückraum weitestgehend berechenbar und entwickelte nur eine durchschnittliche Torgefährlichkeit.

Ebenso wie der Rückraum waren auch die Außen nicht in der Lage an das Spitzenniveau vergangener Tage anzuknüpfen. Der mit vielen Vorschusslorbeeren vom MTV nach Hiesfeld gewechselte „Pille“ Becks blieb in seiner ersten Saison in Hiesfeld den Nachweis schuldig durchaus zu Höherem berufen zu sein. Auf der rechten Seite zeigte Tobias Dickel spielerisches Potenzial, agierte aber wie das gesamte Team wenig konstant. Ohne größere Aussetzer blieben beide Keeper, wenngleich bei „Paule“ Meyer die Verpflichtung eines ebenbürtigen Pendants in Mike Zidorn eher zur Leistungsstagnation führte.

Solide Deckung

Einziger Lichtblick: Die in den vergangenen Jahren schwächelnde Deckung stand zumeist solide. Marek Scharfenberg war insgesamt der stärkste Spieler des TV Jahn. Aber auch Matthias Waclawczyk und mit Abstrichen Christopher Kalinowski agierten zuverlässig.

Handball-Abteilungsleiter Horst Helspers Analyse fällt ebenfalls eindeutig aus: „Wir haben unseren Leistungshöhepunkt im Trainingslager erreicht. Die Kontinuität fehlte und die Mannschaft hat nicht zu ihrer wirklichen Leistungsstärke gefunden. Wir müssen uns vielleicht ankreiden, dass wir die Mannschaft mit unserer Zielsetzung zu stark unter Druck gesetzt haben.“ Coach Christian Hoffmeister sieht die Lage ähnlich: „Unser schlechtes Angriffsspiel war sicher einer der Gründe für unser Abschneiden. Zu viele Spieler sind einfach unter ihren Möglichkeiten geblieben.“

Das Dilemma nahm bereits in der ersten Saisonphase seinen Lauf. Nach der knappen Niederlage in Kapellen standen die „Veilchen“ permanent unter Zugzwang. Die Zielsetzung „Aufstieg“ schien den ein oder anderen regelrecht zu lähmen. Nach den blutleeren Vorstellungen gegen Mönchengladbach und in Aldekerk dürfte in Achim Waclawczyk der Entschluss gereift sein, den Trainerstab zu verlassen. Sein Co-Trainer Christian Hoffmeister übernahm das Kommando in der Partie gegen Burscheid. Zunächst mit großem Erfolg. Der TV Jahn blieb in sechs Meisterschaftsspielen ohne Niederlage.

Ernüchterung

Die Ernüchterung ließ aber nicht lange auf sich warten. Auf sechs erfolgreiche Partien folgten sechs sieglose Spiele. Was unterm Strich als positives Highlight blieb, war die Qualifikation für die erste Runde im DHB-Pokal Ende August.

(RP)