Lokalsport: Dorotheen-Kampfbahn vor dem Aus

Lokalsport : Dorotheen-Kampfbahn vor dem Aus

Bis auf den VfB Lohberg sprechen sich die Vereine der Stadt für zukünftig drei Bezirkssportanlagen aus.

Die zerstörende Kraft der Zeit hat nur allzu offensichtlich ihre Spuren hinterlassen. Doch ihren Charme hat sie sich trotzdem bewahrt. Fußball-Nostalgiker sprechen sogar heute noch von einem Schmuckstück. Die Dorotheen-Kampfbahn hat ohne Zweifel Kultcharakter und ist Dinslakens traditionsreichstes Fußballstadion - das allerdings in kurzer Zeit dem Erdboden gleichgemacht werden könnte. Hinter verschlossenen Türen sollen sich die Fußballclubs der Stadt - mit Ausnahme des VfB Lohberg - und die eingesetzte Lenkungsgruppe zur Sanierung der Bezirkssportanlagen jetzt für eine zukünftige Variante entschieden haben, die Abriss und Vermarktung an der Industriestraße beinhaltet.

Das sogenannte Perspektivkonzept "Fußball in Dinslaken" als ein Ergebnis der Lenkungsgruppe-Treffen nennt noch zwei Alternativen. Ein Insider hat mittlerweile bestätigt, dass die deutliche Mehrheit sich für eine Umsetzung von Varian-te B ausgesprochen hat.

Diese sieht folgende Maßnahmen vor. Drei Bezirkssportanlagen sollen in Dinslaken geschaffen und dabei viele Spielfelder in Kunstrasen umgewandelt werden. Die Bezirkssportanlage West wäre beim SuS 09 an der Voerder Straße beheimatet, würde zwei Kunstrasenspielfelder samt Trainingsbeleuchtung und eine Kunststoffbahn für die Leichtathleten erhalten.

Die BSA Mitte wäre am Lohberger Fischerbusch und ebenfalls mit zwei Kunstrasen-Großspielfeldern ausgestattet. Hinzu käme noch ein Kunstrasen-Jugendspielfeld, zwei Umkleide- und Sanitärgebäude sowie dreimal Trainingsbeleuchtung.

Die BSA Ost an der Hiesfelder Dorfstraße soll als Ergänzung zum bereits bestehenden Kunstrasen ein weiteres Kunstrasen-Großspielfeld samt Trainingsbeleuchtung und eine Kunststoffbahn für die Leichtathleten bekommen.

Nach dieser Variante behielten der SC Wacker Dinslaken und die SGP Oberlohberg ihre Naturrasenstadien plus neuer Trainingsbeleuchtung. Die Wackeraner müssten zudem auf die BSA West (zu einem geringeren Teil) und deutlich mehr auf die BSA Mitte, die ansonsten vom VfB Lohberg und RWS Lohberg genutzt wird, ausweichen. Die SGPO würde einen Großteil ihres Trainings- und Spielbetriebes in Hiesfeld abwickeln.

Finanziert werden sollen sämtliche Sanierungsmaßnahmen vor allem durch die Vermarktung der Dorotheen-Kampfbahn und der Flächen beim SC Wacker, der seinen Ascheplatz und die Trainingswiese aufgeben würde. Für das Terrain, auf dem sich momentan der Tennenplatz befindet, soll bereits ein attraktives Angebot vorliegen.

Die derzeitigen, im Konzept festgehaltenen Berechnungen, beziffern die verbleibenden Kosten auf 840. 000 Euro. Man könne aber durchaus noch auf Landeszuschüsse hoffen, zum Beispiel aus dem Programm Quartierförderung.

Die Alternative A, die den Erhalt aller Standorte mit Umwandlung vieler Plätze in Kunststoffrasenfelder vorgesehen hätte, wäre am Ende wohl deutlich teurer geworden, weil nicht nur der Erlös aus der Vermarktung der Dorotheen-Kampfbahn weggefallen wäre, sondern auch die Sanierung der Anlage ein sehr großer Kostenfaktor gewesen wäre.

Es ist natürlich die Variante, die der VfB Lohberg deutlich favorisiert hat. Beim letzten Treffen der Lenkungsgruppe überreichten die "Knappen" eine schriftliche Stellungnahme. Sie ist betitelt "Mit Tradition in die Zukunft" und setzt voll auf den Erhalt der Dorotheen-Kampfbahn. Den Lohbergern sei "bewusst, dass der Verein aufgrund der jetzigen Zahl der Mannschaften nicht die volle Kapazität beider zur Verfügung stehender Plätze benötigt. Deswegen bietet der VfB Lohberg an, auf die Nutzung der Rotgrandplätze und der Kabinen auf der Bezirkssportanlage ,Am Fischerbusch' zukünftig zu verzichten", heißt es in dem Papier. Vorgeschlagen wird, entweder den Rasen im Stadion in ein Kunststoffrasenfeld umzuwandeln oder zusätzlich zum Rasen innerhalb des Stadions einen kleinen Kunstrasen zu errichten. Darüber hinaus, so fordert der VfB, müsse das Stadionrundum saniert werden: "Die Sanierungsmaßnahmen sind eng mit dem Verein abzustimmen."

Die Forderungen der Lohberger sollen bei den anderen Vereinen nicht besonders gut angekommen sein. Denen ist die Zukunft ganz offensichtlich wichtiger als die Tradition. Die hohen Kosten für die Sanierung der Kampfbahn seien, gerade wegen der geringen Anzahl von Mannschaften, die der VfB noch stellt, keine sinnvolle Investition.

Dezernentin Christa Jahnke-Horstmann hatte schon in einer Sitzung des Sportausschusses betont, dass man einen gemeinsamen Vorschlag der Vereine auf jeden Fall umsetzen wolle, wenn er denn finanziell darstellbar wäre.

(RP)