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Dinslaken: Ozan Caglayan ist leidenschaftlicher E-Sportler

Fußball : Ozan Caglayan ist E-Sportler mit Leidenschaft

Der Dinslakener hat mit einigen Mitstreitern den Club Lohberg Gaming gegründet. Zweimal in der Woche trainieren die Videospieler die Fußball-Simulation „FIFA 19“. In der dritten Liga duellieren sie sich mit anderen Teams.

Ozan Caglayan schaut nervös auf sein Handy. „Jetzt müsste es gleich losgehen“ sagt er. Wenig später ist auf seinem Smart TV eine Kommentatorenkabine zu sehen. Ein Mann mittleren Alters empfängt die Zuschauer zu „ZimaTV“ – einer Fernsehübertragung im Internet. Gezeigt wird das FIFA-19-Testturnierspiel zwischen Lohberg Gaming und den FPC Cheetahs.

Fast allen Videospielern ist die FIFA-Reihe bekannt, die Fußballsimulation des Herstellers EA ist aber mittlerweile viel mehr als einfach nur ein Videospiel. Das Spiel gehört mit seinen verschiedenen Modi zum sogenannten E-Sports. Dabei steht nicht das reine Daddeln im Vordergrund, sondern der sportliche Wettkampf.

So gibt es für einige Spielmodi bereits eine eigene Bundesliga, bei denen auch namhafte Vereine aus der realen Fußballwelt – wie etwa der FC Schalke 04 oder der VfL Bochum – mit Teams eingestiegen sind. Ozan Caglayan hat mit seinem besten Freund Umut Yüce einen eigenen Verein gegründet. Lohberg Gaming entstand im April 2016, damals noch unter dem Namen Lohberg United. „Wir haben für eine gewisse Zeit einer großen E-Sports-Organisation angehört, das hat aber nicht so richtig gepasst. Deshalb sind wir dort ausgestiegen und haben uns im Dezember 2016 neu aufgestellt“, sagt Caglayan. Lohberg Gaming spielt bei FIFA den im deutschen E-Sports noch unpopulären Modus Pro Clubs.

Dabei übernimmt jedes Teammitglied eine bestimmte Position und steuert nur einen Spieler. Die Fußball-Alter-Egos erinnern an die Stars aus der Realität. Ozan Caglayan ist Stürmer und hat seinen Spieler Zlatan Ibrahimović nachempfunden. Trainiert wird zwei Mal in der Woche, dabei kommt es vor allem auf die Abstimmung an. „Wie im echten Fußball trainieren wir Laufwege und Abseitsfallen“, sagt Caglayan. Taktik und Können sind vor dem Bildschirm ebenso wichtig wie auf dem Fußballplatz. Alle virtuellen Spieler werden von realen Menschen gesteuert, die an den Controllern (Bedienung) wissen, was sie zu tun haben. „Man braucht dort schon eine Menge Spielverständnis und muss viel Zeit in FIFA investiert haben“, sagt Caglayan.

Neben den spielerischen Fertigkeiten am Controller ist aber auch die eigene Organisation des Vereins ein wichtiges Kriterium, um im E-Sports erfolgreich zu werden. „Wenn man einen eigenen Verein gründet, beginnt man in einer Art Anfänger-Liga, sodass dort die Stärke der Mannschaft eingeschätzt werden kann. Aber auch die Aktivität ist entscheidend. Zum Beispiel wird überprüft, ob auch schnell Spielberichte online gestellt werden“, sagt der E-Sportler.

Es gibt Sperren, Transfers, auch ein Torschützenkönig wird am Ende einer Saison gekürt. Die Planung findet fast ausschließlich auf einer extra dafür entwickelten Internetseite statt. Gerade bei der Organisation hängt sich Caglayan voll rein. Den Vereinsmanagerposten teilt er sich mit einem weiteren Mitglied von Lohberg Gaming. Im vergangen Jahr organisierten die Lohberger neben der regulären Saison ein Turnier, bei dem es Sachpreise von mehr als 2000 Euro zu gewinnen gab.

In der Pro Club Community ist viel Bewegung. Neben namenhaften Fußballvereinen wie Rot-Weiss Essen oder dem SV Meppen sind es Unternehmen aus den verschiedensten Bereichen, die Kooperationen mit Pro-Club-Mannschaften eingehen. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass sich Spielübertragungen via Streaming-Plattformen wie Twitch oder Youtube immer größerer Beliebtheit erfreuen. „Bei unserem Liga-Finale haben bestimmt 200 Leute im Stream zugesehen“, sagt Caglayan.

Auch sportlich lief es für Lohberg Gaming in der vergangenen Saison gut. Am letzten Spieltag konnte sich die Mannschaft dank eines besseren Torverhältnisses den dritten Platz sichern und in die dritte Liga aufsteigen. Im Gegensatz zum realen Fußball werden aber in einem Jahr zwei Spielzeiten absolviert. Für Lohberg Gaming sind in der neuen Liga damit 60 Spiele über das gesamte Jahr verteilt angesetzt.

Zwar wurde der Verein in Lohberg gegründet, „echte“ Dinslakener sind aber nur Ozan Caglayan und sein Freund Umut Yüce. „Klar wäre ein lokaler Bezug mit Spielern, die nur aus der Umgebung kommen, toll. Dafür ist die Community aber noch zu klein. Außerdem müssen wir fast jede Position mindestens doppelt besetzen. Deshalb haben wir Spieler aus ganz Deutschland“, sagt Ozan Caglayan. Durch das Internet spielen die Entfernungen aber keine Rolle.